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Zurück in die Tretmühle

»Tom Clancy’s The Division«

Ein Fest für Messies: Ubisofts brandneue Marke für das Tom Clancy-Universum bietet nicht nur ungewöhnliche Multiplayer-Erlebnisse, sondern auch jede Menge suchterregenden Rollenspiel-Klimbim.
Geschrieben am
Ein paar Wochen im winterlich verzauberten Big Apple, ganz ohne überlaufene U-Bahn-Stationen und dicht gedrängte Menschenmengen – das wäre doch mal was. Würde man nur nicht ständig von marodierenden Straftätern belästigt werden, die sich die Straßen von Manhattan nach dem zivilisatorischen Kollaps zu eigen machen wollen. Das Nachspiel eines biologischen Terror-Anschlages sorgt halt nicht nur für freie Sitzplatzwahl in der Metro, sondern auch für ungünstig verschobene Machtverhältnisse. Die gilt es in »Tom Clancy’s The Division« als Teil der titelgebenden Einheit wieder ins Lot zu bringen. Wo Tom Clancy drauf steht, muss schließlich auch ein bisschen Engagement fürs Vaterland drin sein.
Während diese Prämisse schnell verinnerlicht ist, ergaben sich schon vor der Veröffentlichung des Spiels ganz andere Unklarheiten. Es kommt schließlich nicht allzu häufig vor, dass sich in Anbetracht eines öffentlichkeitswirksam ausgerollten Blockbusters wie »Tom Clancy’s The Division« für viele die Frage stellt, wer hier denn eigentlich genau angesprochen werden soll. Freunde kompetitiver Shooter? Klassische Rollenspieler? Oder doch nur der nach weitläufigen Pixel-Welten dürstende Videospiel-Tourist? Eine Frage, die alleine auf Google mit einer auffälligen Menge an Treffern beantwortet werden möchte – als hätte es ähnliche Hybride wie »Destiny« nie gegeben. Dass die bloße Zusammenführung unterschiedlicher Genre-Mechaniken immer noch für Verständnisprobleme sorgen kann, sagt indes mehr über die Komfortzone der Spielerschaft aus, als über den eigentlichen Innovationgrad dieses Titels.
Die sogenannte Dark Zone dürfte am Ende den vielleicht spannendsten Dreh des Spiels darstellen, werden die eher schwarz-weiß gezeichneten Moralvorstellungen des Clancy’schen Universum in diesem zentral gelegenen Multiplayer-Areal doch gehörig auf Links gedreht. Hier begegnet man nämlich nicht nur weitaus gefährlicheren Widersachern, sondern auch anderen Spielern. Ob man sich diesen anschließt, sie vielleicht sogar attackiert oder einfach nur ignoriert, ist dabei jedem selbst überlassen. Dieses Maß an Freiheit hat großes Potential – ob es die Community auch nutzen wird, ist allerdings eine ganz andere Frage.   

Am Ende steht ein Spiel, dass in seinen Grundzügen als Shooter anmutet, als würde man es primär über Fertigkeiten wie Reflexe und Fingerspitzengefühl beherrschen. Das täuscht. Am Ende gewinnt, wer seine Statistik-Hausaufgaben gemacht hat. Heißt: Die Attribute der jeweiligen Ausrüstung sind im Zweifel entscheidender, als ein schneller Finger am Abzug. Wer für das damit einhergehende Grinden, also dem Loop aus Kämpfen, Sammeln, Abgleichen und Ausrüsten, etwas übrig hat, der wird diese stimmungsvoll inszenierte Tretmühle so schnell nicht mehr verlassen wollen.

»Tom Clancy’s The Division« für PS4, Xbox One, PC (Ubisoft / Massive)

Ubisoft

Tom Clancy's The Division - [PlayStation 4]

Release: 08.03.2016