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Kratzen & Beißen: Die monatliche Hass-Kolumne

Christian Steinbrink gegen Science-Fiction

Puh, alles so voll hier mit diesem Sci-Fi-Heldenepos, das aus Umsatzgründen einfach nicht sterben will. Wie öde! Christian Steinbrink schaut sowieso lieber Filme, in denen einfach nichts passiert.
Geschrieben am
Ich will fair bleiben, zumindest anfangs: Was hier steht, kommt von einem absoluten Ignoranten gegenüber allem, was mit Science-Fiction, Fantasy und dem ganzen Schmonz zu tun hat. Warum das so ist? Nun ja: Mir will einfach nicht in den Kopf, warum ich mich in Fantasiewelten einfinden sollte, um etwas über mich, die Gesellschaft oder menschliches Handeln zu lernen. Auch nicht, um mich nur unterhalten zu lassen. Ich verstehe einfach nicht, warum sich Legionen von Fans dieser plumpen Form von Eskapismus so lustvoll hingeben.

Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob die Galaxie frei erfunden oder mit vermeintlichen wissenschaftlichen Fakten bedeutungstechnisch aufgeladen wurde: Beides wirkt so schlicht konstruiert, so vorhersehbar, so unnötig, dass man nicht ernsthaft mit einem Erkenntnisgewinn oder wenigstens aufregender Unterhaltung rechnen kann. Wer Astronomie will, kann ja auch eine Dokumentation schauen.

Ich verstehe nicht, warum man zu Science-Fantasy greift, obwohl es so viele Filme und Regisseure gibt, die spannende Plots und Sozialstudien auch mit deutlich nahbareren Charakteren entwickeln können. Warum schauen nicht alle lieber Mike Leigh anstatt Ridley Scott? Warum nicht Stephen Frears anstelle von Stephen Spielberg? Und warum hat Eric Rohmer Roland Emmerich nie den Rang abgelaufen? 


Die Antwort ist natürlich klar: Beim Gros der Science-Fantasy geht es nicht um physikalische und biologische Theorien rund um das Outer Space, sondern zuvorderst um grelle Reize, die die Gehirne vieler erst zum Klingeln bringen. Verzichtet man auf ein aufsehenerregendes Setting oder setzt diese Reize subtiler ein, schweben über diesen Köpfen große Fragezeichen. Das ist so traurig.

Denn dass langsam erzählte Filme ohne absurde Wendungen aufregend sein können, hat beispielsweise Rohmer eine komplette Karriere lang bewiesen. Allein: Die jahrzehntelang konditionierten und dadurch abgestumpften Synapsen der Masse werden nicht gereizt, wenn einen ganzen Film lang scheinbar überhaupt nichts passiert. Mir ist schon klar, dass auch das Genre der Science-Fiction Filmklassiker mit beeindruckenden Motiven hervorgebracht hat.

Dennoch schaue ich mir lieber Plots an, deren Protagonisten auch bei mir im Nachbarhaus wohnen könnten. Da muss auch niemand sterben, heiraten, sein Coming-out haben oder in eine Lebenskrise stürzen. Mir reicht es für einen Film mit nachhaltiger Wirkung, wenn Gaspard die ganze Zeit mit Margot durch die Bretagne streift und ihr seine Zweifel an Liebe und Beziehung darlegt, wie es Rohmer in seinem Film »Sommer« darlegte. Dadurch ist Gaspard nicht weniger egozentrisch als Darth Vader, aber es ist ein Egozentrismus, der mir etwas über mich erklärt. Oder eben über den Typen im Nachbarhaus.

Deshalb: Schmeißt ruhig weiter der Unterhaltungsmaschinerie »Star Wars« euer Geld in den Rachen und kauft ihr absurdes Merchandise! Und als Nächstes könnt ihr auch gleich Helene Fischer ihre anderthalbmillionste CD abkaufen. Kommt aufs Gleiche raus.