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TR 2002

Uzak

R: Nuri Bilge Ceylan; D: Muzaffer Özdemir, Mehmet Emin Toprak; 03.02. Mahmut hat seinen Weg gemacht: Er verdient gut als Fotograf, wohnt komfortabel und modern in Istanbul, fährt mit seinem handlichen Auto zum Abendessen in die Jazzkneipe und hat immer genug Geld für eine Prostituierte. Als sein
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R: Nuri Bilge Ceylan; D: Muzaffer Özdemir, Mehmet Emin Toprak; 03.02.

Mahmut hat seinen Weg gemacht: Er verdient gut als Fotograf, wohnt komfortabel und modern in Istanbul, fährt mit seinem handlichen Auto zum Abendessen in die Jazzkneipe und hat immer genug Geld für eine Prostituierte. Als sein Verwandter Yusuf von der Rezession und der Armut aus dem gemeinsamen Heimatdorf zu ihm in die Stadt getrieben wird, um auf einem Schiff anzuheuern, zeigt sich im Aufeinanderprallen der beiden jedoch, dass Mahmut im Grunde orientierungslos und verloren dasteht. Der Wohlstand und die Dekadenz der Stadt haben ihn von seinen Ursprüngen entfremdet, seine Ideale hat er längst verloren. Neurotisch beobachtet, ja, bespitzelt er den Verwandten vom Land, der auf der Suche nach Arbeit bloß von Misserfolg zu Misserfolg stolpert. Der Stolz reißt Yusuf schließlich los von seinem alles andere als gastfreundlichen Verwandten, aber ob er der Falle der Großstadt wieder entkommt, ist fraglich. Auch ihn packen die urbane Kaputtheit und der Müßiggang. Istanbul hat hier nichts vom Bild der schillernden Metropole, es ist eine graue, trostlose Fläche ohne markante Ausblicke, oft schneebedeckt, immer kalt und abweisend. Unmoral erscheint als das Böse, die Logik des American (European?) Dream wird gegen traditionelle Bande gesetzt. Das wirkt etwas simpel und deterministisch, aber Regisseur Ceylan verfällt nicht dem Schema falscher Antagonismen oder Verklärungen. Auch das Leben auf dem Land ist keine Option. Außer Leid und Ausweglosigkeit haben die beiden Welten nichts mehr gemeinsam, Kommunikation scheint nicht möglich, weder einfache Konversation noch eine Auseinandersetzung über Werte. Und doch verbindet Ceylan die Gegensätze in diesem tristen Ambiente mit gleichförmigen, graubraun fließenden und rauschenden Bildern zu einer Einheit – zur Unauflöslichkeit des Aneinander-vorbei-Seins.