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Mehr als nur ein Hundeleben

So ist Wes Andersons »Isle Of Dogs«

Wes Anderson widmet sich mit »Isle Of Dogs« einmal mehr dem Stop-Motion-Film. Ob das genauso gut funktioniert, wie bei »Fantastic Mr. Fox«, erfahrt ihr hier.

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Hund oder Katze? In der fiktiven japanischen Stadt Megasaki City ist die ewige Gretchenfrage längst beantwortet – man bevorzugt den Stubentiger. Dementsprechend fackelt Bürgermeister Kobayashi (Kunichi Nomura) auch nicht lange, als eine fiese Hundegrippe die Runde macht und dringend eine Lösung gefunden werden muss. Die sieht schließlich vor, dass einfach alle Vierbeiner nach Trash Island verfrachtet werden – einer abgelegenen Mülldeponie vor der Küste der Metropole. Dort muss sich fortan auch der Streuner Chief (Im Original gesprochen von Bryan Cranston) mit seinen Freunden King (Bob Balaban), Rex (Edward Norton), Boss (Bill Murray) und Duke (Jeff Goldblum) durchschlagen. Deren Leben wird mit der Bruchlandung eines kleinen Jungen gehörig auf den gehörig Kopf gestellt, handelt es sich dabei doch um Atari (Koyu Rankin), das Mündel des Bürgermeisters, der seinen ebenfalls hier ausgesetzten Hund Spots (Liev Schreiber) sucht. Die ruppige aber liebenswerte Gang zögert natürlich nicht lange und begleitet den jungen Tierfreund auf seinem Abenteuer.  

»Isle Of Dogs« mag sich auf dem Papier erstmal ausgesprochen warmherzig lesen und lässt Wes Anderson tatsächlich auch wie einen alten Freund anmuten. Einen Freund allerdings, den man einige Zeit nicht gesehen hat und der plötzlich merkwürdig distanziert und kühl wirkt. Das mag für Anderson gar nicht mal so ungewöhnlich sein, fühlt sich im vergleich zu einem durchweg herzlichen Film wie »Fantastic Mr. Fox« aber tatsächlich ein bisschen seelenlos und leer an. Fast so, als wäre die Liebe der Macher ausschließlich in die aufwendigen Animationen geflossen. Die sind nämlich wirklich bemerkenswert: Selten wollte man einem animierten Vierbeiner so gerne durch das Fell fahren wie hier. Dass das Szenenbild und die Art Direction ebenfalls über jeden Zweifel erhaben sind, braucht eigentlich kaum noch erwähnt werden, ist das Händchen für die richtige Präsentation bei Wes Anderson doch geradezu obligatorisch. Da hört die Begeisterung allerdings auch schon auf, scheinen Plot, Pointen und Charakterzeichnung dabei doch eine eher untergeordnete Rolle gespielt zu haben. Anders lässt sich das solide, aber wenig aufregende Mittelmaß in den genannten Punkten kaum erklären. Nur wenige Figuren stechen aus dem umfangreichen Cast wirklich heraus, vor allem die Gruppe um den Anführer Chief hinterlässt kaum einen bleibenden Eindruck. Hier hätte es dem Film durchaus gut getan, weibliche Charaktere wie Nutmeg (Scarlett Johansson) nicht nur als schmückendes Beiwerk zu inszenieren, sondern auch mit einer tragenden Rolle zu besetzen.

Fragwürdig ist darüber hinaus auch die Tatsache, dass der Film als eine Art Hommage an die japanische Kultur im Allgemeinen und – laut eigener Aussage – auch an Studio Ghibli-Mitbegründer Hayao Miyazaki (»Prinzessin Mononoke«) im Speziellen verstanden werden möchte. Denn eigentlich zeichnet Anderson ein von Klischees bestimmtes Bild der landesspezifischen Eigenheiten, in dem Haikus und Kimonos eine größere Rolle spielen, als sie es eigentlich tun sollten. So erhärtet sich der Verdacht, dass Japan hier schlicht eine nette, exotische Kulisse abgeben soll, darüber hinaus aber kaum als eigenes Wertesystem in die Handlung eingebunden ist. Ein Umstand, der fast schon bezeichnend für die distanzierte und oberflächliche Aura des Filmes ist. An der können die überzeugenden Leistungen der Sprecher und Sprecherinnen sowie die außergewöhnliche Präsentation am Ende leider nur bedingt etwas ändern. Wer für mehr, als diese Aspekte ins Kino geht, muss dementsprechend mit einer kleinen Enttäuschung rechnen.

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