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Neue TV-Serien auf DVD

Vom A-Team zum Untermieter

Es ist eine interessante Beobachtung, dass die Begeisterung für auf DVD veröffentlichte TV-Serien bisher relativ eindeutig zwischen den Polen 70er- und 90er/00er-Jahre schwankte. Das Zielpublikum schien sich zwischen jüngst Erlebtem und einer digitalisierten Form von Kindheitsnostalgie hin und her z
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Es ist eine interessante Beobachtung, dass die Begeisterung für auf DVD veröffentlichte TV-Serien bisher relativ eindeutig zwischen den Polen 70er- und 90er/00er-Jahre schwankte. Das Zielpublikum schien sich zwischen jüngst Erlebtem und einer digitalisierten Form von Kindheitsnostalgie hin und her zu bewegen - also zwischen der Rezeption von qualitativ hochwertigen Serien wie "Six Feet Under", "Buffy" oder den "X-Files" und dem naiven ästhetischen Zugang der 70er, der dann ja wiederum fürs Mainstream-Kino-Publikum der Neuzeit ironisch aufgearbeitet wurde ("Starsky And Hutch" bzw. "Charlie's Angels"). So erscheinen dieser Tage die jeweils zweiten Staffeln der innovativen Science-Fiction-Serie "Farscape" und der in ihrem zweiten Jahr viel tiefer ins Mystische tauchenden Mystery-Reihe "Millennium". Vor allem Letztere lohnt sich, denn die erste Hälfte der Staffel und das grandiose Season-Finale sind gruseliger und geistreicher als die meisten Kinofilme zum Thema, wobei die Folge "The Mikado" ohne Übertreibung als einer der TV-Höhepunkte der 90er-Jahre bezeichnet werden kann.

Dass die 80er-Jahre, was die Veröffentlichung von TV-Reihen auf DVD betrifft, bisher zu kurz gekommen sind, kann wohl nur damit erklärt werden, dass erst der Boden bereitet werden musste für ein Wiedersehen mit Serien und Stars, die man in seiner vorpubertären Jugend ziemlich toll fand, dann versuchte, ironisch zu überhöhen, um sie schließlich, im Zuge der ästhetischen Revolution des amerikanischen Fernsehens durch Serien wie die besagten "X-Files" oder "Murder One", lieber ganz schnell vergessen zu wollen. Doch der sympathische Trash einer TV-Zwischenzeit ist nun bereit, wieder anzukommen: Die narrative Idiosynkratie des "A-Team", bei dem immer dasselbe passiert, das aber durch diese Repetition Identifikation schafft, sowie die frühen Lifestyle-Dokumente von "Magnum-P.I." stehen hierbei genauso im Kontext televisionärer Neuorientierung wie die (narrativ und psychologisch sicherlich beständigeren) Serien aus den 90ern. Die ironische Überhöhung des ganzen Detective-Genres lieferte, leider viel zu wenig gesehen, damals die von David Rasche kongenial verkörperte Figur des "Sledge Hammer", ein an Eastwoods "Dirty Harry" orientierter Law&Order-Cop, dem in 25-minütigen Episoden der immer noch seltene Spagat zwischen den Polen Sitcom und Police-Drama kongenial gelingt.

Die deutschen 80er-Jahre sind ja bereits jüngst durch die Veröffentlichung einiger ZDF-Weihnachtsserien digitalisiert worden, nun kommt auch Dieter Hallervorden wieder - mit der Gesamtausgabe der 1984 entstandenen Serie "Didi - Der Untermieter" (damals unter dem Titel "Die Nervensäge" ausgestrahlt), einer wehmütigen Erinnerung an die Zeit, als TV-Comedy noch nicht aus spießigem "7 Tage, 7 Köpfe"-Schwachsinn bestand, sondern eine deutliche Orientierung an amerikanischen Slapstick-Mustern im Mittelpunkt zu erkennen war. Alles in allem gute Zeiten für Serien-Fans, denn auch in der Zukunft wartet sicher ein unerschöpflicher Fundus an erinnerten und vor allem vergessenen Perlen. "The Prisoner"? "American Gothic"? "Kochak - The Night Stalker"? Wir sind gespannt.