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Hobbingen am Rhein

20 Dinge, die ich auf der Mittelerde-Messe HobbitCon gelernt habe

Am Osterwochenende kam J.R.R. Tolkien nach Bonn. Naja, nicht persönlich - er ist seit 1973 tot. Doch dank der HobbitCon, der offiziellen Convention zu »Der Hobbit«, kamen zumindest etliche Schauspieler aus dem Peter-Jackson-Film. Da durfte Intro nicht fehlen.
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1. Eine spleenige Nerd-Convention muss nicht zwangsläufig nur bestritten werden von männlichen, chronisch unterfickten Real-Life-Entsprechungen des »Big Bang Theory«-Casts. Auf der HobbitCon sind fast mehr Frauen als Männer anwesend. Hobbits scheinen große Girl-Magneten zu sein. Davon hat Elitepartner.de einem nie erzählt!

2. Viele der Frauen tragen keine Schuhe, dafür hobbitmäßig Haar-Toupets an den Füßen. Ein Traum für den besonderen Fetischisten! Wir können unsere Blicke nur schwer abwenden.
 
3. Elbenohren zum Ankleben kosten 14EUR95. Man sollte allerdings nicht enttäuscht sein, wenn man nach dem Ankleben nicht aussieht wie Liv Tyler 2002 sondern wie Mister Spock heute.
 
4. Kompetenzenerweiterung ist der Schlüssel zum beruflichen Erfolg in Krisenzeiten. Stichwort: Facharbeiter! Eine zusätzliche Sprache hilft da enorm weiter. Zum Glück gibt es das Pons-Wörterbuch »Elbisch-Deutsch« nicht nur für 5 Euro auf der HobbitCon, sondern auch online gratis.

5. Beeindruckend die Werke des anwesenden Malers Jay Johnstone. Er träumt nachts Szenen aus Mittelerde, die er dann als aufwändige Ikonenbilder in Öl zum Leben erweckt. Sozusagen das Nachliefern mittelalterlicher Quellen für eine fiktive Fantasywelt aus dem 20. Jahrhundert. Sick, geil, teuer.



6. Was es bei den Devotionalien leider nicht gibt, ist eine »Legolas-Sexpuppe«. Schade für uns Fans!
 
7. An einem der Stände werden indes auch Käse-Chips verkauft. In großen Mengen und zum halben Preis. Beschriftung: »MHD abgelaufen«. Den Comic Book Guy wird’s freuen.
 
8. Der Host auf der Hauptbühne spricht englisch, trägt Anzug und wirkt in seiner diabolischen Aufgeräumtheit, als wäre man bei einem Scientology-Seminar. Teuer genug ist es hier, um eins zu sein. Das »Goldticket«, was unter anderem bedeutet, man muss nicht für das Autogramm jedes der anwesenden Filmzwerge 30 Euro extra zahlen, ruft einen Preis von 499 Euro auf.
 
9. Ein weiterer, im Programmheft als »Convention-Urgestein« angekündigter Vortragsgast geht mit der etwas überschaubaren Anzahl an Gästen, die so viel Geld bezahlt haben, nicht ausschließlich empathisch um: »Naja, richtig die Post geht dann eh erst im Herbst auf der Ringcon ab!« Na, danke.
 
10. Eine Zuschauerin fragt schüchtern, weshalb der dicke Zwerg Bombur eigentlich »not so many lines in the movie« habe. Bombur-Schauspieler Stephen Hunter hat selbst bereits nachgezählt und konkretisiert unumwunden ehrlich: »Well yeah, obviously none, right?«.

11. Von seinem Zwergenpartner Mark Hadlow (Dori) erlernen die Zuschauer kurz darauf das magische Geheimnis wie ein Zwerg zu gehen. Man solle einfach so tun, als müsse man dringend auf Toilette, wolle es aber nicht so offen zeigen und ginge daher breitbeinig und etwas langsamer. Hadlow führt es umgehend vor, und er hat Recht. Genau so gehen die Zwerge.  
 
12. Die Referentin des Vortrags der sich unter anderem mit Satanismus bei Harry Potter befasst, wirkt selbst wie eine Art Austauschschülerinnen-Mephisto.
 
13. Mit einem Kostüm als einer der »Schwarzen Reiter« sieht man gruselig aus und ist der King auf der Convention – außer man muss Treppen steigen. Da der Sichtbereich augenscheinlich fast blind ist, müssen einen mehrere Leute führen, als wäre man der gebrechlichste Rentner des Monats.



14. Auf der HobbitCon gibt es im übrigen sehr viele Schwarze Reiter – aber keinen davon im Werk zur Messe, dem Tolkien-Buch »Der kleine Hobbit«. Doch die Hobbit-Ultras verzeihen kleinere Unzulänglichkeiten bei der Tolkien-Exegese: Nirgendwo sehen wir niedergeschlagene Nazgûls blutend unter den Konferenztischen liegen.
 
15. Tommy Krappweis gibt es also auch noch. Und er trägt einen total lächerlichen Zopf. Die Jüngeren werden es nicht mehr wissen: Der clowneske Krappweis stieg in den Neunzigern bei der Comedy-Sendung »RTL Samstag Nacht« ein. Kurz nach seinem Engagement wurde die Sendung abgesetzt.




16. Tommy Krappweis promotet irgendwelche Tolkienfernen Quatschbücher, die er scheinbar nicht nur geschrieben hat sondern bei denen er auch mit Verfilmung droht. Zum Schluss holt er noch Bernd das Brot auf die Bühne. Wir befinden uns wohlgemerkt auf der HobbitCon. Es reicht! Wir wollen unsere 499 Euro zurück!
 
17. Wer auf Nerd-Veranstaltungen geht, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Diese SMS kommt von den Daheimgebliebenen:
»Von der ‚Miss Sexy Hobbit‘-Wahl, über den Elben-Sektstand (0,1l 8€) zum Vortrag ‚Binnenhandelsbeschränkungen in Mittelerde‘. Einfach orkmäßig stark!«
 
18. Der supersympathische Vorsitzende der Deutschen Tolkiengesellschaft, Tobias M. Eckrich, hat blaue Haare und sieht aus, als hätte er bis vor einigen Jahren bei der Funpunk-Band Busted als Lead-Gitarrist mitgewirkt.
 
19. Er ist selbst überaus höflich zu den Banausen, die ihm gestehen, erst über die Peter-Jackson-Filme zu Tolkiens Welt gefunden zu haben. Ob er dabei die Faust in der Tasche ballt, ist nicht zu sehen.
 
20. Ein junger Mann, der den Vortrag »Lieder und Gedichte im Hobbit« hält, erwähnt zu Beginn nicht ohne Stolz, er sei Lehrer und leite die einzige Tolkien-Schüler-AG Deutschlands. Wir überlegen sofort, in seine Heimat Aachen überzusiedeln, damit potenzielle Nachkommen seinen Unterricht besuchen können.