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Realistisch, surrealistisch, Oscar-reif

Waltz With Bashir

Ari Folmans animierter Dokumentarfilm "Waltz With Bashir" thematisiert den Libanonkrieg. Matthias Schneider sprach mit Max Richter, der die passende Musik komponierte.
Geschrieben am
Ari Folmans animierter Dokumentarfilm "Waltz With Bashir" findet Bilder für die Aussagen und Geschichten von israelischen Soldaten, die am Libanonkrieg teilnahmen. Matthias Schneider sprach mit Max Richter, der die zu den Bildern passende Musik komponierte.

Über drei Jahre hat der britische Komponist und Musiker Max Richter mit dem israelischen Drehbuchautor und Regisseur Folman an der animierten Dokumentation "Waltz With Bashir" gearbeitet. Israel wird sie im nächsten Jahr als Beitrag für den Oscar einreichen. Der Film basiert auf realen Interviews, die Folman 20 Jahre nach dem Libanonkrieg mit ehemaligen Soldaten geführt hat. So nähert sich der Regisseur auch seinem persönlichen Trauma, das er während der Massaker in einem palästinensischen Flüchtlingslager erlebt hat.

Hattest du keine Befürchtung, dass ein Animationsfilm die falsche Methode ist, um dieses schwierige Thema zu behandeln?
Von Anfang an war ich von Aris Idee begeistert. Es ist absurd, aber ich habe sehr schnell vergessen, dass es sich um animierte Bilder handelt. Wenn du den Film siehst, tauchst du sofort ein in diese Welt, weil sie größtenteils naturalistisch gezeichnet ist. Und es gibt nahtlose Übergänge in surrealistische Szenen, die in Form von Wahnbildern und Halluzinationen die psychischen Zustände der traumatisierten Protagonisten darstellen. Trotz dieser fantastischen Passagen hast du nicht das Gefühl, dass es Animationen sind.

Deine Ambient-Samples mit klassischer Kammermusik-Instrumentierung wirken entschleunigend. Der restliche Soundtrack mit Songs wie "Enola Gay" von OMD und "This Is Not A Love Song" von PIL gibt den Bildern eine starke Dynamik.
Die Musik hat ganz unterschiedliche Funktionen in "Waltz With Bashir". Grundsätzlich wird mein Score bei den Traumsequenzen und Rückblicken der Protagonisten eingesetzt. Es handelt sich um tranceartige Zustände. In einer Flashback-Sequenz marschieren die Soldaten in eine Stadt ein. Mit meinen Kompositionen versuche ich, die disparaten Gefühle des Erzählers zu verstärken. Die Musik bewegt sich, aber eigentlich bleibt sie stehen. Die Songs von PIL und OMD sind einfach Songs und tauchen in Filmszenen auf, wo man sie erwartet. Musik ist ein erzählendes und emotionales Medium. Es geht darum, Material zu finden, das die Bilder zum Aufleuchten bringt. Der Score zitiert nicht die Bilder. Er ist eigenständig. Du kannst die Bilder wegnehmen, doch meine Musik bewahrt ihre Stimmung.

Waltz With Bashir
IL 2008
R: Ari Folman; 06.11.
Aktuelles Album von Max Richter: "24 Postcards" (Pias / FatCat)