×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

und weitere Filmstarts und Trailer der Woche

Kick-Ass

Donnerstag ist Kinotag: Die wichtigsten neuen Filme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden von unserem Hardcore-Cineasten Lars Tunçay.
Geschrieben am
Donnerstag ist Kinotag: Die wichtigsten neuen Filme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden von unserem Hardcore-Cineasten Lars Tunçay.

Kick-Ass (Foto)
R: Matthew Vaughn; D: Aaron Johnson, Nicolas Cage, Chloe Moretz, Mark Strong etc.
Warum gibt es im echten Leben eigentlich keine Superhelden? Weil sie vermutlich permanent aufs Maul kriegen würden. Ein Teenager namens Dave Lizewski bestellt sich trotzdem einen grünen Taucheranzug, nennt sich Kick-Ass und geht auf Patrouille – wo er prompt aufs Maul kriegt.

Dann aber macht er die Bekanntschaft von Hit-Girl und Big Daddy, die ihren Beruf wesentlich ernster nehmen. Die erste Hälfte dieses zukünftigen Genreklassikers wirkt noch wie die wissende Persiflage auf 1001 Nerdgeschichten, in der sympathische Loser zu schlagfertigen Helden werden. Danach jedoch mutiert der Film zu einem ultrabrutalen Amokballett, das "Kill Bill" auch in Stilfragen streckenweise abhängt.

Die US-Kritik richtete sich vehement gegen die exzessiven Gewaltdarstellungen und die Kodderschnauze der elfjährigen Hit-Girl-Darstellerin ("Okay, you cunts... let’s see what you can do!"), dabei steht hier etwas ganz anderes zur Debatte. Wo nämlich herkömmliche Comicverfilmungen (inklusive "Watchmen") inzwischen zu unbedenklicher Familien-Fantasy ohne viel Realitätsbezug herabgestuft worden sind, erinnert das kalte Herz von "Kick-Ass" daran, dass es diesen Rückzugsraum nicht wirklich gibt. Ein Film also auch über das Medium selbst, und definitiv nichts für Kinder.



Auf der nächsten Seite: Young Victoria...

Donnerstag ist Kinotag: Die wichtigsten neuen Filme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden von unserem Hardcore-Cineasten Lars Tunçay.

Young Victoria
R: Jean-Marc Vallée; D: Emily Blunt, Rupert Friend, Paul Bettany, Mark Strong, Miranda Richardson etc.
Starke weibliche Figuren gibt es in dieser Woche gleich mehrfach. Hier kommt die nächste: Queen Victoria, eine der beliebtesten unter Englands Königinnen. Schon ihr Amtsantritt gestaltete sich als Fotofinish. Sie ist gerade volljährig geworden, als König William stirbt. Der Onkel überträgt ihr die Regentschaft, was ihre Mutter und den giftspeienden Sir John Conroy auf den Plan ruft, fleißig zu intrigieren. Doch Victoria behauptet sich und widersetzt sich auch der Einflussnahme des charmanten Lord Melbourne. Einzig den belgischen Prinzen Albert lässt sie ran und, ja doch, lebte glücklich mit ihm bis ans Ende seiner Tage. Klingt irgendwie märchenhaft und verzichtet auch weitgehend auf Ecken und Kanten. Aber wenn es etwas gibt, in dem es die britische Filmindustrie zur Meisterschaft gebracht hat, dann sind es Kostümdramen. So gibt’s dann auch absolut nix zu meckern. Weder auf schauspielerischer Seite, wo in den Nebenrollen der wundervolle Paul Bettany und Stimmungskanone Jim Broadbent warten, als auch bei den gewitzten Dialogen, für die Julian Fellowes ("Gosford Park") verantwortlich zeichnete. Die Ausstattung ist ohnehin erhaben und folgerichtig oscargekrönt.



Auf der nächsten Seite: Chloe...

Donnerstag ist Kinotag: Die wichtigsten neuen Filme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden von unserem Hardcore-Cineasten Lars Tunçay.

Chloe
R: Atom Egoyan; D: Julianne Moore, Liam Neeson, Amanda Seyfried, Max Thieriot, etc.
Die dritte Feminine im Bunde hört auf den Namen Chloe und hieß eigentlich mal Nathalie. Das ist nämlich der Titel der französischen Vorlage in der Anne Fontaine 2004 der zarten Emanuelle Beart das Schwergewicht Gerard Depardieu zur Seite stellte. Hier wie dort geht es um die Affäre eines Mannes zu einer fremden Schönen, arrangiert von seiner Ehefrau. Das Vexierspiel, das der Zuschauer allzu schnell durchschaut, entspinnt sich bei Egoyan in traumhaften Bildern einer gehörnten Gattin in stilvoller Kulisse. Wer passt da besser, als die derzeit dauerpräsente und immer wieder atemberaubende Julianne Moore. Egoyan, sonst eher für schwere Kost bekannt, macht es sich hier etwas leicht. So bürstet er die Vorlage zwar nicht auf Hollywood, aber weiß ihr auch keine wirkliche Facette hinzu zu fügen.



Auf der nächsten Seite: Vincent will Meer...

Donnerstag ist Kinotag: Die wichtigsten neuen Filme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden von unserem Hardcore-Cineasten Lars Tunçay.

Vincent will Meer
R: Ralf Huettner; D: Florian David Fitz, Karoline Herfurth, Johannes Allmayer, Heino Ferch etc.
Vincent hat ’nen Hau wech, seit seine Mutter verstarb. Sein Tourette macht ihn gesellschaftsunfähig. Zumindest in den Augen seines Vaters, der ihn, ganz Manager, in die Klapse abschiebt, um sich nicht mit dem Sprössling abgeben zu müssen. Immerhin ist die Krankheit zwar nicht heil- aber immerhin therapierbar. Im Zentrum lernt Vincent Marie kennen. Marie isst nicht und nutzt jede Gelegenheit, um gegen die Regeln zu verstoßen. Die perfekte Komplizin für einen Ausbruch ans Meer, wo Vincent die Asche seiner Mutter beisetzen will. Der zwangsneurotische Alex macht das Dreiergespann komplett und es setzt sich ein unterhaltsames Roadmovie in Gang, das ein wenig unter der Orientierungslosigkeit seiner Protagonisten krankt.

So recht weiß hier niemand wohin mit sich und dem Drehbuch, das Hauptdarsteller Florian David Fitz höchstselbst verfasste. Ihm gelingt eine differenzierte Zeichnung der Krankheitsbilder und zudem eine überzeugende Verkörperung eines Tourette-Kranken. Erzählerisch bleibt der Film aber irgendwann auf der Strecke, am Fahrbahnrand mit Motorschaden. Bis zum Ende kriegt er das schon wieder hin, die Reparatur geht allerdings auf Kosten des Interesses für die Figuren.



Mehr zum Thema Film, Kino und neue Trailer unter
www.intro.de/film.

Außerdem unter www.intro.de/forum:
Auf welche Filme freut ihr euch? Diskutiert mit anderen Intro-Usern!