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Rumsitzen mit dem Tod

Thees Uhlmann im Gespräch

Bücher schreibende Musiker sind ja oft so eine Sache für sich. Nun debütiert auch Thees Uhlmann mit einem Roman über den Tod. Kann das gut gehen? Um es im Zungenschlag seiner Heimatstadt Hemmoor zu sagen: Jau! Daniel Koch traf den Song- und nun auch Buchschreiber in Berlin.
Geschrieben am
Mal ehrlich: Wer ein solch heiteres Buch über den Tod schreibt, muss doch eine Scheißangst vor ihm haben, oder nicht? 
Nein, ich habe keine Angst vor dem Tod, aber ich würde gern immer leben. Ich denke wahnsinnig viel drüber nach, gerade im Zusammenhang mit meiner Mutter, die mir sehr wichtig ist. Wie werde ich damit umgehen, wenn sie mal stirbt? Wie krass wird das alles ändern? Aber abgesehen davon finde ich das Leben einfach immer noch zu witzig, auch wenn es manchmal nervt. Lebensmüde bin ich also nicht. Und aufgrund meiner Biografie – mit der Krankheit meines Vaters – war der Tod sozusagen immer bei uns zu Gast. Nicht als Bedrohung, der saß bei uns am Tisch eben so rum.

Das trifft den Charakter im Buch eigentlich ganz gut. Da sitzt der Tod ja auch oft am Tisch rum. Oder auf der Badewannenkante. Überhaupt wirkt dein Roman, als hättest du die eher bedrohliche Idee der letzten Reise an der Seite des Todes als Startpunkt genommen und diese Idee dann konsequent und mit knochentrockenem Humor zu Ende erzählt. War es so? 
Ich hatte so drei, vier Ideen, die ich meinem engsten Vertrautenkreis und meiner Lektorin vorgelegt habe, und alle meinten, die mit dem Tod sei die beste. Dann habe ich diese deppige Idee durchgeritten, und es hat einen Heidenspaß gemacht. Vor allem, weil ich den Tod mal nicht als etwas Bedrohliches gezeichnet habe, sondern einfach als netten Honk. Als einen Typen, der zum Beispiel zum ersten Mal besoffen ist.
Du hast bisher Kolumnen geschrieben, Intro-Artikel, Tomte-Lieder, Linernotes, Solo-Songs – war ein Buch der nächste logische Schritt? 
Die Frage, ob man als Musiker Bücher schreiben muss, kommt jetzt natürlich ständig. Aber was soll dieses Kopfgeschwurbel darüber? Am Ende sind wir einfach Erfinder. Wir erfinden »Das Mädchen von Kasse 2« oder »4 Stunden vor Elbe 1«. Vielleicht ist das alles gar nicht so weit voneinander entfernt.

Wie groß war denn die Umstellung auf das Langstreckenschreiben? 
Es ist das erste Mal, dass ich über 300 Seiten durchgepeitscht habe. Das Gefühl beim Schreiben ist schon anders als beim Musikmachen. Man kommt ja sonst schnell in diesen Bandmodus. Das Schreiben hingegen, gerade im Winter, war ganz schön »Game Of Thrones«-mäßig. Man ist allein, oben in der Wohnung ist das Fenster auf wegen Rauchen, unten die Heizung auf fünf. Da kam ich schon oft ins Schwimmen, weil ich zumindest am Schreibtisch mein eigenes Korrektiv sein musste. Ich habe jetzt großen Respekt vor allen Autoren, die das über Jahre machen.

Also schon eher schwere Geburt als Sonntagsspaziergang? 
Es wäre natürlich geil, wenn ich jetzt sagen könnte: »Ach, dieses Buch hat schon immer in mir geschlummert. Easy.« Scheißdreck! Das Ding war so überlebensgroß, dass ich es alleine nie hingekriegt hätte. Es wäre deshalb auch Betrug am Buch gewesen, wenn ich zum Beispiel nicht explizit meiner Lektorin Kerstin Gleba gedankt hätte. Auch mein Labelkollege Rainer Ott und mein Produzent Tobias Kuhn haben dafür geblutet. Die haben mir immer wieder gesagt: »Du schaffst das.« Aber eben auch: »Uhlmann! Erst neue Platte, wenn das Buch fertig ist!«

Thees Uhlmann »Sophia, der Tod und ich« (Kiepenheuer & Witsch, 320 S., € 18,99) Auf Lesereise vom 05.10. bis 29.01.

Thees Uhlmann

Sophia, der Tod und ich: Roman

Release: 08.10.2015

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