×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mittendrin statt nur dabei

»Wacken 3D«

Norbert Heitkers hagiografische Dokumentation badet in der Rudelidylle rund um die jährlichen Feierlichkeiten im Metal-Mekka. Sein Film über die Faszination der Eingefleischten ist keine Fortsetzung von »Full Metal Village« mit anderen Mitteln.
Geschrieben am

Mit Distanz hat »Wacken 3D« wenig zu tun. Anders als der preisgekrönte Heimatfilm »Full Metal Village« wurde Norbert Heitkers Doku direkt für die Metal-Szene gedreht. Der fühlt sich offenbar auch das gesamte Filmteam zugehörig. »Wir hätten Konflikte inszenieren müssen, um sie im Film unterbringen zu können«, lässt der Produzent ausrichten. Tatsächlich zeichnen die meisten Bilder ein zwischenmenschliches Idyll, das man sich so auf anderen Festivals nur wünschen könnte. Der ungehobelte Charme der fröhlich betrunkenen Fans steht im Vordergrund, zumal der Stereotyp vom lammfrommen Metalhead mit dem menschenfeindlichen Musikgeschmack inzwischen auch folkloristisch arriviert ist. Selbst der Dorf-Edeka und die Feuerwehrkapelle von Wacken sind mittlerweile schon so oft in der Bild-Zeitung aufgetaucht, dass man sich fragen könnte, wie viel Mediengekuschel die Subkultur noch vertragen kann.

 

Für diese Frage interessiert sich »Wacken 3D« allerdings weniger. Warum auch, solange es noch Protagonisten wie Alice Cooper, Scott Ian und Biff Byford zu interviewen gibt? Genau wie die eingespielten Konzertausschnitte machen diese Gesprächsausschnitte aber einen willkürlich gewählten und unerheblichen Eindruck, und auch die im Film vorgestellten Fans können nicht gerade mit ungewöhnlichen Einsichten auftrumpfen. Kurz wird es einmal ungemütlich, als sich drei Besucherinnen aus den USA über die Show-us-your-tits-Vorschläge beschweren, die an sie herangetragen werden, aber dann flitzt auch schon wieder Edelfan Micha mit seiner Mötley-Crüe-Verkleidung vor die Kamera und grinst in den Sonnenuntergang. Die besten Szenen sind tatsächlich die, die ohne Kommentar und ohne 3D-Effekte auskommen. Was sich im Wackener Freibad abspielt, ist schwer in Worte zu fassen, erinnert aber zu gleichen Teilen an Kindergeburtstag und Hieronymus Bosch. Auch der internationale Battle mit Bands aus Rumänien, Uruguay und der Mongolei lässt sich gut an, zumal es dort am Schluss ein bisschen nach Vorteilsnahme und undurchsichtigen Entscheidungen riecht. Im Endeffekt geht es »Wacken 3D« aber eher um die Berichterstattung als um den Kommentar. Anders als bei »Full Metal Village« wird die Schrulligkeit der Szene auch nicht so inszeniert, dass das Geheimnis der Veranstaltung gewahrt bleiben könnte: Am Ende der Huldigung vermittelt sich vor allem die Erschöpfung der Festivalbesucher und der Filmemacher. Und der Verdacht erhärtet sich, dass Wacken und die Fußball-WM im selben Jahr vielleicht auch ein bisschen viel »verrückt im positiven Sinne« sein könnten. 

 

– »Wacken 3D« (D 2013; R: Norbert Heitker; Kinostart: 24.07.14)