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Aktueller Trend auf Twitter

Das steckt hinter dem Hashtag #DeleteFacebook

Das Netz scheint sich gerade einig zu sein: #DeleteFacebook heißt die gemeinsame Devise, die derzeit auf Twitter und anderen Plattformen trendet. Wir erklären, was hinter dem Hashtag steckt.

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Man musste in den vergangenen Tag schon unter einem Stein leben, um nichts von dem umfangreichen Datenskandal zu hören, mit dem Facebook aktuell zu kämpfen hat. Es geht um eine große Menge von persönlichen Datensätzen, die ohne Erlaubnis oder auch nur irgendeinem Mindestmaß an Sorgfalt und Verantwortung an ein Privatunternehmen weitergegeben wurden. Ein Vorgang, der nun weltweit für den Aufruf sorgt, dass eigene Facebook-Profil doch endlich zu löschen.

Besonders pikant: Die Praktiken des besagten Privatunternehmens, Cambridge Analytica, wurden bereits vor zwei Jahren in einem vielfach geteilten Artikel der Schweizer Wochenpubliaktion »Das Magazin« aufgerollt. Dort ging es um das unheilvolle Zusammenspiel von Persönlichkeitspsychologie und Big Data, das der Psychologe Michail Kosinski so perfektioniert haben soll, dass die entsprechenden Methode Donald Trump letztendlich zum Wahlsieg verholfen habe. Der Beitrag hat sich im Nachgang nur bedingt als verlässlich erwiesen und erlag inhaltlich zahlreichen Schwächen und Fehlern. Eine investigative Recherche von Channel 4 brachte dagegen erst kürzlich ganz andere Machenschaften des Analyseunternehmens ans Tageslicht.

Nun ist allerdings bekannt geworden, dass rund 50 Millionen Datensätze ohne die Einstimmung oder auch auch dem Wissen der Nutzer an Cambridge Analytica weitergegeben wurden. 270.000 davon sind besonders umfangreich, da sie über eine Psycho-Quiz-App erhoben wurden. Die restlichen Millionen kommen über das Absaugen der Freundeslisten zustande – eine Praxis, die heute nicht mal mehr erlaubt ist. Facebook soll daraufhin zwar eine Löschung der Daten eingefordert, diese aber schlichtweg nicht überprüft haben. Gelöscht wurde dementsprechend gar nichts, die Daten sollen laut einem Mitarbeiter der britischen Analysefirma sogar als Grundlage für einen Algorithmus gedient haben, der wiederum für die Wahlbeeinflussung genutzt werden sollte.

Der Skandal liegt also vor allem in der passiven, fast schon gleichgültigen Haltung, mit der Facebook diese Affäre überhaupt erst entstehen lassen hat. Ein Haltung, die aktuell auch von einem ehemaligen Beschäftigten des Unternehmens untermauert wird. Zu allem Überfluss soll das Unternehmen dann auch noch juristisch gegen die negative Berichterstattung vorgegangen sein. Das bestätigt noch einmal das Gefühl vieler Menschen, in dem sozialen Netzwerk kein mündiger Nutzer mehr, sondern nur noch eine digitale Ressource zu sein. Das ist aktuell der Anstoß dafür, unter dem Hashtag #DeleteFacebook für eine Abkehr von dem sozialen Netzwerk zu werben.

Von der Tragweite des Skandals abgesehen muss festgehalten werden, dass jeden Tag riesige Mengen von Daten von Facebook in die Kanäle privater Unternehmen fließen. In diesem Fall ist es eben nur besonder perfide gelaufen. Die Folgen dürften für Facebook aktuell schon recht schmerzhaft Umfang zu spüren zu sein: Aktionäre klagen gegen das Unternehmen, die Datenschutzbehörden wurden auf den Plan gerufen und Mark Zuckerberg soll ins Kapitol einberufen werden, um sich vor dem Kongress zu dem Fall zu äußern.

Ob über all diese Dinge auch noch in einem halben Jahr geredet wird, bleibt dennoch fraglich. So richtig Wirkung wird auch dieses Fanal gegen Facebook nicht zeigen, das ahnt man bereits. Als Impuls (Lies: Warnschuss) für einen reflektierten Umgang mit den sozialen Netzwerken taugt der Skandal aber allemal.