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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

David Shrigley

What's up?

Thomas Venker sprach mit dem schottischen Künstler u.a. über sein Album 'Worried Noodles' und Kollege Daniel Richter. Die Langfassung.
Geschrieben am
In "Hallam Foe", diesem tollen neuen schottischen Film, für den du Booklet und Plakat gestaltet hast, sieht man in einer Szene eine Hand zeichnen - ist das deine?
Ja. Sie dachten, es sei lustig, wenn ich stellvertretend für die Hauptrolle zeichnen würde.

Als dein Album ohne Musik, "Worried Noodles", herauskam, sprachst du davon, dass es keine Pläne für eine musikalische Umsetzung der Texte und Zeichnungen gebe. Was brachte dich letztlich doch dazu?
Als ich davon sprach, dass es keine Pläne gibt, meinte ich nicht, dass es nicht passieren kann. Aber du hast recht, ich selbst hatte das nicht vor und wäre nicht drauf gekommen. Aber als Tomlab damit ankamen, machte es Sinn für mich - ich hätte allerdings nie geglaubt, dass daraus so was Großes werden könnte.

Tomlab haben ja viele Musiker für das Projekt kontaktet - und keiner hat abgesagt. Sind das nicht enorme Streicheleinheiten für dein Ego?
Nun ja, ich glaube, die Geschichte stimmt so nicht ganz. Ein paar Leute haben schon abgesagt, aber nicht, da sie keine Lust, sondern schlichtweg keine Zeit hatten. Oder zumindest rede ich mir das so schön. Anyway, es hat mir sehr geschmeichelt, dass so viele Leute dabei sein wollten.

Mir gefällt die Breite der Auswahl. Die reicht von echten Celebritys wie David Byrne, dem erwartbaren Strang an Tomlab-Künstlern bis hin zu heißen Acts der Stunde wie Hot Chip. Hast du die ausgewählt?

Einen Teil der Künstler habe ich selbst ausgesucht; die aber auch wohl deswegen, da ich sie kannte und mir so leichter vorstellen konnte, dass sie mitmachen würden. Franz Ferdinand und Aidan Moffat sind beispielsweise Leute, die ich sehr gut kenne. Wen ich mir sehr stark gewünscht habe, war Hazil Adkins, aber leider konnte er nicht dabei sein. Da er tot ist.

Welche Zusage hat dir am meisten bedeutet?
Alle. Wobei die von Franz Ferdinand besonders toll war, da sie die Letzten waren, die ihr Stück angeliefert haben - und sie mussten sich die Zeit wirklich freischaufeln für mich.

Wie fühlt es sich denn an, wenn andere Leute musikalisches Leben in die eigenen Worte bringen? Haben sie die Atmosphäre deiner Texte getroffen?
Es war seltsam, als ich die Songs zum ersten Mal gehört habe. Ich habe damals, als ich sie schrieb, ja nicht damit gerechnet, dass sie mal in Musik umgesetzt würden. Eigentlich waren sie ja nur Songs, da ich sie eigenmächtig so genannt habe. Ich hätte sie damals ja auch Gedichte nennen können, dann wäre ...

An dem Song von Tussle bist du auch als Musiker beteiligt. Wie kam das zustande?
Ich habe zu Hause ein Ministudio, in dem ich auch die Stimme für die Spoken-Word-Platte, die ich letztes Jahr produziert habe, aufnahm. Und so habe ich auch diesmal den Text aufgenommen. Ich habe Tussle nie getroffen.Kommen wir mal zu deinem daily Business: der Kunst. Was steht als Nächstes an? Was für neue Ideen hast du? Neue Ausstellungen?
Ich habe gerade eine große Ausstellung in Malmö in Schweden gehabt, von daher bin ich sehr durch. Außerdem habe ich ein neues Buch publiziert: "Ants Have Sex In Your Beer" - dafür muss ich gerade auch Interviews geben. Und es stehen Shows in London, Wien, Zürich, Barcelona und New York an - ich bin also ziemlich busy.

Okay. Letzte Frage: Daniel Richter, den ich für diese Ausgabe auch traf, hat letzte Woche in Paris eine ganz lustige Performance hingelegt: Er gab sich im Auftrag einer deutschen Wochenzeitung als Touristenmaler aus und zeichnete Selbige in der Gegend des Centre Pompidou für fünf Euro. Das Ganze muss man als Infragestellen des Kunstbetriebs mit seinen irren Preisen verstehen. Was hältst du von der Aktion?
Ich wünschte, ich wäre dort gewesen. Ich hätte mich zeichnen lassen und es auf eBay verkauft.

David Shrigley
Schottischer Künstler, Jahrgang 68. Die Arbeiten des Glasgowers verbinden den soziologischen und psychologischen Blick auf die Gesellschaft. Er stürzt sich auf Klüfte und Brüche in der gesellschaftlichen Oberfläche, forscht dort tiefer, wo der Einzelne im Dunkeln tappt. Die stilistische Grundsatzentscheidung zu Cartoon-artigen Werken hilft ihm dabei, das Pessimistische wiederum zu brechen, es mit viel sarkastischem Humor und gezeichneter Leichtigkeit zu transportieren. Shrigley ist dafür bekannt, wie ein Berserker zu produzieren. Dementsprechend lang ist seine Liste an Ausstellungen und Buchpublikationen. Im letzten Jahr veröffentlichte er auf Tomlab ein Album ohne Musik: "Worried Noodles". Jetzt erscheint die Musik anlässlich des hundertersten Tomlab-Releases doch noch, produziert von zahlreichen Freunden und Kollaborateuren.