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Ex-Intros erinnern sich

Am Bleiben gescheitert

In fast 27 Jahren Intro-Geschichte gibt es natürlich viele Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, die daran gescheitert sind, uns bis zum Ende beizustehen. Aber keine Bange: Übel nehmen wir euch das nicht. Kristina Engel, Lektorin und erste und längste Festangestellte des Verlags, hat viele von ihnen kontaktiert und sich ihre Erinnerungen erzählen oder aufschreiben lassen.

Geschrieben am

Umsetzung:
Kristina Engel

Ende 1993 fragte ich beim Intro nach einem Praktikumsplatz. Auf die Idee war zwar noch niemand gekommen, aber irgendwer muss ja den Anfang machen. Das Büro befand sich im Kinderzimmer des Herausgebers Matthias auf einem Bauernhof in Dratum-Ausbergen. Ein Raum, zwei Schreibtische, viele CDs und ein verstrubbelter Jungunternehmer. Nicht selten war auf die Frage an ihn: »Wann musst du bei diesem wichtigen Termin sein?« die Antwort: »Vor zwei Stunden, ich muss echt langsam los!« Endlos telefonierend, vergaß er gerne Zeit, Raum und auch schon mal die Tortellini auf dem Herd. Statt die brennende Küche zu löschen, kam er zurück ins Büro, um uns lachend zu erzählen, dass er grade den Herd abfackle.
Alex Wiebold (erste Praktikantin 1994)

 

Das schmucke Teil war sogar international anerkannt. Obwohl mein Name auf keiner Liste stand, gewährte man mir samt Begleitung beim Rock Werchter 1998 nach Vorlage problemlos freien Eintritt ...
Stefan Epping (Chefredakteur Inregio NL/EL u. a. 1992-2000)

Meistens habe ich Hardcore-Bands interviewt. Und dann Heinz Rudolf Kunze. Sein Album »Draufgänger« war gerade erschienen. Kunze stand damals bei mir als Songwriter hoch im Kurs. Geistreiche Texte. Fein geschliffene Poesie für Herz und Hirn. Das Interview: eine Ernüchterung: vorgefertige Antworten. Nichts Persönliches. Nichts Spontanes. Selbstgefällige Pose in nagelneuer Lederjacke. Wie cool! Nach einer halben Stunde war ich froh, wieder draußen zu sein. Enttäuschung pur. Und das, lange bevor Kunze sich für die SPD engagierte. Und lange vor seiner »Freundschaft« mit Christian Wulff (CDU), den er später ebenfalls unterstützt hat. Tja ...
Peter Holz (Autor 1992-1995)

Aus der Zeit als Layouter der ersten Jahre gibt es natürlich das eine oder andere Geschichtchen, an das ich – jedenfalls mittlerweile – belustigt zuückdenke. Unter anderem musste ich die Rezensionsseiten der Neuerscheinungen, nun ja, zusammenschustern. Die Seitenzahl hierfür war unumstößlich festgelegt, allein, Kritiken nebst Coverabbildungen gab es reichlich. Meist reichlich zu viel. Das führte zu Kürzungen der häufig leidenschaftlichen, also leidenschaftlich langen Rezensionen. Und zu ebenso leidenschaftlicher Empörung ob der Kürzungen, nächtens vorgenommen von Lektorin und Herausgeber und von den Schreiberlingen erst in der gedruckten Ausgabe wahrgenommen.
Sehr beliebt war, die Schriftgröße in jenem Teil des Magazins immer noch einen Grad kleiner anzulegen. Für einen Layouter mit handwerklicher Basis durchaus mit Bauchschmerzen verbunden. Denn nicht selten hieß es noch weit nach Mitternacht – und nachdem man glücklich alles irgendwie untergebracht hatte –: Dieses und jenes, aber auch unbedingt das Neue von ... müsse noch ins Heft. Ohne etwas anderes dafür zu opfern. Dann saß Matthias mit mir am Rechner und diktierte Kürzungen. Konnten wir dann endlich den Deckel drauf machen, zwitscherten bereits die Vögel. Selbst die vorwiegend jugendliche und augengesunde Leserschaft dürfte bei der Lektüre die Lupe zu Hilfe genommen haben.
Willie Remme (Layouter in den 90ern)

Apropos »Nächte durcharbeiten«. Eine Zeitlang habe ich mir mit dem Kollegen René Peters und der Intro-Redaktion die Büroräume geteilt. René und ich hatten neben Intro natürlich auch andere, nicht unbedingt Rock’n’Roll-affine Kunden. Beim Palaver mit solch einem in Hemd und Schlips auftretenden Gast in der Gemeinschaftsküche, es war später Vormittag, also so gegen 14 Uhr, betrat der liebe Stefan Glietsch die Szenerie. Völlig zerknittert und übernächtigt, vielleicht auch ein wenig von erfolgreiche Redaktionsabeit ankurbelnden Substanzen gezeichnet – und bekleidet lediglich mit seiner Unterhose. Er entbot ein korrekt höfliches »Morgen«. Ich weiß nicht mehr, ob René und ich die Verwirrung des Schlipsträgers schlüssig entkräften konnten, möglicherweise ist aber dort der spießige Gedanke gereift, es mit eigenen Räumlichkeiten zu versuchen.
Willie Remme (Layouter in den 90ern)

Den späteren Intro-Chefredakteur Stephan Glietsch lerne ich während einer Clubtour des längst vergessenen G-Funk-Rap-Duos DFC kennen. Die beiden Rapper – Getto-gestählt und mit einer guten Portion krimineller Energie ausgestattet – essen kategorisch nicht im Restaurant, auch das Hotelfrühstück verschmähen sie. Sie wollen ausschließlich zu – McDonald’s. Mit ihren Kleinbild-Kameras fotografieren sie während der Fahrt deutsche Taxis. Weil, so sagen sie, ihr Kumpel Warren G. daheim sonst nicht glaubt, dass in Deutschland stinknormale Caps aus dem Daimler-Benz-Werk kommen. Al und T. haben gehört, dass es in Europa Vampire gäbe. Wo genau diese Wesen anzutreffen seien, fragen sie. Wir antworten, dass die Geschichte von Graf Dracula im heutigen Rumänien spielen würde. Da es für einen Tagesausflug ein bisschen weit ist, wollen sie nun zumindest ein deutsches Schloss sehen. Also machen wir einen Abstecher nach Heidelberg. Dort angekommen, haben sie gar kein Interesse an einer Besichtigung, statt dessen rennen sie wie von der Tarantel gestochen los, um in die dunklen Torbögen im Schlosswall zu fotografieren. Als wir fragen, was, bitte, genau Sinn und Zweck der Übung sei, flüstern sie: »Look, there are the vampires hiding!«
Tim Jürgens (Chefredakteur Inregio Nord u. a. 1993-?)

Matti war [und ist] FC-Köln-Fan, und auch ich hatte seinerzeit Sympathien für diesen Verein. Einmal, es war DFB-Pokal, kam er am frühen Abend zu mir ins Büro, und es entspannn sich ungefähr dieser Dialog: »Moahh, heute spielt Köln gegen Bayern!« »Ja, weiß ich doch.« »Boah, da müssen wir hin!« »Is’ doch längst ausverkauft.« »Ach, da geht immer was.« »Nee.« »Doch, Schwarzmarkt, Rückgaben ...« Dieser Dialog wiederholte sich viertelstündlich, garniert mit Anstachelungen wie: »Du bist gar kein richtiger Fan.« »Wir verpassen die Sensation.« »Du bist überhaupt nicht spontan.« Der Hundling hat mich wirklich dazu gebracht, mit ihm und drei weiteren Kollegen in meinem kleinen Twingo nach Köln zu jagen. Etwa eine halbe Stunde nach Anpfiff erreichten wir das Müngersdorfer Stadion. Und wir lernten: Ausverkauft heißt ausverkauft. Nach Bratwurst und Bier ging es zurück nach OS. Hab’s mir als teambildende Maßnahme schöngeredet. Und als Lektion in Beharrlichkeit und Überzeugungskraft.
Willie Remme (Layouter in den 90ern)

Ein Freitag im Sommer 1994. Sengende Mittagshitze. Auf der A1 am Westhofener Kreuz wie üblich mehr stop als go. Mitten in der Blechlawine der dunkle Intro-Passat mit defekter Kühlung und 1500 druckfrischen Heften im tief hängenden Kofferraum. Während Kopilot Sohn über Möglichkeiten der Temperaturabsenkung im Motorraum doziert, befindet sich die Nadel im Steigflug schon jenseits der 100°C-Marke. Der Verkehrsfunk meldet 16 km Stau, weder Boxengasse noch Pannenstreifen sind in Sicht. Was tun? Es hilft alles nichts: Oberkörper frei, sämtliche Fenster runter- und Heizung volle Möhre aufgedreht, um die Hitze übers Wageninnere abzuleiten. Dazu besingt Robert Pollard in maximaler Lautstärke »Grandfather Westinghouse«. Bei dem Stück bekomme ich heute noch Schweißausbrüche.
Joachim Henn alias Branko Zebec (Chefredakteur Inregio Süd u. a. 1993-2011)

Popkomm 1994. Der Intro-Stand sieht aus wie ein Heuschober, vollständig ausgestattet mit Ballen aus Vadder Hörstmanns Stallungen. Wir sind alle furchtbar aufgeregt, weil den ganzen Tag Promoter der großen Plattenfirmen vorbeischauen, um sich in der stickigen Kölner Messehalle bei uns anzubiedern. Matthias hat einen Deal mit einem frühen Energiedrinkhersteller abgeschlossen – heute vermutlich längst als krebserregend auf dem Index. Das Gesöff enthält neben dem obligatorischen Wachmacher viel Alkohol und hellblauen Farbstoff. Die Plattenfirmenleute belächeln uns wegen des bäuerlichen Interieurs ein bisschen. Dass sämtliche Redakteure ihren Standdienst zudem leicht debil grinsend mit blau gefärbten Lippen versehen, bestätigt das Hinterwäldler-Image, das uns Ur-Intros in den frühen Jahren anhaftet. Nur einer fühlt sich auf Anhieb wohl bei uns: Als um 18 Uhr die Hallen schließen, schläft Captain Sensible (»Wot«) nach tüchtigem Powerdrinkkonsum mit blauer Schnute bei uns im Heu.
Tim Jürgens (Chefredakteur Inregio Nord u. a. 1993-?)

Vertrieb. In den ersten Jahren bringt Matthias die Hefte noch selbst in seinem Golf 2 aus Dratum zu mir in die WG (48 qm) in Hamburg-Hoheluft. Der Wagen ist stets bis zum Bersten voll mit Magazinen, die Verkleidung drückt schleifend auf die Hinterreifen. Matthias kommt meistens erst nach Mitternacht an, ist wohl oft Stau auf der Bahn von Osnabrück. Kaum eingetroffen, kann er es kaum erwarten, die Hefte direkt auf dem Kiez in den Clubs auszulegen. Beim ersten Mal schmeißt ein Ordner in den Docks einen Stapel noch direkt vor unseren Augen in den nächstgelegenen Mülleimer. Aller Anfang ist schwer! Wenn ich am Tag in die Plattenläden komme, gibt sich das Personal gern gönnerhaft. Plattenhändler ist damals noch ein Status-Job. Bei Michelle im Gertrudenkirchhof blafft der Typ an der Kasse: »Alder, nich schon wieder so’n Umsonstscheiß.« Ich kaufe irgendeine CD und darf den Stapel liegen lassen. Was die Verkäufer nicht wissen: Ich bin in Hamburg Intro-Vertriebs-, Anzeigen- und Redaktionsleiter in einem, mein WG-Zimmer steht im Heft als Redaktionsadresse. Deswegen erlebe ich den Moment live mit, als die Ablehnung in Akzeptanz umschlägt: Als ich Ende 1994 vom Vertrieb heimkomme, ist ein Anruf des pampigen Michelle-Verkäufers auf dem AB: »Alder, da hat heute wieder einer ‘n Stapel Hefte gebracht, die waren nach einer Minute weg. Kannst’ dem ma sagen, dass er nächsmal das Fünffache hierlassen soll?« Ja, kein Problem, sach ich ihm.
Tim Jürgens (Chefredakteur Inregio Nord u. a. 1993-?)

Europameisterschaft 1996. Ganz Europa taumelt im Oasis-Wahn: »Don’t look back in anger«. Die Intro-Mannschaft auch. Matthias lädt am 23. Juni, einem Sonntag, zur Redaktionskonferenz in seine Wohnung in der Osnabrücker Innenstadt. Wie immer alles gaaanz wichtig, gaaanz dringend. Es geht wie so oft um die Existenz oder Ähnliches. Am Nachmittag spielt Deutschland im Viertelfinale gegen Kroatien. Matthias aber schwört Stein und Bein, dass sich das Meeting auf keinen Fall verschieben lasse, und verspricht, das Match auf VHS aufzunehmen. Die Stimmung während der Sitzung ist angespannt, es wird viel rumgebrüllt. Alles etwas überhitzt. Zumal wir trotz Sommerhitze alle Fenster und Türen geschlossen halten, um keinesfalls Jubelschreie von den Straßen mitzubekommen. Als wir nach Ende schnell runter in die Fußgängerzone gehen, um Bier für den Video-Abend zu holen, ist es totenstill in Osnabrück. Die ersatzgeschwächte DFB-Elf ist offenbar ausgeschieden. Matthias spendiert drei Flaschen Jägermeister. Schließlich gibt es nur eine Sache, die wir fast noch besser können, als uns in Meetings anzublöken: auf Wirkung trinken! Zurück in der Wohnung sehen wir eins der härtesten Spiele der EM-Geschichte. Slaven Bilic tritt den am Boden liegenden Christian Ziege, Jürgen Klinsmann wemst einen Gegner ohne Ball brutal um. Fußball von einem anderen, düsteren Todesstern. Obwohl die Deutschen ab der 59. Minute 2:1 führen, geht unsere Gesellschaft aus gut trainierten Schnapsdrosseln bis zum Abpfiff davon aus, dass da noch was passiert. Wie sonst lässt sich die sonntägliche Ruhe in der Fußgängerzone erklären? Passiert aber nix mehr. Später haben wir dann alle gemeinsam Matthias’ Kühlschrank leer gefressen. Bis heute schwört er, er sei froh darüber gewesen, weil sich dort etliche Lebensmittelantiquitäten befunden hätten. Wie es mir am nächsten Tag ging, habe ich vergessen.
Tim Jürgens (Chefredakteur Inregio Nord u. a. 1993-?)

Dies ist bereits meine 250. Ausgabe als Intro-Grafiker, dabei bin ich 1993 eigentlich nur mit meinem Freund Martin von Wuppertal nach Osnabrück gedüst, um ein bisschen Spaß zu haben und neue Leute kennenzulernen. Kurze Zeit später layoutete ich in der Freizeit meiner Zivi-Zeit den Intro-Regionalteil Rhein/Ruhr, und wiederum nur wenige Jahre später bekam ich das Angebot, das komplette Magazin zu gestalten. Doch dazu wäre es beinahe gar nicht gekommen, denn bei einem fröhlichen Ausflug zum Minigolf mit der Redaktionsrunde verquasselte ich mich auf der Fahrt mit dem damaligen Chefredateur Stephan Glietsch, und wir verpassten den Anschluss an die Auto-Kolonne. Handys hatten wir zu der Zeit noch nicht, und so irrten wir beiden Ortsfremden durch ein abgelegenes Waldstück am Rande Osnabrücks, als urplötzlich eine Bahnschranke auf das Dach meines Golfs krachte und wir feststeckten. Geistesgegenwärtig sprang Stephan aus dem Auto und drückte die Schranke mit aller Kraft nach oben, sodass ich meine Karre gerade noch zurücksetzen konnte, bevor der Regionalzug vor uns die Gleise kreuzte. Glück gehabt!
Jörn »Osi« Osenberg (Layouter seit 1993)

Eines meiner schönsten Intro-Erlebnisse war das erste Introducing Festival im April 1998 im Pier 2 in Bremen. Der Anspruch, an einem einzigen Abend in quasi einem einzigen Set (aufgrund der Umbaupausen-Beschallung durch Terranova) Bands und Acts von Tocotronic bis Kemistry & Storm auf die Bühne zu kriegen, war einfach (Intro-typischer) musikalischer Wahnsinn! Letztgenannte durfte ich als erwiesener Drum’n’Bass-Jünger dieser Dekade übrigens in meinem 64er-Ford-Taunus kutschieren und bekam dafür ein persönliches Autogramm auf eine ihrer Compilations, die ich heute noch streichle und dabei Pipi in die Augen kriege. Das hatte ich auch, als wir ab vier Uhr morgens abbauten und unser damaliger Nürnberger Vertriebsmann so was von totenstramm auf den meterhohen Boxentürmen herumturnte, um scheißteure (geliehene) Projektionsgeräte zu bergen. 2000 Leute sollten damals reinpassen; irgendwas bei 3000 plus waren es dann tatsächlich, was wahrscheinlich an der hoffnungslos langen Gästeliste lag. Außerdem hatten wir backstage doch tatsächlich geile Funkgeräte – so war »Hodensack« direkt mit »Großhirn« verdrahtet. Es konnte also nur gut werden!!
Armin Bauer (zweiter Praktikant, Vertriebsgott u. a. 1995-1999)

Die Weihnachtsfeiern. Legendär natürlich die Butterfahrt ab Eemshaven. Ein vollgepackter Reisebus ab Osnabrück, mit Intro-Folks und einigen netten Labelspacken. Schon auf der Hinfahrt gab’s Selbstgebackenes – Space Cakes. Auf die mitreisenden Rentner auf dem Butterschiff müssen wir wie ein verdammter Haufen Aliens gewirkt haben.
Oliver Bresch (Inregio Nord, Head of Marketing & Sales u. a. 1993-2017)

Die Geschichte von Intro und Harry fing vor vielen Jahren an: Harry hat mit den Jungs von 808 State nach Englands Euro-96-Niederlage gegen Germany (who else) geweint. Er hat den gesamten Soma-Katalog im Plattenladen angehört, bevor er zum (unerwarteten) Slam-Interview fuhr ... Es waren damals nur um die 100 Vinyls. »Frag Jason bitte nicht nach Spacemen 3«, sagte die Spiritualized-Promo-Lady, das Thema sei noch viel zu heikel. Harry verstand natürlich: »Frag Jason nach Spacemen 3.« Darren Emerson von Underworld hat ihm sein erstes pint of lager top (sehr erfrischend) bestellt in einer Kneipe in Soho, die er nicht mehr findet. Harry umarmt euch, liebe Intro-Freunde und -Freundinnen, die Musik verbindet uns forever. Thanks Matthias, Stephan, Oliver, Thomas. Thanks Tina Engel (the clue is in the name).
Gareth Davies alias Harry Calvino (Autor in den 90ern)

Meine Erinnerungen verschwimmen, gefühlt im Pleistozän schrieb ich für Intro. Ich soff irgendwann mit Glietsch. Stephan kannte ich gut, vor seiner Intro-Zeit hatte er als Promoter für Glitterhouse gearbeitet. Wir waren uns einig, irgendwann würde der Mensch nur noch »I Wanna Be Your Dog« denken müssen – und schon würden über einen Chip im Nacken die Stooges loslärmen. Damals hatten Telefone noch Schnüre. Wir waren Propheten, besoffene Propheten. Wir konnten verdammt noch mal in die verfickte Zukunft schauen, in die Zukunft, in der es Printmagazinen und Labels an den Kragen gehen würde. Das würde scheiße werden. Und trotzdem, hilft ja nichts, lasst uns aufrecht bleiben und Haltung bewahren. Prost.
Rembert Stiewe (Autor in den 90ern)

Beim Hurricane 1998 hat man uns erlaubt, am Stand (einem zum Disco-Wohnzimmer dekorierten 7,5-Tonner mit Hebebühne) in den Umbaupausen Musik aufzulegen. Wir hatten ein Momentum, als wir das Festival nach Ende des offiziellen Programms eigenmächtig verlängerten. Mit Fat Boy Slim, dem Funksoul Brother. Mehrere Tausend am Tanzen – bis man uns endlich den Strom abdrehte.
Oliver Bresch (Inregio Nord, Head of Marketing & Sales u. a. 1993-2017)

Die Popkomm. Immer wieder ganz besonders. Mit Heuballen-Stand, MTV/Nickelodeon-Doppeldeckerbus nebst Team in Busfahreroutfits oder einem als Rückzugsort gedachten Zelt, das rund um die Uhr von allerlei zwielichtigem Gesindel (Kunden, Freunde, Partner ...) bekifft wurde. Top Idee. Und die Fußballturniere, hart an der Grenze des menschlich Erträglichen, nach vier Tagen Messe und Feierei – mit dem grandiosen Cup-Gewinn 1998, 1:0 im Finale gegen die damalige Übermannschaft von Viva, durch einen Fernschuss in den Winkel. Rock-Hard-Schleutermann im Tor und der tobende Ostfriese Jürgens als Libero. Übersäuerte Waden bei 30 Grad.
Oliver Bresch (Inregio Nord, Head of Marketing & Sales u. a. 1993-2017)

Intro und ich, das sind fast genau 20 Jahre gemeinsamer Weg, die verdammte Hälfte meines Lebens! Mit 19 half ich als Praktikant, den Umzug von Osnabrück nach Köln zu organisieren, baute komplizierte Schreibtische auf, an denen ich noch bis vor Kurzem in meinem jetzt Berliner Büro gearbeitet habe. Kurz nach dem Schreibtisch ging auch überraschend Intro. Aber mehr als nur ein Stück davon bleibt: in der Seele des Melt Festivals, in Introducing-Events, die ich wiederzubeleben gedenke, und natürlich in mir selbst. Ich habe versucht, mich an DIE Anekdote zu erinnern, aber es waren einfach zu viele tolle Menschen und Momente, um nur eine in 600 Zeichen hervorzuheben. Ich werde mich wie sicher viele andere auch bemühen, ein bisschen Intro am Leben zu erhalten. 
Stefan Lehmkuhl (Event-Redakteur, Introducing-, Intro-Intim- & Melt-Veranstalter u. a. seit 1999)

Als es passierte ... waren die Weakerthans, Cristina Martinez und Travis der Soundtrack meines Lebens und Intro meine Familie. Dass ich in genau diesem Moment, zu dieser Musik meine eigene gründen würde, war natürlich nicht geplant. Fühlte ich mich doch immer als Driftwood und war damals bei Intro zum ersten Mal gestrandet, ... äh, gelandet! Es war eine wundervolle bedeutungsträchtige Zeit, der Sand in meinem heutigen modewissenschaftlichen Getriebe. Matthias Hörstmann, Oliver Bresch, Stephan Glietsch, Thomas Venker und nicht zuletzt Linus Volkmann gaben mir den Mut und die Energie, Mode in den Mittelpunkt meines kreativen Denkens zu stellen. Wir gründeten damals das erste popkulturelle Moderessort, vor 18 Jahren, als Fashion und Style noch keine Burner waren! Mit Fran [Travis] und Cristina wurde ich als Moderedakteurin flügge, und alle flogen mit ...
Dagmar Venohr (erste Moderedakteurin 2000)

Beim Summerjam 2000 haben wir einen veritablen Stromausfall im gesamten Backstage verursacht. Wir wollten am Stand das EM-Endspiel schauen, hatten zwei Fernseher für PlayStation-Konsolen, aber keine Antenne. Also einfach Draht in die Antennenbuchse gefummelt und mit dem Drahtgestänge des Pavillon-Zeltes verbunden. Ging gut – bis das Gewitter kam.
Oliver Bresch (Inregio Nord, Head of Marketing & Sales u. a. 1993-2017)

Frisch nach Y2K bekommen wir den Auftrag, intro.de zu relaunchen. Die Devise: Online-Journalismus ganz schnell maximal groß machen mit Multimedia Content und unserem intro.de-Facebook. Dass das Internet damals so schnell ist wie Yacht Rock, entmutigt uns nicht. Spätestens, als man uns DV-Camcorder gibt, fühlen wir uns unbezwingbar wie öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten. Zum Start unserer Intro-Community legen wir uns Fake-Profile großer Diktatoren zu und geben einander Plattentipps im Forum. Jetzt ist der Spaß vorbei. Mach’s gut, sweet intro.de.
Maik Arensmann (Online-Redakteur 1999-2004) & Christoph Becker (Head of Online 1999-2002)

Sehr legendär: 2002 war ich während der WM von unserem guten Intro-Kunden Puma zu einer Party im Pacha, München, eingeladen. Meine Begleitung (Markus Bublitz) stellte mir Philipp Köster und Reinaldo Coddou vor, die ein Fußballmagazin namens 11Freunde herausbrachten. Mir völlig unbekannt. Aber die Idee klang verlockend, und die Typen waren nett, sie suchten einen Verlag, und wir beschlossen beim Bier, gemeinsame Sache zu machen. Am nächsten Morgen musste ich weiter zu einem Festival im Osten, das ich mir anschauen sollte – es hieß Melt! und war geil.
Oliver Bresch (Inregio Nord, Head of Marketing & Sales u. a. 1993-2017)

 

 

Was mir aus der Vermarktung noch sehr präsent ist, sind langwierige Diskussionen zum Für und Wider von Werbung: Lassen wir Zigarettenanzeigen und Tabak-Werbung zu, oder verlieren wir dann unsere Glaubwürdigkeit bzw. alle Leser? Dürfen wir überhaupt Modestrecken machen und diese vermarkten, oder geht daran das Abendland zugrunde? Was ist gute Werbung, was geht gar nicht? Darf man die Titelgeschichte »verkaufen«? Die Antworten sind eigentlich einfach und naheliegend, aber wir haben es uns durchaus schwer gemacht – und das als kostenloser Titel. Gerade in der Rückschau irgendwie auch süß.
Oliver Bresch (Inregio Nord, Head of Marketing & Sales u. a. 1993-2017)

Thomas Venker und ich haben uns gerade von Martin L. Gore verabschiedet. »Das Interview war ja wie auf einer Wellenlänge«, sage ich euphorisiert, kaum dass wir wieder auf dem Hotelflur stehen. Thomas stimmt zu: »Ich frag gleich den Promoter, ob wir nicht noch mit Martin essen gehen können. Da ist ja noch so viel zu besprechen.« Hinter mir geht die Zimmertür wieder auf: Martin L. Gore strahlt uns an. »Bestimmt fragt er uns jetzt, ob wir nicht zusammen essen wollen«, denke ich. Gore guckt uns fröhlich an und sagt: »Der Typ nach euch hat sein Mikrofon vergessen. Kann er für sein Interview eures haben? Der Promoter gibt es euch nachher zurück.« Wir geben ihm das Mikro. Die Tür geht zu. Das Mittagessen findet nie statt.
Michael Münz (geb. Krumbein, Online-Redakteur u. a. 1992-2005)

Am aufregendsten fand ich die Arbeit für Intro immer, wenn sie nicht in Köln stattfand. Dieser überdimensionierten, engen Kleinstadt, mit der ich als Neuankömmling aus Wien auf Kriegsfuß stand (und mit der ich mich aus der Ferne mittlerweile ausgesöhnt habe). Nicht umsonst war mein Spitzname in der Redaktion »Travelling Eismännchen«, denn sobald es eine – möglichst ferne – Reise abzugreifen gab, drängelte ich mich nach vorne. Selbstverständlich fielen die interessantesten Angebote in den Schoß des ebenso reiseversessenen Chefredakteurs, aber in den goldenen Zeiten der Musikindustrie regnete auch für mich noch genug herab. Am denkwürdigsten, wenn auch am emotional kompliziertesten waren stets die Redaktionstrips – ob als jährlicher Ausflug zum Melt Festival oder als einmaliger Besuch der Red Bull Academy in Melbourne. Ich erinnere mich noch, wie wir im eiskalten Moskauer Frühling von einem herzensguten georgischen Pärchen zu siebt in einem kleinen Pkw durch die Stadt kutschiert wurden und dabei von grimmigen Ordnungskräften mit gezogener Knarre kontrolliert wurden, nachdem die Herren Scharlau, Venker und Volkmann die ganze Zeit schon aufgrund ihrer – aus postsowjetischer Sicht zweifelsohne höchst gammeligen – Parkas überall misstrauisch beäugt worden waren. Obwohl oder gerade weil ich mich in meinen viereinhalb Jahren Köln nie in der »Rheinmetropole« heimisch gefühlt habe, waren die Verlagsräume in der Herwarthstraße so etwas wie mein damaliger Lebensmittelpunkt.
Sonja Eismann (Kultur-Redakteurin 2002-2007)

Als 2005 das Johnny-Cash-Biopic »Walk The Line« erschien, flog ich nach Los Angeles, um Joaquin Phoenix zu interviewen. Er galt damals als Irrer, der völlig rational wirken konnte, um im nächsten Moment nackt auf einem Alpaka davonzureiten. Ich wartete mehrere Tage im Four Seasons Hotel, Beverly Hills, auf den Termin, der sich täglich neu verschob, und aß Pizza für 25 Dollar (Margherita). Da ich kein Taxi-Geld hatte, fragte ich an der Rezeption nach der nächsten Bushaltestelle, um die Stadt zu sehen. Niemand konnte helfen. Die Frauen mit Sommerhüten so groß wie Traktorreifen im Foyer schauten mitleidsvoll. Als Phoenix endlich zum Interview erschien, brach er sofort wieder ab. Ich konnte hören, wie er vor der Tür entsetzt diskutierte. Eines der Interview-Mikrofone machte ihm Angst. ES WAR ZU GROSS. Nach fünf Minuten kam er lächelnd zurück: »Now it’s okay.« Im Gegensatz zu Reese Witherspoon bekam er keinen Oscar für »Walk The Line«. Ich hätte ihm einen gegeben.
Felix Scharlau (Redakteur & Textchef 2004-2014)

Neil Tennant, die eine Hälfte der Pet Shop Boys, begrüßt mich überschwänglich. »Nice to see you again! How are you today?« Die vermeintlich schwierige Künstlerseele, die kurz vor ihrem Auftritt beim Melt! 2006 doch eigentlich noch ein paar Nuancen schwieriger sein sollte, gibt sich offenherzig und wird mit mir später noch durch die Nacht ziehen, so meine vorsichtige erste Einschätzung. Diese bekommt in den folgenden Minuten weiteren Nährboden, als Chris Lowe, die andere Hälfte, den zweckmäßig ausgestatteten Container im Backstagebereich betritt, mich umarmt und in ein kurzes, aber intensives Gespräch über Wein und Lebenslust verwickelt. Den Umstand, dass er sich dabei auf eine frühere Begegnung mit mir bezieht, ignoriere ich – er wird im weiteren Verlauf des angeregten Gesprächs aber noch wichtig werden. Nämlich ziemlich genau in dem Moment, als mir und den beiden klar wird, dass es sich um eine Verwechslung handelt. Nein, ich bin nicht der namenlose »German journalist«, an den die beiden diffuse, aber immerhin offenbar nachhaltig positive Erinnerungen haben. Ich bin ein anderer. Den Rest des Gesprächs absolvieren alle Parteien mehr oder weniger professionell. Letztlich steht diese kurze und zunächst vielversprechende Begegnung mit einer der größten Popbands der Welt auch sinnbildlich für meine Zeit bei Intro: Es gab diese Momente, in denen sich eine neue, verheißungsvolle Welt vor meinen Augen öffnete, die alles erstrahlen ließ. In der alles intensiv und bedeutend schien, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick. So ist Pop nun mal.
Peter Flore (Online-Redakteur u. a. 2005-2012)

Ich weiß nicht mehr, wie oder wo ich Anna Burch entdeckt habe, aber ich hab ihr Album direkt bei Polyvinyl aus Champaign, Illinois vorbestellt. Irgendwann merke ich, dass Anna beim SXSW spielen wird, und ich zähle die Tage, in der Hoffnung, dass ich das bestellte T-Shirt beim Konzert tragen kann. In der Tat kommt das Päckchen mit pinkem T-Shirt, Kassette und jeder Menge netten Aufklebern zwei Tage vor Abflug an. In Austin gelandet gleich hin, Nick aus London kommt nicht mehr rein, zu voll, ich stehe ganz vorne, direkt neben mir Anna, getting ready. Jetzt müsste ich ihr sagen, wie weit ich gereist bin, wie sehr ich »Quit The Curse« liebe, aber nein, zu schüchtern, jetzt auf einmal. Ich verstecke mein rosa Anna-Burch-T-Shirt (das schon 18.000 km geflogen ist) unter meiner Jeansjacke. Sie nimmt ihre Gitarre und steigt auf die Bühne. Strange, the ones you love.
Gareth Davies alias Harry Calvino (Autor in den 90ern)

Georgsmarienhütte, Borgloh, Dratum. Über Land sind es laut Tacho knapp 18 Kilometer. Genau da, wo die Straße Richtung Melle-Gesmold einen 90-Grad-Knick nach links macht, geradeaus auf den Hörstmann’schen Hof, halblinks rüber zum Haus, parken, über die Diele in das mit CDs vollgestopfte Jugendzimmer, die Intro-»Redaktion«. Rucksack auspacken: Block mit Fragen, (frische) MC90, Plattenfirmeninfo mit Telefonnummer (Amerika!). Dann: die Maschine präparieren. In der Ecke steht der mysteriös futuristische Anrufbeantworter mit zwei Kassetten: Eine zeichnet auf, die andere gibt die Ansage wieder. Beim Austauschen der Mitschnittkassette auf keinen Fall den falschen Schacht wählen, hatte Matthias mehrmals gesagt. Dann warten. Fliegen lassen sich nach ihrem Frühstück am Dunghaufen auf meinen fisseligen, kulturell angeeigneten Dreadlockversuchen nieder. Es ist 15:30 Uhr, mein Gegenüber steht wahrscheinlich gerade auf. Nummer einhacken, REC drücken, es näselt: »Hello?« Dann kann es ja losgehen. »›Miscellaneous Debris‹, wie kommt man auf so einen Plattentitel, Mister Claypool?« Die große weite Welt, zu Gast in Dratum-Ausbergen. Den Text werde ich später auf einer 3,5-Zoll-Diskette vorbeibringen, dann muss keiner meine Sauklaue abtippen. Es ist schließlich 1992.
Carsten Sandkämper (Redakteur 1992-2000)

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