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TV-Ohnmacht

15 Dinge, die ich beim ESC 2013 gelernt habe

Kein Raab, keine Lena, keine Dita van Teese, kein Gastgeberland unter Homophobie-Verdacht - einfach nur ... die Songs, die Künstler, die Kostüme. Ein Fest für Schlager-Ultras, der Untergang für den angetrunkenen Zaungast. Linus Volkmann wurde mehrfach ohnmächtig.
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01 Barbara Schöneberger moderiert in strömendem Regen die Pre-Show auf der Reeperbahn. Sie trägt einen Rock in Farben von Borussia Dortmund und ihre gespielte Gute Laune ist eine echte Leistung angesichts der nicht nur von Tristesse überschwemmten Umstände.

 
02 Erster Gedanke bei einer der Liveschalten der Warm-Up-Show: Wer ist denn diese überdrehte Planschkuh, die lacht wie ein hysterischer Bauer? Ach stimmt, das ist ja Cascada. Der deutsche Beitrag. Hoffentlich merkt das keiner!

03 Immer noch Warm-Up. Nächste (erschreckende) Erkenntnis: Huch, Sportfreunde Stiller gab’s ja auch noch. Vom neuen Album performen sie die erste Single: „Applaus, Applaus“. Darin wird ihr Megahit von vor zehn Jahren „Ein Kompliment“ einfach noch mal musikalisch und inhaltlich nachgestellt. Krass, aber why not? Im Endeffekt doch auch nicht peinlicher als Bassist Rüdes Frisur. Sportfreunde Stiller - das ist eben Indie-Lebenshilfe unter Ausschluss von Misstönen.

04 Apropos Lebenshilfe: Das „Wort zum Sonntag“ kommt direkt danach, Prime Time für den Herrn. Fünf Minuten, bevor es losgeht, salbt der Theologe in die Show rein. Die ist so verregnet und öde, die bräuchte wirklich Beistand von ganz oben. Und wer Bummbumm Schlager aus Zypern erträgt, der ist vielleicht auch labil genug für Religion, denkt sich vielleicht auch Pfarrer Stephan Claas. Fair enough. Kein Wort natürlich in seinem Gelaber über die rechtliche Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft (vulgo: Homo-Ehe) – dass der ESC letztlich DIE Fete der Rainbow-Community ist, blendet Opa aus. Amen.            

05 Endlich geht's los. Arms open wide? Kann man eigentlich nicht bringen auf der Bühne. Außer natürlich beim Eurovision Songcontest. Der ist ästhetisch so weit hinten, dass man wahrscheinlich mit der Ansage „Seid ihr alle gut drauf?!“ vom Publikum als unkonventioneller Avantgarde-Styler wahrgenommen würde... Hier umgesetzt vom „David Garrett ohne Geige" aus Island, Eyþór Ingi Gunnlaugsson.

06 Nun Spanien. Laut Grand-Prix-Legende, Moderator Peter Urban, besitzt die Sängerin von ESDM nur ein dünnes Stimmchen. Als ob das an diesem Abendgroß auffallen würde. Interessant eher: Der Indiebub voll auf MDMA und an der Gitarre. Den würde man im Berghain auch nicht aus dem Darkroom schubsen.                             


07 Apropos Peter Urban. Der hat offensichtlich als Vorbereitung die Comedy-Abendschule abgeschlossen. Zitat: „Belgien ist ja bekannt für sein Bier – der junge Mann hier könnte mit den Augen brauen.“ (Ersatzfoto: Theo Waigel – bei Roberto Bellarosa sah’s natürlich noch heftiger aus)
 

08 Das diesjährige und tiefschürfende Motto übrigens: „We Are One“. Macht echt nachdenklich! (Oder wie heißt das andere, wo man sich einen Finger in den Hals steckt und so tut, als müsse man kotzen?)
 
09 Der Rumäne Cezar sieht in seinem Endgegner Bösewichtkleid bisschen aus wie eine campy Version des Schurkens aus Flash Gordon, also der Imperator Ming!
 

10 Ich will mit Bonnie Tyler Amore machen. Oder zumindest ihre Extensions küssen. Und wenn die arme hundertmal fünftletzte wurde. Banausen!

11 Alberner Sirtaki mit Röcken, Volksmusikkitsch und Quetschkommode? Die Griechen singen "Alcohol is free" (Alkohol ist kostenlos). Mensch, sowas besoffen Kumpeliges, das hätte wirklich der deutsche Beitrag sein können. Wenn beim Vorentscheid nicht die idiotische Jury, das Publikumsvoting überstimmt hätte. Dann hätten uns die knuffigen Heinis von LaBrassBanda mit ihrem Titel „Nackert“ vertreten. Deren Look wäre so nah am Deutschenklischee gewesen, das man wirklich Charme und eine Chance gehabt hätte.
 
12 Okay, den Rest der Veranstaltung abgekürzt: Mist, Mist, Kitsch, ganz nett, schon wieder vergessen. Schön aber in der Show vor der Abstimmung: Was der Pfarrer nicht hinbekam, wird in einem Song umgesetzt: "Kiss the groom", also "Küss den Bräutigam". Props für die gleichgeschlechtliche Ehe, props für Malmö.

13 Lena verbockt ihren Vortrag von drei Wertungen. Auch schon eine Kunst.

14 Gewonnen hat Dänemark mit einem vitalen wie biederen Ke$ha-Look'n'Soundalike, Emmelie de Forest "Only Teardrops". Aserbeidschan, Griechenland, Norwegen knapp dahinter hätte man es vielleicht mehr gegönnt. Aber es haben schon weit schlimmere diesen Wettbewerb abgeräumt.

15 War noch was? Klar: Deutschland. Der Moderator hadert wie immer mit den nepotistischen Votes aus der UdSSR und seinen Warschauer-Pakt-Verbündeten. In Wahrheit ist der 21. Platz noch schmeichelhaft für die Kopie der Kopie.

15 +1 Bonus-Fakt: Und jetzt stalke ich Bonnie Tyler, nie waren meine Chancen besser! Total Eclipse Of The Heart...