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Dein persönlicher »American Dream«

Ein Wochenende mit Britney Spears

This is a story about a girl named Britney. Paula Irmschler hat sich ein Wochenende lang mit Britney Spears neuem Mobile-Game »American Dream« zu Hause eingeschlossen, und am Ende nur geflennt.
Geschrieben am
Early morning, she wakes up …

Eins vornweg: Ich HASSE Spiele. Hass, Hass, Hass. Soldaten abballern, Süßkram crushen, nach Pilzen springen, Holzfiguren über Bretter schieben – was ist das für 1 Freizeitaktivität? Dementsprechend entrüstet reagierten meine Freunde, als ich ankündigte, dass ich am Wochenende nicht zum Saufen rauskomme, weil ich jetzt dringend mal was zocken müsste. Denn in dem Maße wie ich Spiele verachte, liebe ich Britney Spears. Klar, eher die früheren Sachen. Aber wenn die Popprinzessin ein Handy-Spiel herausbringt, dann wird das natürlich mitgemacht. It’s schließlich Britney, Bitch. Also, »American Dream« runterladen, das Endgerät sagt »Verknüpfung Britney erstellt« und ich sage: »geil«.
 
Wie wird es wohl sein? Ich denke an ihren legendären Zusammenbruch von 2007, das ikonische Bild, wie sie glatzköpfig auf einen Journalisten mit einem Schirm losgeht – das wäre so ungefähr meine Storyline für ein Britney-Spiel. Bei »American Dream« geht es jedoch, wenig überraschend, darum, selbst ein Popstar zu werden. Ob auch die vielbesprochenen Schattenseiten (Absturz, Ausbeutung, fehlende Jugend, fiese Paparazzi) vorkommen? Ich habe meine Zweifel.

 It's time for makeup, perfect smile

Zuerst entwerfe ich einen Charakter. Da es um Britney geht, will ich unbewusst auch wie sie aussehen. Wie bei jedem Spiel ist die Gestaltung der Figur in der Theorie eine total coole Sache, man assoziiert sogleich die Möglichkeit zur Kreativität und Identifikation - aber wird jedes Mal hart enttäuscht und gelangweilt. »Beauty comes in all shapes and sizes«? Von wegen. Hier geht man durch die harte Schule der »Normschönheit = Erfolg«-Gleichung. Unrealistische Bodytypes, Auswahl zwischen kleinem Näschen und ganz kleinem Näschen und hässlicher Lippenstift. Ich sehe jetzt also so aus, wie sich fiese Plattenbosse das eben so wünschen. Im Laufe des Spiels entscheide ich mich dann doch nochmal für ein eher P!nk- und dann Beyoncé-artiges Aussehen plus Brille, auch das geht in »American Dream«. Für jeden Einkauf von Klamotten gibt es Style-Punkte, also ist so ein Make-Over vermutlich erwünscht. Ich spare allerdings vor allem auf Gitarren, die ich dann jedoch kaum benutze.
Isn't she lovely, this Hollywood girl?

Doch nicht alles ist unrealistisch. Glaubt man den gängigen Pop-Marionetten-Klischees, dann stimmt folgendes: Ständig wird man wie eine Praktikantin rumgeschickt. Fahr nach Beverly Hills, hol erst mal Kaffee, verlasse das Gebäude, ruf deine beste Freundin an, sprich mit Britney, geh ans Telefon, tritt dort und dort auf, singe etwas vor. »I don't wanna be so damn protected«!

Die erste Begegnung mit Britney habe ich bei »Starbeans« (genialer Name!). Britney bestellt einen Erdbeer-Whippacino. Das triggert mich. Ich muss also, jetzt im real life, erst mal zum Kiosk, Bier kaufen. Das wird ein emotionales Wochenende, ich ahne es bereits. Zurück im Spiel singe ich Britney unterdessen etwas vor, und sie ist total begeistert. Das habe ich mir immer gewünscht! Ja, genau das war doch meine Fantasie als neunjährige Kinderzimmer-Performerin! Britney sagt generell so Sachen, die ich schon immer mal von ihr hören wollte und die ich mir in Zukunft mantra-artig vor dem Spiegel vorbeten werde.

»You look fantastic«
»It’s time to get out there«
»Believe in yourself«
»Don’t give up«
It's you they're all waiting for

Sie schickt mich anschließend zu irgendwelchen Fuzzis, Agenten und Managern und schenkt mir rote Britney-Diamanten, mit denen ich Klamotten kaufen kann. Ich singe beim Vorsingen und auf der Bühne dann Sachen wie »Es ist mir zu viel«, »Du solltest besser glauben«, »Wenn Du mich willst«, »Die Geldklammer kann meine Kohle nicht festhalten«. Die Lyrics in »American Dream« sind der Kracher!


Meine erste Single lautet dementsprechend, das Offensichtliche nach Außen tragend: »Es ist mir zu viel«. Das Plattencoverdesignen ist wieder total super: Es gibt irgendwelche Emoticons und Herzchen und ich nehme einmal alles. Die Genreauswahl macht mich hingegen wahnsinnig. Ich entscheide mich für Trap Jazz. Dann wird noch ein Video gedreht, Promotion gemacht, genetzwerkt, Interviews gegeben. Wo bleibe ich denn bei all dem? Ich schluchze. So muss sich Britneys Jahr 1999 angefühlt haben, oh Gott, oh Gott.

But tell me what happens when it stops?

Dann der Eklat: Meine Stimme soll nur Computer sein! Fiese Gerüchte tauchen bei »Tweeter« auf. Und ich habe auch eine Gegenspielerin, die fiese Aston Kole. Sie will mir Steine in den Weg legen. Klar, Frauen, sie können nicht wirklich was und stehen immer in Konkurrenz zueinander, hinterhältig halt. Jetzt werde ich langsam wirklich wütend. Auch, weil mir die Gimmicks ausgehen und ich kein Geld mehr habe für Gefälligkeiten wie »Zustimmend nicken«, „Lächeln“ oder »Witz erzählen«. Natürlich kann man sich auch Werbe-Videos anschauen, um an neuen Kram ranzukommen, aber ich google Sicherheitshalber mal »Britney Cheat«, Ergebnis: Kevin Federline. Ich brauche mehr Bier. Natürlich nehme ich im Spiel keine Drogen, rauche nicht und habe keinen Sex.
Britney Spears American Dream
Lost in an image, in a dream

Inspiration für neue Songs erlangt man unter anderem durch Dates, sagt Britney. Ich schmeiße mich zunächst an Arron Peterson ran, »a bass player«, dem ich später noch meine ganze Kohle für Anzüge in den Rachen werfe. Fragt nicht, er tat mir einfach leid. Dann fange ich was mit Charity an. Ja, es ist wahr, in »American Dream« funktionieren auch lesbische Beziehungen. Warum dieser Date-Firlefanz? Selbst soziale Interaktionen und zwischenmenschliche Beziehungen sind in »American Dream« nur Werkzeug zum Fame, man bekommt nämlich tatsächlich Inspirations-Punkte. Alles für das höhere Ziel: Der Erfolg, der eigentlich kein Ziel kennt, sondern letztlich nur Selbstzweck ist. Ich hab es satt, ich will kein Star mehr sein, sondern nur noch ein normales Mädchen, und höre jetzt »Everytime« in Dauerschleife, vermutlich Britney ehrlichster Song, und deswegen so deprimierend. Ich rufe meine Freunde an, der Spuk ist vorbei, nie wieder Spiele!

Glu Games Inc

Britney Spears: American Dream

Release: 17.05.2016

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