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Der Sinn fürs Ordinäre

Fotograf Thomas Nondh Jansen im Interview

In seiner Serie »Living Room Safari« beschäftigt der Fotograf Thomas Nondh Jansen sich mit Alltagsgegenständen und inszeniert sie auf mal lustige, mal verrückte und mal abenteuerliche Art und Weise. Frederike Wetzels hat ihm Fragen zu den Themen Alltagsgegenstände, Heimat und Herkunft gestellt.
Geschrieben am
Entstehen deine Fotos der Gegenstände tatsächlich so spontan wie es den Anschein macht?
Ich bemühe mich immer, meine Fotos so aussehen zu lassen, als wären sie einfach so entstanden. Als ob jemand die Gegenstände genau so liegengelassen und der Betrachter sie in der Küche vorgefunden hätte. Vor der Entstehung habe ich zwar immer einen groben Entwurf vom Ergebnis im Kopf, aber die Details sind immer abhängig von der Umgebung und den spezifischen Begebenheiten. Beispielsweise habe ich mir einmal gedacht, dass es witzig wäre, wenn man nach dem Pommes essen keine fettigen Finger hätte und sich deshalb Plastikbesteck an die Finger klebt. Über das Ergebnis habe ich mich dann selbst gewundert. Andererseits sind gerade die Details recht aufwendig und ein Prozess des Ausprobierens – das Licht, mit oder ohne Ketchup und was passiert, wenn die Hand sich vor- oder zurückbewegt? Ich denke, dass dieser Part des Ausprobierens der Grund dafür ist, dass die Bilder so spontan und real aussehen. 

Deine Arbeiten sind sehr witzig und stellen zugleich Fragen nach der Bedeutung. Was willst du damit beim Betrachter auslösen?
Ich hoffe, dass der Betrachter lächelt und die ihn umgebenden Alltagsgegenstände danach anders wahrnimmt. Und dass er in irgendeiner Weise berührt wird. Ich versuche immer, meine Stillleben subtil darzustellen und hoffe, dass die Betrachter das auch wahrnehmen. Meine Bilder sind immer offen für eine eigene Interpretation und ich liebe genau diesen Moment, wenn die Leute mich fragen, ob es gestellt ist oder ob ich das Objekt genau so vorgefunden habe. Für mich ist es wichtiger, dass die Betrachter sich eine eigene Story dazu ausdenken können als dass ich ihnen eine direkte und klare Richtung vorgebe. Und natürlich hoffe ich, dass die Leute die kleinen, subtilen, täglichen und ordinären Gewohnheiten und Objekte nach dem Betrachten meiner Bilder mehr zu schätzen wissen.
Du arbeitest viel mit einer ganz bestimmten Umgebung. Realisierst du deine Ideen in deinem privaten Umfeld?
Ich betrachte die alltäglichen Objekte, Gewohnheiten und das Ordinäre, das uns umgibt. Aber immer mit einem persönlichen Blickwinkel und mit etwas, über das ich mich in irgendeiner Form wundere. Also bin ich immer auf der Suche nach Plätzen, an denen tägliches Leben stattfindet und zu denen ich eine persönliche Verbindung habe – oft lande ich in meiner Küche, meinem Wohnzimmer oder im Garten. Aber bei Auftragsarbeiten oft auch im Studio, in Klassenzimmern und öffentlichen Parks. Orte, mit denen ich auch etwas verbinde.

Warum hast du deine Serie »Living Room Safari« genannt, obwohl es doch um Küchenobjekte geht?
Weil sie Teil der »Living Room Safari«-Serie ist. Eine fantastische Reise durch mein Haus, meinen Garten und die Küche. Ich liebe das Gefühl, zu reisen und diese Entdeckungen, die mit dem Reisen verbunden sind. Währenddessen fühlte ich mich frei. Also habe ich gedacht, dass ich dieses Gefühl in meinen eigenen Wohnbereich übertragen kann, umgeben von meinem täglichen Leben. Irgendwie zwingt mich diese Serie auch dazu, kleine Reisen zu unternehmen, aber eben in meinem eigenen Haus. Währenddessen mache ich kleinere Entdeckungen, stelle mir Fragen und wundere mich über meine eigene Umgebung.
Du bist in Bangkok geboren und in den Niederlanden bei Adoptiveltern aufgewachsen. Beeinflusst das deine Arbeit?
Seitdem ich weiß, dass ich adoptiert bin, möchte ich wissen, woher ich komme und wo ich mich zuhause fühle. Ich glaube, dass all meine Projekte mit diesen Fragen in Zusammenhang stehen. Letzten Sommer wurde mein Kinder-Fotobuch »De olifant die niet wist of hij verdwaald was« veröffentlicht. Eines Tages habe ich einen Plastik-Elefanten in einem Garten gefunden und angefangen, ihn zu fotografieren. Damit beginnt die Reise eines kleinen Babyelefanten durch die Niederlande – durch alle Jahreszeiten auf der Suche nach seinen Wurzeln. Der Elefant als thailändisches Nationalsymbol und das Gefühl, verloren zu sein, sind Synonyme für die Fragen, die ich mir wegen meiner Adoption stelle. Aber auch für die »Living Room Safari«-Serie war das Gefühl der Fehlplatzierung mein Ausgangspunkt. Und ich habe versucht, diesen Platz zu suchen und zu schaffen, den ich Zuhause nenne.

Gibt es einen Song, der der Soundtrack für deine Stillleben sein könnte?
Atmosphere – »Always Coming Back Home To You«

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