×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Teil der Lösung

Ulrich Peltzer

Der Titel von Ulrich Peltzers Roman bezieht sich auf das berühmte Holger-Meins-Zitat: "Entweder du bist ein Teil des Problems oder ein Teil der Lösung!"
Geschrieben am

Der Titel von Ulrich Peltzers Roman bezieht sich auf das berühmte Holger-Meins-Zitat: "Entweder du bist ein Teil des Problems oder ein Teil der Lösung!" Dazwischen gibt es nichts. Dieser "Teil der Lösung" ist Liebesgeschichte und politische Erzählung. Der in Berlin lebende freie Journalist Christian ist Mitte dreißig und ein typischer Vertreter des sogenannten Medienprekariats. Einer jener perspektivlosen Akademiker, die immer auf der Suche nach den coolen und lukrativen Aufträgen sind, die es einfach nicht mehr gibt. Stattdessen muss er sich sein Zubrot mit demütigenden Jobs wie dem Verfassen von Gastronomietipps verdienen.


Er verliebt sich in Nele, eine junge Studentin, die gerade über Jean Paul diplomiert und, was ihm verborgen bleiben wird, Mitglied einer linken Widerstandsgruppe ist, die kleine Sabotageakte verübt gegen die Privatisierung und Überwachung öffentlicher Räume. Damit ist Nele natürlich auch für den Verfassungsschutz interessant.

Währenddessen plant Christian seine große Story. Er knüpft Kontakte zu Mitgliedern der italienischen Roten Brigaden, die seit über 20 Jahren im Pariser Exil leben und nun von der Abschiebung bedroht sind. Nach einem ewigen Katz- und Mausspiel bekommt er schließlich ein Interview mit einem der Terroristen. Nele, die nach einem etwas misslungenen Streich in Berlin nicht mehr sicher ist, begleitet ihn nach Paris.

Eine Engführung beider Handlungsstränge findet jedoch nicht wirklich statt. Christian ist zu ego- und monomanisch, als dass er Neles prekäre Situation verstehen würde. Just vor jenem Haus, in dem Gilles Deleuze, der Prophet in Sachen Kontrollgesellschaft(en), seinem Leben durch einen Fenstersprung ein Ende setzte, kommt Nele dann selbst zu einer Einsicht.

In "Teil der Lösung" schafft Peltzer es, sowohl jenes bohemistische "Urbane Penner"-Milieu literarisch zu beleuchten, das nach Friebe/Lobo, Bunz und Konsorten in aller Munde war, als auch den aktuellen Überwachungsdiskurs in Zeiten von Onlinedurchsuchungen und biometrischem Reisepass gekonnt weiterzuspinnen. Wie weit dürfen wir gehen, wenn wir uns zur Wehr setzen wollen? Wie weit gehen die anderen, wenn wir uns denn zur Wehr setzen? Der Roman bietet keine Lösungen, sondern stellt Fragen. Meins' manichäisches Weltbild erweist sich in der Peltzer'schen Postmoderne jedenfalls als ziemlich überholt.