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Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (1)

Wie jeden Donnerstag: Die wichtigsten neuen Kinofilme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden. Heute mit unserem Filmfachmann Lars Tunçay.
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Wie jeden Donnerstag: Die wichtigsten neuen Kinofilme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden. Heute mit unserem Filmfachmann Lars Tunçay.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 (Bild)
R: David Yates; D: Daniel Radcliffe, Emma Watson, Rupert Grint
Zehn Jahre, sieben Bücher, acht Filme: mit dem letzten Band der Pottersaga hat J.K. Rowling sich endgültig von ihrem Goldesel verabschiedet und auch für die Darsteller des abgedrehten Finales heißt es aufzubrechen zu neuen Ufern. Dabei haben wir es noch lange nicht überstanden, kommt das Ende doch ganz Dick gleich in zwei Filmen. Auf den ersten Blick durchaus nachvollziehbar bei 736 Seiten und unzähligen Handlungsfäden, die zu einem schlüssigen Knäuel geknotet werden wollen.

David Yates sitzt erneut auf dem Regiestuhl und auch bei seinem dritten Film macht er es vor allem den Fans recht. Wer die Bücher nicht gänzlich einverleibt hat oder die Filme frisch goutierte versteht in der erste halbe Stunde mit all ihren Verweisen auf Namen und Schauplätze nur Bahnhof. Muggel müssen draußen bleiben. Potter-Jünger werden allerdings vollauf zufrieden sein und sich nicht an unwichtigen Kritikpunkten wie den deutlichen Längen im Mittelteil, schaupielerischen Unzulänglichkeiten des Hauptdarstellers oder Problemen im Timing stören.

Auf stolze 146 Minuten bringt es der neue Potter. Das ergibt dann wohl eine Gesamtlaufzeit für beide Teile von rund 5 Stunden. Aber für ausreichend Schauwert sorgen die wie immer exquisite Besetzung aus der britischen Darstellerriege und imposante Actionszenen, die - so sehr es die Produzenten jetzt auch dementieren mögen - eine 3D-Version in ein paar Monaten sehr wahrscheinlich aussehen lassen. Harry Potter ist also noch lange nicht in Rente.



Auf der nächsten Seite: The Kids Are All Right

Wie jeden Donnerstag: Die wichtigsten neuen Kinofilme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden. Heute mit unserem Filmfachmann Lars Tunçay.

The Kids Are All Right (Bild)
R: Lisa Cholodenko; D: Annette Bening, Julianne Moore, Mark Ruffalo
Familiäre Gegenwart Zwanzigzehn: Nic (Annette Bening) und Jules (Julianne Moore) leben eine recht harmonische Beziehung. Nics Kontrollfixierung nimmt allerdings oft Überhand, was bei ihren beiden Kindern im Teenageralter Joni (Mia Wasikowska) und Laser (Josh Hutcherson) nicht so gut ankommt.

Auch Jules steht unter ihren Fittichen und mäandert durch ein Leben aus gescheiterten Ideen und ihrer immer mehr an Wichtigkeit abnehmenden Rolle als Mutter. Gerade will sie einen neuen Anlauf als Landschaftsdesignerin in Angriff nehmen, den Nic allerdings nicht sonderlich ernst nimmt. Der Nachwuchs steht derweil kurz vor dem Schritt in die Erwachsenenwelt und bei Laser kommt der Wunsch auf, ihren Vater kennen zu lernen. Beide stammen vom selben Spender und teilen die Marotten ihrer jeweiligen Mütter. Da der 15jährige jedoch noch zu jung ist, stachelt er seine Schwester an, den Erzeuger ausfindig zu machen.

Es handelt sich um Paul (Mark Ruffalo), einen leidenschaftlichen Restaurantbesitzer und Lebemann. Als ihre Mütter von den Unternehmungen der Kinder Wind bekommen, integrieren sie Paul zunächst widerwillig in die Familie. Doch Jules fühlt sich zu dem gut aussehenden Lebemann hingezogen und geht fortan bei ihm gärtnern. Der Junggeselle entwickelt Vatergefühle, daheim bei den Frauen hängt der Haussegen schief.

Die intelligente Komödie von Lisa Cholodenko ("Laurel Canyon") begeisterte mit ihrem Dialogwitz und den schauspielerischen Glanzleistungen bereits das Publikum auf der diesjährigen Berlinale. Spielend harmoniert die Autorin und Regisseurin zwischen cleverem Witz und leichtem Familiendrama und bricht dabei nebenbei etliche Tabus im US-Kino.

Dem exzellenten Drehbuch hauchen wunderbare Schauspieler Leben ein: Mark Ruffalo gibt mit Leichtigkeit den coolen Dad mit Motorrad, während die Jungdarsteller Josh Hutcherson ("Reise zum Mittelpunkt der Erde") und die bereits als Burtons "Alice" bekannte Mia Wasikowska ihr Potential offenbaren. Eine wahre Freude ist vor allem das exquisite Zusammenspiel von Annette Bening und Julianne Moore. Hier stimmt die Chemie und sorgt für viele unvergesslich komische Momente. 



Auf der nächsten Seite: Still Walking

Wie jeden Donnerstag: Die wichtigsten neuen Kinofilme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden. Heute mit unserem Filmfachmann Lars Tunçay.

Still Walking
R: Hirokazu Kore-eda; D: Hiroshi Abe, Yui Natsukawa, You
Familientreffen in Yokohama: Ryota und Yukari widerstrebt der Gedanke an das bevorstehende Wochenende. Die verwitwete Yukari bringt einen zehnjährigen Sohn mit in die Ehe, die vor allem bei Ryotas Vater auf Ablehnung stößt. Der jüngste Sohn hat es schwer, seitdem sein Bruder starb und mit ihm die Hoffnungen des Vaters auf einen würdigen Stammeshalter.

Die weiblichen Mitglieder des Clans sind Ryota keine Hilfe, weder seine Schwester, deren Ehemann den Besuch nahezu komplett verschläft, noch die Mutter, die gelernt hat mit den Launen ihres Mannes zu leben. So schwelen die unausgesprochenen Konflikte und treten in fein nuancierten Eruptionen ans Tageslicht. Wenn am Ende das Familienfoto geschossen wird, sind die Personen darauf nicht mehr dieselben.

Mit dem Cannes-Gewinner "Nobody Knows" erzählte Hirokazu Kore-eda 2004 eine verstörende Familiengeschichte vor einem krassen sozialen Hintergrund. "Still Walking" erscheint da wesentlich leichter, doch unter der Oberfläche des Familientreffens brodeln die Emotionen. Ganz wie in den Filmen des japanischen Großmeisters Yasujiro Ozu ("Tokyo Story") treten sie jedoch nie nach außen.

In ruhigen Bildern von bestechender Schönheit schildert Kore-eda ein Aufeinandertreffen von drei Generationen. Das Wochenende bei den Großeltern ist geprägt von unausgesprochenen Wünschen und Enttäuschungen. Obwohl sich das Drehbuch besonnen und wortkarg gibt, bleibt nichts im Verborgenen. Eine Wohltat im Vergleich zum gesprächigen Kino des Westens.



Auf der nächsten Seite: Miral

Wie jeden Donnerstag: Die wichtigsten neuen Kinofilme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden. Heute mit unserem Filmfachmann Lars Tunçay.

Miral
R: Julian Schnabel; D: Hiam Abbass, Freida Pinto, Yasemine Al Masri, Alexander Siddig, Willem Dafoe
Seit der Gründung des Staates Israel 1948 schwelt der hitzigste Konfliktherd des Nahen Ostens. Die Palästinensische Journalistin Rula Jebreal rollte die Chronik des Kampfes zwischen Juden und Moslems um Grund und Glauben in ihrem Tatsachenroman "Miral" auf, den ihr Ehemann, der Maler, Autor und Filmemacher Julian Schnabel ("Before Night Falls") nun verfilmte.

Ausgangspunkt der Geschichte ist die Gründung eines Waisenhauses im Osten Jerusalems. Die wohlhabende und weltoffene Hind Husseini (Hiam Abbas) liest eine Gruppe palästinensischer Kinder von der Straße auf und gibt ihnen ein Zuhause. Für sie ist Bildung die stärkste Waffe gegen Unterdrückung. Mit einer Mauer schottet sie ihre Schützlinge vor der Außenwelt ab. Mit Liebe und Fürsorge wachsen sie heran.

Die 7jährige Miral wird nach dem Tod ihrer Mutter Teil der Gemeinschaft. Sie wächst zu einer starken, intelligenten Frau heran. Als sie sich mit 16 Jahren in den politischen Aktivisten Hani (Omar Metwally) verliebt, muss ihr Vater (Alexander Siddig) mit ansehen, wie sie zunehmend radikalisiert wird.

Schnabel ist ein höchst emotionaler Regisseur und die Adaption der autobiographisch geprägten Geschichte seiner Frau ist ihm ein persönliches Anliegen. Dabei polarisiert er mit einer einseitigen Sichtweise auf ein höchst politisches Thema. Am Ende steht die Erkenntnis, dass Schnabel der falsche Mann auf dem Regiestuhl war. Der ständige Einsatz verwackelter Handkamerabilder, der bei "Schmetterling und Taucherglocke" noch Teil seines künstlerischen Ausdrucks war, wird hier außerdem zum Kraftakt für den Kinogänger.




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