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Wahlshow auf Pro 7

15 Dinge, die wir bei »Absolute Mehrheit« mit Stefan Raab gelernt haben

Was Stefan Raab anfasst, wird zu Gold. Warum also nicht auch eine Polit-Talkshow? In "Absolute Mehrheit - Meinung muss sich wieder lohnen" gewinnt der Gast, der mehr als 50 Prozent der Zuschauer hinter sich und seine Meinung bringt, 100.000 Euro. So irre, so real. Felix Scharlau hat sich die erste Ausgabe gestern Abend angesehen.
Geschrieben am
01 Es gibt nichts Schöneres, als sich für uncoole Politiker fremdzuschämen, die um die Gunst junger Wähler buhlen. Guido Westerwelle ist daher mein Held, stelle ich beim Nachdenken vor der Sendung fest. Immerhin baute er eine ganz politische Karriere auf das Prinzip auf.



















02 Es ist 22:47 Uhr, los geht’s! Ich und die anderen Jugendlichen vor den TV-Geräten stellen uns ab Minute eins die brennendste aller Fragen der modernen Politik. »Atomausstieg«? »Betreuungsgeld«? Quatsch, wir meinen: Wann kommt endlich Elton?

03 Gerüchten zufolge war Umweltminister Peter Altmaier zunächst eingeladen, zog nach Publikwerden seiner angeblichen Forderung, wonach Volker Beck bloß zu Hause bleiben solle, seine Teilnahme aber wieder zurück. Himmel, das war knapp! War Pro7 denn nicht klar, dass um diese Zeit auch Kinder zugucken könnten?


Foto: Deutscher Bundestag / H.J. Müller

04 Als erstes will Stefan Raab »ein paar lockere Fragen stellen. Wir wollen wissen, was für Typen hier sitzen.« Schön formuliert, denn es hocken tatsächlich nur Typen auf der Couch. Um das zu kaschieren, wurde eine Frau aus dem Volk dazu geladen, die erst als »attraktiv« und im zweiten Schritt als »erfolgreiche Unternehmerin aus Berlin« angekündigt wird. Hut ab, Pro7.

05 Stefan Raabs erste Frage an Michael Fuchs, Stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, lautet: »Herr Fuchs, wer hat die Gans gestohlen?«

06 Aber echt, jetzt stellen Sie sich mal die Brainpool-Redaktionssitzung vor, bei der ein Autor giggelnd diesen verwesten Halb-Gag pitcht, wodurch der Redaktionschef prustend auf den Konferenztisch haut und jubelt: »Aufhören! Ich kann nicht mehr!« Können Sie sich nicht vorstellen? Mehr Fantasie!

07 Michael Fuchs plaudert heiße CDU-Interna aus, wonach die Kanzlerin blind und dennoch fehlerfrei SMS tippen könne. Wenn Fuchs so weitermacht, kann die CDU an diesem Abend noch die nächste Bundestagswahl für sich eintüten.

08 Dass der überzeugendste Politiker am Ende des Abends 100.000 Euro erhält, hat Bundestagspräsident Norbert Lammert vor der Sendung öffentlich kritisiert. Da wir, statt den Artikel ganz zu lesen, lieber weiter Kätzchen-Videos geguckt haben, eine Frage: Sein Problem war schon, dass 100.000 zu wenig ist, oder?

09 SPD-Abgesandter Thomas Oppermann redet zum jungen TV-Publikum, als sei es geistig zurückgeblieben: »Wir brauchen ein Bündnis der Starken und der Schwachen. Das muss so gemacht werden, dass die Starken dabei nicht schwach werden. Aber die Schwachen, die müssen viel stärker werden. Dazu müssen die Starken einen Beitrag leisten.« Schneller, Opi! Was ist das hier? Das langsamste Hütchenspiel der Welt? Wir haben unseren Wehrdienst auf Ecstasy in »Call of Duty« geleistet!

10 So feiert Wolfgang Kubicki seinen zwischenzeitigen ersten Platz im Zuschauerranking. Das rechts ist übrigens nicht seine Frau, sondern immer noch die Zuschauerkandidatin. Unsere Prognose für die Pro7-Wahlnacht: Kubicki checkt im Hotel morgen nicht alleine aus.



11 Oh, nein! CDU-Fuchs (der mit der Gans!) fliegt wegen zu wenig Stimmen als Erster aus dem Beliebtheits-Ranking. Dabei hatte er doch das mit dem SMS-Merkel erzählt und eine Deutschlandfahne im Knopfloch getragen! Ob sein Problem sein könnte, dass er mehrere hundert Jahre alt ist?

12 Erst nach einer Stunde kommt Werbung? All die unzerhackstückte Sendezeit löst beim geübten Pro7-Zuschauer nicht Freude, sondern nackte Angst aus. So fühlt sich TV-Agoraphobie an.

13 Endlich, unser Lieblingsthema: Facebook-Parties, die aus dem Ruder laufen. Aber Mist, die Politiker reden nur darüber, wer hinterher den Schaden zahlen soll. Nicht über das eigentliche Problem: Was tun mit den Schweinen, die bei »Teilnahme« ständig auf »vielleicht« klicken, aber nie kommen?!

14 Wer von den Gästen handgestoppt am meisten Sendezeit bekommt, ist der parteilose Peugeot 3000-irgendwas, den es zu gewinnen gibt.



15 Aus, aus, das Spiel ist aus! Kubicki gewinnt zwar nicht das Geld, aber zu meinem Entsetzen immerhin die so genannte Talkrunde. Plus, mittlerweile mehr als deutlich: auch die Unternehmerin aus Berlin. Na, dann. Gute Nacht, Deutschland.