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Auf dem Tisch: Glutenfreier Schokoladenkuchen

Kochen mit Kate Nash

Puffärmel sollte man haben! Dann würde das mit dem Locker-aus-dem-Handgelenk-Schütteln vielleicht so klappen wie bei Kate Nash. Wir haben mit ihr glutenfreien Schokoladenkuchen gebacken.
Geschrieben am
Nur noch ein kräftiger Schwung mit dem Kochlöffel und fertig ist das Kunstwerk. »Abstrakter Expressionismus!« ruft Kate Nash aus, während sie dunkle geschmolzene Schokolade in eine gelbliche Pampe aus Kichererbsen, Eiern und Zucker rührt. Ihr sowieso schon strahlendes Gesicht hellt sich für einen Moment vor Freude noch mehr auf – und dann rührt sie einfach weiter, bis alle expressionistischen Kontraste in homogenem Braun versuppen. So ist das nun mal: Jeder Augenblick ist vergänglich. Nur der süße Geruch davon liegt für ein Weilchen länger in der Berliner Luft: Heiße Kakaobutter und ein Hauch von Parfüm.

Kate Nash ist nicht nur empfänglich für Kunst und überaus lebensweise (»Ich finde, man muss reifer und weiser werden, sonst hätte das Altern doch gar keinen Sinn!«), sie ist auch noch umwerfend gestylt. Zum »Kochen mit«-Termin rauscht sie zwar nicht im 50s-Stewardessen-Look an wie im Clip zu ihrer aktuellen Single »Do-Wah-Doo«, doch ihr Retroschick ist makellos. Zu einem Joan Miró zitierenden Mini-Jumpsuit, Leggins und Absätzen, die ihr sowieso nicht gerade kleines Persönchen an die Zwei-Meter-Marke schrammen lassen, trägt sie einen Herzchenanhänger um den Hals, kess geschürzte Lippen im Gesicht und ist sich trotzdem nicht zu schade, über das gesamte Ensemble eine 1.-FC-Köln-Schürze zu ziehen. Kochen macht Spaß, aber Schoko macht Flecken. Und Kichererbse fliegt gern mal ungefragt durch die Gegend, wenn sie in einer Schüssel mit Mixer und Pürierstab malträtiert wird.
Er wünschte bloß, all seine Schäfchen wären so, flüstert einem der Begleiter von Kates deutscher Plattenfirma zum Klang der rotierenden Messer ins Ohr. Wie jetzt, alle mit Mixstäben statt mit Gitarren bewaffnet? Aber nein! So unkompliziert, allürenfrei, sofort bei jedem Talk- und Back-Event dabei und obendrein noch spritzig-gut-gelaunt. Vielleicht könnte er seine restliche Zickensammlung einfach in die Kate-Nash-Schule schicken. Dort wird nämlich dafür gesorgt, dass man auch nach dem schnellen großen Erfolg noch dieselbe bleibt. Was braucht ein gewöhnliches Outsider-Girl Anfang zwanzig nach einem Nummer-eins-Album in England? Genau, erst mal Urlaub zu Hause in London. Auf dem Sofa rumlümmeln, mit dem Boyfriend ins Kino, für die Familie Nash Lammstelze kochen und selbst zur Vegetarierin werden. Also einfach eine ganz normale junge Frau sein – die dann vor lauter Schreibdrang in ihrem Inneren trotzdem ein Demo nach dem anderen rauskloppt, mit Leuten wie Bernard Butler von Suede ins Studio läuft und nebenbei mit zwei Freunden eine Punk-Band namens The Receeders gründet. Genau so sah das bei Kate Nash aus. »Ich bin eben Songwriterin. Ich hatte keinerlei Druck vom Label, aber ich habe dann fast unabsichtlich ein ganzes Album geschrieben.«     

Jetzt ist sie zurück. Und was wollte man da anderes erwarten als etwas Besonderes? Also: Kichererbsenschokoladenkuchen. Vor eineinhalb Jahren wurde bei Kate nämlich die Ursache für ein konstantes Unwohlsein gefunden: eine Weizenallergie gepaart mit Laktose-Intoleranz. »Ich habe deswegen auch schon mal mein eigenes Brot gebacken«, erzählt sie. Statt Mehl tun es eben auch zermatschte Kichererbsen im Teig, und von dem bisschen Butter zum Einfetten der Backform lässt sie sich nicht abschrecken. Dazu ist sie viel zu hands-on und pragmatisch.

Wenn in der fremden Küche gerade nichts anderes greifbar ist, reicht zum finalen Bestaubzuckern des Kuchens eben ein Nudelsieb. Eventuell würde es wohl auch ein Hauch von Kates Glöckchenstimme tun. Dass sie in die Schokomasse ihrer Songs immer wieder heimtückisch Chili und Klartext einrührt, das kennt man bereits von ihrem ersten Album. Nun wird sie in einigen Stücken gerne noch expliziter. »Pass bloß mit dem halben Meter blank geschliffenen Edelstahls in deiner Hand auf!« meldet sich alarmiert der innere Sicherheitsdienst zu Wort, nachdem man Kate auf Album Nummer zwei als kreischende Rockröhre neu kennengelernt hat (»I Just Love You More«) und weiß, mit welch roher Energie sie ihre feministischen Anliegen zu vertonen weiß (»Mansion Song«). Aber dann ist das Meisterwerk auch schon fachgerecht zerlegt, Kate serviert reihum ihre ebenholzdunkle Köstlichkeit und bringt natürlich auch den Kindern des Hauses ihr Stück vom Kuchen.

Das Rezept: 

Glutenfreier Schokoladenkuchen

250 g geraspelte Schokolade
400 g gekochte Kichererbsen
4 Eier
150 g Zucker
1/2 TL glutenfreies Backpulver
1 EL Staubzucker zum Garnieren
Kichererbsen mit den Eiern fein pürieren, Zucker und Backpulver zugeben, geschmolzene Schokolade einrühren, in eine gefettete Kuchenform geben und ca. 45 Min. bei 180° backen. Kurz auskühlen lassen, mit Staubzucker bestreuen und servieren.


Kate Nash

My Best Friend Is You

Release: 01.01.2010

℗ 2010 Polydor Ltd. (UK)