×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Wenn Pudel fliegen lernen

»UHF«

Voll-Trash oder kongeniale Medien-Satire? Weird Al Yankovics einziger Spielfilm ist immer noch ein Unikum.
Geschrieben am
Zurück von einem Anti-Terror-Einsatz in Beirut wird der trottelige Cop Frank Drebin am Flughafen von einem Pulk Journalisten und Fans empfangen. Sogleich hebt er zu einer Rede über den Sinn des Lebens an – bis sein Kollege ihm steckt: »They’re not here for you – ›Weird‹ Al Yankovic is on the plane.«

Who the fuck is Weird Al Yankovic? Für gut eine Dekade ab Mitte der 80er saß die Pointe. Der kalifornische Satiriker machte mit Pop-Parodien von sich reden. Sein Michael-Jackson-Spoof »Fat«, in dessen Video sich Yankovic im Fat Suit durch die originale U-Bahn-Kulisse des Vorbilds tanzt, war dank MTV Heavy Rotation eine, nun ja, dicke Nummer. Auch Madonna (»Like A Surgeon«), Nirvana oder Miley Cyrus’ Papa Billy Ray bekamen ihr, pardon, Fett weg. Weird Al Yankovic ist bis heute aktiv, kann aber schon lange nicht mehr an seine damaligen Erfolge anknüpfen.

Beinahe vergessen ist auch sein einziger Spielfilm »UHF«. Yankovic schrieb sich selbst die Hauptrolle des Träumers George auf den Leib, der durch Zufall Chef eines defizitären lokalen TV-Senders wird – und diesen mit einer absurden Programmreform zu ungeahnten Erfolgen führt: mit Gaga-TV-Formaten wie »Conan der Bibliothekar«, »Celebrity Mud Wrestling«, »Dreh das Fischrad« oder »Rauls Tierwelt«, in der Pudel fliegen lernen.

Die dramaturgisch zuweilen recht beliebig wirkende Aneinanderreihung von allem, was Jankovic noch unterbringen wollte, deutet auf ein schwächeres Drehbuch hin, als es kommerziell erfolgreichere Reihen wie »Die nackte Kanone« oder »Hot Shots« vorweisen konnten. Was »UHF« dennoch zur sehenswerten Mediensatire macht, sind nicht nur die beißenden Seitenhiebe auf einen TV-Mainstream, der seitdem noch schlimmer geworden ist, sondern die tiefe Menschlichkeit, die zwischen den Zeilen hervorblitzt. Insbesondere in der tragischen Figur des simplen Hausmeisters Stanley Spadowski (brillant gespielt von Michael Richards, dem Cosmo Kramer aus »Seinfeld«), der mit einer dadaistisch-brutalen Kindershow zum Star des Senders wird, manifestiert sich ein Humanismus, der den unzähligen Comedy-Formaten der letzten Jahrzehnte so fehlt. Und nie wieder wurde das Verhältnis Mensch-Wischmop so herzzerreißend beleuchtet wie in »UHF«.

Jay Levey

UHF - Sender mit beschränkter Hoffnung (2-Disc Limited Collector's Edition) [Blu-ray]

Release: 01.07.2016

Jay Levey

UHF - Sender mit beschränkter Hoffnung

Release: 15.06.2016

— Intro empfiehlt: »UHF – Sender mit beschränkter Hoffnung« (USA 1989; R: Jay Levey; D: Weird Al Yankovic, Kevin McCarthy, Michael Richards; VÖ 01.07.16; Capelight)