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Keine Fanpost aus dem Knast

Uzo Aduba über »Orange Is The New Black«

»Orange Is The New Black« basiert auf dem gleichnamigen Buch von Piper Kerman. Darin schildert Kerman ihre Erfahrungen während eines Jahrs im Frauenknast. Dort saß sie ein, weil sie für ihre Freundin als Drogenkurierin tätig gewesen war. In Jenji Kohans Serien-Adaption wird aus Piper Kerman Piper Chapman – und aus dem Einzelschicksal der Wohlbehüteten ein Außenseiterinnen-Ensemble-Drama, das nun in die dritte Staffel geht. Inga Selck sprach mit Darstellerin Uzo Aduba über die Vielfalt der Frauenrollen in der Show – und speziell über ihre Figur Suzanne »Crazy Eyes« Warren. Suzanne ist Pipers erste Verehrerin im Knast. Sie lebt nicht nur hinter Gittern, sondern in ihrer eigenen Welt.
Geschrieben am

Uzo, warst du schon mal im Knast?
 
Ich war noch nie in einem Frauenknast. Wir waren mit der Schule aber mal in einem Gefängnis. Ich fand es total beängstigend, aber auch lehrreich. Wahrscheinlich bin ich deshalb nie im Knast gelandet. So war dieser Ausflug natürlich auch gedacht. Aber ich habe noch nie eine inhaftierte Frau getroffen und bekomme auch keine Fanpost aus dem Knast. Ich glaube nicht, dass sie dort Netflix haben. 

Du hast 2014 einen Emmy für deine Rolle als Suzanne »Crazy Eyes« Warren gewonnen. »Orange Is The New Black« ist wahnsinnig erfolgreich. Was ist das Besondere an der Serie? 
Ich habe noch nie eine Serie gesehen, in der es so viele verschiedene Frauentypen gibt: Große, Kleine, Schwarze, Weiße, Latinas, Lesben, Heteros, Bisexuelle. Sie kommen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, und alle haben wirklich etwas zu sagen. Die Figuren sind komplex und nie eintönig.  

Ist »OITNB« ein Vorbild für kommende Serien? Glaubst du, es gibt einen Trend zu mehr Vielfalt im Fernsehen? 
Ich hoffe es sehr. Auch Shows wie »Scandal«, »Empire« oder »How To Get Away With Murder« machen Mut.  

Wie bist du an deine Rolle gekommen? 
Tatsächlich habe ich für die Rolle der Langstreckenläuferin Janae Watson vorgesprochen. Aber Jenji Kohan, Showrunner von »OITNB«, wollte mich stattdessen für Suzanne haben. Als ich das Drehbuch bekam, wusste ich: »Das ist die perfekte Rolle.«
Suzanne ist ein komplexer Charakter mit starken Gefühlen. Wie sehr beeinflusst dich ihre Intensität? 
Wenn wir drehen, ist es wichtig für mich, Suzanne am Ende des Tages abzulegen. Ich fühle ihre Last, die manchmal sehr bedrückend ist, und muss sie richtig aus mir und meinem Leben herauspressen. Suzanne würde abends lieber bei mir bleiben, das wäre einfach für sie. Deshalb muss ich streng sein. 

Ist das Litchfield-Gefängnis nicht der vollkommen falsche Ort für sie?  
Figuren wie Suzanne lösen Debatten darüber aus, wie wir als Gesellschaft mit psychisch kranken Menschen umgehen. Wie können wir ihnen bestmöglich helfen, und an welchem Ort sind sie am besten aufgehoben? Ich finde es toll, dass »OITNB« das Thema auf die Agenda setzt, weil in den letzten Jahrzehnten diesbezüglich viel falsch gemacht wurde. Ich weiß nicht, wo Suzannes Platz in dieser Welt ist. Aber ich weiß, dass sie verzweifelt danach sucht. 

Suzanne ist nicht nur eine tragische Figur, sondern auch eine komische. Ich muss dich das fragen: Hast du wirklich auf den Boden von Pipers Zelle gepinkelt? 
Nein, das wäre auch gemein gewesen, ich hätte literweise Wasser trinken müssen. Die Szene war sehr kompliziert. Es gab eine Maschine mit einer Fernbedienung, die mit gelb gefärbtem Wasser gefüllt war. 

Kannst du heute einen Mopp sehen und nur daran denken, deine Wohnung zu putzen? Oder hast du wie »Crazy Eyes« eine Beziehung zu ihm aufgebaut? 
Ich sehe ein Haustier: Mr. Mopp. Suzanne hat mir beigebracht, Dinge als Menschen zu betrachten. Sie hat auch ein Schloss, das Lady Locksley heißt. Für sie leben diese Dinge. Und ich habe angefangen, Gesichter in Dingen zu sehen, die keine Gesichter haben. Ich habe auch von ihr gelernt, immer ich selbst zu sein. Egal was passiert.

Die dritte Staffel von »Orange Is The New Black« ist seit dem 12. Juni auf Netflix verfügbar. Die ersten beiden Staffeln erscheinen dieser Tage via StudioCanal auf DVD und BD.