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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Bye Bye Blondie

Virginie Despentes

Die 35-jährige Gloria ist ihr Leben lang nicht aus Nancy herausgekommen. Bis sie nach einem Streit mit ihrem Freund auf der Straße landet und in Eric knallt, ihre große Jugendliebe. Eigentlich hatte sie ihn vergessen; sich geärgert, seine Visage fast täglich im Fernsehen zu sehen, während sie von So
Geschrieben am

Die 35-jährige Gloria ist ihr Leben lang nicht aus Nancy herausgekommen. Bis sie nach einem Streit mit ihrem Freund auf der Straße landet und in Eric knallt, ihre große Jugendliebe. Eigentlich hatte sie ihn vergessen; sich geärgert, seine Visage fast täglich im Fernsehen zu sehen, während sie von Sozialhilfe lebt. Wo sie doch mal gemeinsam abgefuckt als Punks in den Straßen abhingen, schnorrten, tranken, vögelten, Drogen nahmen. Das unfreiwillige Wiedersehen löst in Gloria alte Erinnerungen aus. Wie sie Eric vor zwanzig Jahren in der psychiatrischen Anstalt kennen lernte, wo sie wegen Aggressivität gegen ihre Eltern nach Drogenkonsum gelandet war, und er wegen Amnesie nach Drogenkonsum. Wie sie sich gegenseitig Stütze waren gegen das Bürgerliche, ihre Ängste vergaßen und später auch sich selbst. Bis Erics Eltern ihn auf ein Schweizer Internat schickten, er den Kontakt zu Gloria abbrach und brav doch noch studierte. Dieser soziale Unterschied ist es auch, der Gloria zuerst von einer Beziehung Teil #2 abhält. Doch körperliche Anziehung kennt keine Standesunterschiede, und so geht sie sogar mit ihm nach Paris, wo sie sich ihrer Amour fou hingeben, zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, aber doch mit Hang zum Happyend.

In ihrem ersten Roman “Baise-moi” (Fick mich) provozierte Despentes mit freizügigen Gewalt- und Sexschilderungen. Da die aktiv und brutal Handelnden Frauen waren, löste sie in ihrer Heimat Frankreich eine Diskussion über Feminismus und weibliche Pornografie aus. Genauso, wie die Debatte wieder abstumpfte, taten es Despentes’ Nachfolgeromane leider auch. Ihr fünfter hier ist zwar leicht konsumierbar und ein kleiner Ausflug in die Punkgeschichte der 80er, aber sonst weder inhaltlich noch formal besonders innovativ. Da hat die 1950er-Beat-Literatur, die sie zitiert, mehr geknallt.