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Leben in der Transitzone

»Volt«

In einem Niemandsland in Deutschland kämpfen Polizisten und Flüchtlinge jeden Tag gegeneinander. Benno Fürmann spielt die Hauptrolle in Tarek Ehlails Horrorszenario »Volt«.
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Die Diskussion um diejenigen, die in den letzten Jahren vor Krieg und Verfolgung nach Europa flüchteten, hält an. Autor und Regisseur Tarek Ehlail weiß um ihre zeitgeschichtliche Bedeutung und hat sich für seinen Spielfilm »Volt« ein Thema aus der hiesigen Debatte gepickt: die Transitzonen. Rechte und konservative Parteien fordern sie tatsächlich. Extraterritoriale Bereiche an der Grenze, in denen Flüchtlinge so lange isoliert werden, bis ihr Antrag bearbeitet wurde. Dort wären die Refugees sich selbst überlassen und würden hilflos auf lebensverändernde Entscheidungen warten. Einbürgerung oder Rücktransport? Heute, morgen oder vielleicht nie? Eine Vorstellung, die hoffentlich niemals der Wirklichkeit entsprechen wird. Tarek Ehlail macht aus dieser Vorstellung einen Genremix aus Thriller, Drama und Gesellschafts-Dystopie – mit Alec-Empire-Score und Genetikk-Cameo.

Im Film leben die Menschen in den Transitgebieten wie eingepferchte Tiere unter unmenschlichen Bedingungen. Die Politik überlässt der Polizei die Kontrolle. Die Hauptfigur Volt, gespielt von Benno Fürmann, ebenfalls Teil des Polizeikorps, hat das Gefühl für Recht und Unrecht verloren. Für seine Kollegen und ihn haben die Menschen in den Zonen weder Namen noch Herkunft. Sie heißen nur noch »Blackys« und »Kanaken«, denn mehr als ein Schimpfwort braucht es nicht, um den Feind zu unterscheiden. Doch selbst wenn unsere Gesellschaft nur noch aus AfD-Wählern bestünde und die staatliche Polizei von Pegida-Idioten gestellt würde – wäre der vulgäre bis rassistische Sprachgebrauch im Film tatsächlich vorstellbar? Unausgeschlafen und betrunken schreiten die Polizisten jeden Morgen zur Tat. Der extreme und beinahe schon störende Graufilter der Bilder unterstreicht die Tristesse ihres Daseins und die Gewalt, die den Film prägt. Als Volt während eines Einsatzes den Geflüchteten Hesham zu Tode würgt, beginnt der Protagonist seine Entwicklung vom versoffenen Neandertaler zum Menschen mit Gewissen. Die schicksalhafte Begegnung zwischen den Welten bleibt zeugenlos. Aus diesem Grund soll eine Untersuchungskommission herausfinden, was in der Nacht passiert ist. Routine, Macht und der Kampf mit der inneren Schuld bringen die Welt des Antihelden ins Wanken. Eine Welt, die ungerechter nicht sein könnte.

Mit der Wahl dieses Polizisten als Hauptfigur habe ihn die Perspektive eines Schuldigen interessiert, so der Regisseur. Und die ist ihm gelungen: Auch wenn dieser Volt sicher nicht die herausragendste Darbietung Fürmanns ist, so bekommt man doch eine Ahnung von dem, was ein Mann empfinden muss, wenn er an einem solchen Ort lebt und liebt. Nämlich nichts.
— »Volt« (D/F 2016; R: Tarek Ehlail; D: Benno Fürmann, Stipe Erceg, Ayo; Kinostart: 02.02.17; Farbfilm)