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und weitere Filmstarts und Trailer der Woche

Einfach zu haben

Wie jeden Donnerstag: Die wichtigsten neuen Kinofilme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden. Heute mit unserem Filmfachmann Lars Tunçay.
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Wie jeden Donnerstag: Die wichtigsten neuen Kinofilme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden. Heute mit unserem Filmfachmann Lars Tunçay.

Einfach zu haben

R: Will Gluck; D: Emma Stone, Penn Badgley, Amanda Bynes
Die amerikanische Highschool wird im Kino für gewöhnlich als unbarmherziger Mikrokosmos dargestellt. Für die Nerds und Loser ist er die Hölle, für die Promqueens und Quaterbacks die beste Zeit ihres Lebens. Bislang gab es jedoch noch keine Filmfigur, die sich dieses System dermaßen zunutze gemacht hat, wie Olive (Emma Stone). Dank liberaler Erziehung (in den Elternrollen wunderbar: Stanley Tucchi und Patricia Clarkson) bringt sie genügend Hirn mit in die Schule, um sich dem Zirkus nicht hingeben zu müssen.

Auf der anderen Seite macht es sie zur Außenseiterin. Mehr noch als zunächst erwartet, als sie die Lüge streut, ihre Jungfräulichkeit mit einem Fremden hinter sich gelassen zu haben. Die Gerüchteküche brodelt und Olive genießt die plötzliche Aufmerksamkeit. Allerdings droht ihre Suppe alsbald anzubrennen, denn plötzlich stehen die Verehrer und Loser Schlange, um mit ihr gesehen zu werden und vor allem bei den Konkurrentinnen wächst ihr Image als Schlampe.

Dank eines hervorragenden Drehbuchs, das die sexuelle Prüderie der amerikanischen Gesellschaft ebenso clever reflektiert wie deren Frömmigkeit und Sucht nach dem oberflächlichen Schein, wirkt Olivias Pfad der Untugend nie platt. Auch wenn am Ende doch die Moralkeule hinter dem Rücken blitzt - "Einfach zu haben" ist die beste US-Komödie seit "Juno".



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Wie jeden Donnerstag: Die wichtigsten neuen Kinofilme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden. Heute mit unserem Filmfachmann Lars Tunçay.

Somewhere
R: Sofia Coppola; D: Stephen Dorff, Elle Fanning, Michelle Monaghan
Auf den ersten Blick scheint alles anders. Diese schwebende Leichtigkeit, die uns durch "Lost In Translation" und "Virgin Suicides" getragen hat, scheint zu fehlen. Die Musik, die in allen Filmen bis hin zu "Marie Antoinette" allgegenwärtig und immer stilsicher gewählt und arrangiert war, ist nahezu gänzlich abwesend. Aber "Somewhere" ist doch ganz Coppola und mehr noch als ihre vorherigen Werke zutiefst persönlich geprägt.

Im Kern steht eine Vater-Tochter-Beziehung, die noch in den Kinderschuhen steckt. Dabei ist Cleo (Elle Fanning aus "Der seltsame Fall des Benjamin Button") diesen längst entwachsen. Mit ihren 11 Jahren wirkt sie bereits wie eine junge Dame. Kein Wunder, hat sie doch früh gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen. Ihre Eltern leben getrennt. Ihr Vater ist Johnny Marco (Stephen Dorff, "Public Enemies"), der gefeierte Actionfilmstar, von allen hofiert und beneidet.

Doch der Playboy lebt in einer Scheinwelt aus schnellen Autos, flüchtigen Beziehungen und unpersönlichen Hotelzimmern. Als seine Ex-Frau für unbestimmte Zeit verreisen muss, landet Cleo bei ihm. Zwischen Fotoshootings, Promoterminen und Preisverleihungen kommen die beiden sich näher.

Sofia Coppola macht keinen Hehl aus den biografischen Ansätzen ihrer Story. Als Tochter der Regielegende Francis Ford Coppola hat sie als Kind ähnliche Erfahrungen mit dem Ruhm ihres Vaters gemacht. Mittlerweile ist sie selbst eine arrivierte Filmemacherin. Nicht zuletzt die Auszeichnung mit dem Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig in diesem Jahr belegt dies.

"Somewhere" wirkt im Nachgang. Johnny lebt in einer großen Blase, in der wenig Spektakuläres passiert. Das irritiert vielleicht am Anfang. Wieder ist es die Atmosphäre, die gefangen nimmt. So reduziert sich auch die Handlung des Films ganz auf das Vater-Tochter-Gespann, hervorragend gespielt vom Posterboy Stephen Dorff und der sehr erwachsen wirkenden Elle Fanning. Sie stand bereits mit drei Jahren neben Sean Penn in "Ich bin Sam" auf der Leinwand und fühlt sich in der Welt von Johnny und Cleo sichtlich zuhause.




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Wie jeden Donnerstag: Die wichtigsten neuen Kinofilme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden. Heute mit unserem Filmfachmann Lars Tunçay.

Der letzte schöne Herbsttag
R: Ralf Westhoff; D: Julia Koschitz, Felix Hellmann, Katharina Marie Schubert
In Ralf Westhoffs gesprächigem Erstling "Shoppen" trafen sich Singles zum Speed Dating und offenbarten dabei einige interessante Details über Frauen und Männer in der gegenwärtigen Gesellschaft. Allerdings war sein Debüt deutlich zu gesprächig geraten und am Ende wurde die Handlung platt gequatscht.

"Der letzte schöne Herbsttag", der schwierige zweite Film nach dem Überraschungserfolg, hat eine fast ebenso hohe Wortfrequenz, macht aber viel mehr richtig. Die Konzentration auf ein Pärchen in der Krise ist konsequent und interessant, nicht zuletzt dank zweier überzeugender Darsteller, deren Herkunft vom Theater man ihrem Spiel zwar - wie im hiesigen Kino leider viel zu oft - ansieht, die ihre stellvertretenden Rollen als Durchschnittsmann und -frau aber überzeugend verkörpern.

Julia Koschitz spielt Claire, Hypochonder und Liebesbedürftig für zwei. Leo, den Felix Hellmann hier und da zu sehr am Rande zur Karikatur verkörpert, ist Öko-Freak und Naturbursche. Ihm ist es meist wichtiger, sich über die Welt im Allgemeinen aufzuregen, als Claire die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Meistens ist sie ihm schlicht egal.

Da ist der Streit vor- oder eher nachprogrammiert, denn wir haben es hier mit einer Beziehungsendabrechnung vor der Kamera zu tun. Das ist absolut wörtlich zu nehmen, denn die Protagonisten sitzen vor der Linse und teilen ihre Gefühle und Gedanken. Das sorgt für die nötige Leichtigkeit im eigentlich schweren Sujet einer gescheiterten Liebe. Ganz sicher umschifft Westhoff die Klischeeklippen nicht, aber er erleidet am Ende auch nicht Schiffbruch. 




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Wie jeden Donnerstag: Die wichtigsten neuen Kinofilme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden. Heute mit unserem Filmfachmann Lars Tunçay.

Unstoppable
R. Tony Scott; D: Denzel Washington, Chris Pine, Rosario Dawson
Sicher, Denzel Washington in der Bahn hatten wir doch schon in Tony Scotts letztem Film "Die Entführung der U-Bahn Pelham 123". Das Argument, ihr neuer Film beruhe auf wahren Begebenheiten, ist meist nicht mehr als eine fadenscheinige Entschuldigung für ein miserables Script. Aber wen interessierts, ist jeder Tony Scott Film doch unterm Strich sowieso ein Remake seines letzten.

Diesmal verzichtet er allerdings auf das schauspielerische Leichtgewicht John Travolta als bärtigen Bösen und tut gut daran. Vielmehr konfrontiert er den ewigen US-Helden Denzel Washington in ihrer fünften Zusammenarbeit mit einem Gegner aus Stahl. Ganz in der Tradition der Katastrophenfilme der Siebziger zieht "Unstoppable" seine Spannung aus dem Kampf gegen die Zeit und die Katastrophe, hier in Form eines unaufhaltbaren Frachtzugs, der droht seine Ladung aus giftigen Substanzen über eine amerikanische Kleinstadt auszugießen.

Scott bleibt die verlässliche Bank im Actionkino und agiert diesmal deutlich stilsicherer, auch weil er sich auf die One-Man-Show Washingtons verlassen kann. Der hat Milchbubi Chris Pine ("Star Trek") an seiner Seite und darf ihm mal zeigen, wie das geht mit dem Heldsein. 1 Millionen Tonnen Stahl, 100.000 Menschen in Gefahr, 100 Minuten Zeit, 100 Millionen Dollar Produktionskosten - bring it on!





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