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Neuer Film vom »Juno«-Team

»Tully« ist mehr als eine zauberhafte Nanny

Jason Reitman und Diablo Cody widmen sich erneut den Tücken der Mutterschaft. »Tully« zum Heulen, aber auch schreiend komisch und bitterböse. (Foto: DCM)

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Die Menschen sind alle so fürchterlich! Marlo ist hochschwanger mit ihrem dritten Kind und ihre Schwägerin kommt mit verständnisvollen Sätzen wie »ja, der neunte Monat ist hart. Ich habe es damals kaum ins Fitnessstudio geschafft«. Oder die Frau im Café, die Marlo darauf hinweist, dass auch im entkoffeinierten Kaffee Koffein ist. Marlo bestellt ihn trotzdem. Von der Schulleiterin, die Marlo vorschlägt, für ihren Sohn Jonah eine teure eins-zu-eins-Betreuung zu engagieren, fangen wir erst gar nicht an. Glücklicherweise haben Diablo Cody und Jason Reitman (»Juno«) ihre Heldin aber schlagfertig geschrieben. Sonst wäre der Film vielleicht nicht zu ertragen.

»Tully« zeigt schonungslos, was Mutterschaft neben all dem Glück und der Liebe und der pastellfarbenen Windelreklame bedeutet: Stress, Schlaflosigkeit, einen veränderten Körper und zig gut gemeinte Ratschläge, die aber völlig daneben sind. Marlos Ehemann Drew (Ron Livingston) ist keine große Hilfe. Kurz vor der Geburt des dritten Kindes wurde er befördert, ist andauernd auf Geschäftsreise und verkriecht sich nach Feierabend vor seiner Playstation. Marlos schwerreicher Bruder – der mit der anstrengenden Frau – schlägt Marlo vor, eine »Night Nanny« zu engagieren. Die ist, wie der Name schon sagt, nachts da und versorgt das Baby. Nach anfänglichen großen Zweifeln nimmt Marlo das Angebot an und Tully (Mackenzie Davis) steht eines Abends vor der Tür. Die junge Frau ist hübsch, clever, verständnisvoll und abenteuerlustig und erinnert Marlo an ihr jüngeres Selbst. Nach ein paar Nächten mit Tully wird alles besser. Marlo bekommt Schlaf und wird wie durch Zauberhand zu genau der Mutter, die alle sie zu sein erwarten.

In einem Horrorfilm würde sich Tully jetzt als verrückte Psychopathin herausstellen. Man sollte Diablo Cody und Jason Reitman dafür danken, dass genau das nicht passiert. Der Twist ist viel verblüffender. Der Charme des Films basiert zudem nicht auf Plot-Wendungen, sondern auf den spitzen Dialogen, der Nähe an der Hauptdarstellerin und der fiesen, aber ehrlichen Darstellung des Alltags. Vielleicht könnte er werdenden Müttern ein bisschen Angst machen. Für alle anderen Menschen im Umfeld dieser Mütter jedoch sollte er Pflichtprogramm sein. »Tully« startet am 31. Mai 2018 in den deutschen Kinos.