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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Beweg deinen Arsch, Puffy!

Voletta Wallace

Tim Stüttgen sprach auf der Berlinale mit Biggies Mama über Rap/HipHop, Puff Daddy und mehr.
Geschrieben am
Tim Stüttgen sprach auf der Berlinale mit Biggies Mama über:

(zum Notorious B.I.G. Hauptartikel geht's hier lang)

... Rap/HipHop
Ich habe Rap nie besonders gemocht. Black Music war immer sehr ausdrucksstark, wenn du dir die Geschichte von Jazz, Blues oder Soul anschaust. Natürlich entdeckt man auch im Rap die üblichen Spuren: die Rhythmik und das Bedürfnis, über das Leben der Schwarzen zu sprechen. Aber Biggie hat, genauso wie Puffy und zahlreiche andere Rapper, oft ziemlichen Bullshit gerappt. Ich respektiere die Beats von HipHop, aber selten die Reime.

... den Eastcoast/Westcoast-Beef

Der Eastcoast/Westcoast-Beef war in erster Linie ein mieser Pressehype. Schlimm genug, dass Tupac deshalb gestorben ist. Tupac rief bei uns zu Hause an, nachdem er angeschossen wurde, um mit Christopher zu sprechen. Aber ich war alleine zu Hause. Vielleicht wäre die Geschichte anders verlaufen, wenn Christopher bei mir gewesen wäre. Durch jeden Tag, an dem die beiden nicht miteinander sprachen, vertiefte sich der Beef.

... Puff Daddy
Ja, Puffy hätte ich am liebsten mehr als einmal eine gescheuert. Ich werfe ihm vor, meinen Sohn ausgenutzt zu haben. Er trägt eine Mitschuld an seinem Tod. Wenn ich ihn treffe, zeigt er mir gegenüber großen Respekt. Er will sich nicht mit mir anlegen. Dann könnte er nämlich nicht mehr durch Brooklyn laufen. Als herauskam, dass er "Notorious" als Executive Producer unterstützen wollte, habe ich ihm gesagt: "Wenn du diesen Film mitproduzieren willst, erwarte ich von dir, dass du deinen Arsch für die Promotion bewegst!"

... die Wahrheit
Achtzig bis neunzig Prozent Wahrheit steckt im Film. Ich wollte, dass er so wahrhaftig wie möglich ist, und war bei jedem Casting dabei. Im Ghetto gibt es genug Gossip und Mystifizierungen von Rappern. Mir war es wichtig, dass die Leute Biggie als Menschen sehen, der ziemlich viel Scheiße gebaut hat, auf die man nicht unbedingt stolz sein kann. Ich hoffe, das hat für den einen oder anderen naiven Fan einen kleinen Lerneffekt.






... Lil' Kim und Angela Bassett
Alle, die in dem Film vorkommen, sind mit dem Ergebnis zufrieden - außer Lil' Kim. Als ich ihr das Drehbuch gezeigt habe, wirkte sie sehr zufrieden, aber nach Fertigstellung des Films war sie auf einmal bitchy. Ich mag Kim. Aber sie soll respektieren, dass das die Geschichte meines Sohnes ist und nicht ihre. Ansonsten bin ich mit den Schauspielern sehr zufrieden. Angela Bassett ist crazy! Ich lud sie zum Essen ein, wir unterhielten uns einen Abend lang. Danach konnte sie meinen Akzent imitieren, von dem ich vorher nicht mal wusste!

... den Mord
Der Mordfall ist immer noch nicht beendet. Die Polizei hatte mir angeboten, ihn einzustellen. Ich habe gesagt: Bevor nicht jemand für den Mord im Knast sitzt, wird er nicht eingestellt. Die ganze Geschichte der Polizeiuntersuchung wäre aber ein anderer Film. Stallone wollte die Rechte kaufen, vielleicht wird es den Thriller irgendwann geben. Ob Suge Knight noch Teil des Prozesses ist, will ich im Moment nicht kommentieren.

... den Performer
Weil Biggies Schatten so groß wurde nach seinem Tod, ist den Leuten gar nicht mehr klar, wie früh er gestorben ist. Er war 26, verdammt! Deswegen war uns auch wichtig, seine Konzerte nachzustellen. Ich habe ein riesiges Videoarchiv, inklusive vieler Handkamera-Aufnahmen. Dadurch konnten wir an wirklichem Re-Performing arbeiten.

... das Vermächtnis
Viele haben gesagt, dass es verrückt ist, dass sein zweites Album "Life After Death" hieß. Denn dies war das Album, das er promotete, als er in Kalifornien erschossen wurde. Für ihn selbst bedeutete der Titel, dass der moralisch unreife Biggie gestorben war.

Notorious B.I.G.
USA 2009
R: George Tillman jr.; D: Angela Bassett, Derek Luke, Jamal Woodward, Naturi Naughton; 26.03.


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* Puffy
... a.k.a. Sean Combs a.k.a. P. Diddy a.k.a. Puff Daddy machte Biggie zum Star und brachte die Klischees von Gangster-Rap und Bling Bling mit seinem Label Bad Boy Records an die Ostküste. Nicht nur Voletta Wallace wirft Puffy vor, ihren Sohn wie auch den Beef mit 2Pac für Plattenverkäufe instrumentalisiert zu haben. Der Film ist vermutlich das Beste, was er seit vielen Jahren produziert hat.

* Suge Knight
Um Suge Knight, den ehemaligen Labelboss von Tupac Shakur und späteren Partner von Dr. Dre, ranken sich viele düstere Gerüchte. Der ehemalige Kopf vom Westcoast-Label Death Row Records gilt in mehr als einer Verschwörungstheorie als Aggressor im Eastcoast/Westcoast-Konflikt, in dem erst Tupac und dann Biggie Smalls ihr Leben ließen.