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Licht am Ende des Humbugs

»The Visit«

M. Night Shyamalan versucht mit dem Low Budget-Horrorfilm »The Visit« seinen Fall ins Bodenlose aufzuhalten und Fans aus »The Sixth Sense«-Zeiten zurück zu gewinnen.
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M. Night Shyamalans Stern in Hollywood ist schnell gesunken. Nach dem gefeierten Debüt »The Sixth Sense« (1999) und dem Nachfolger »Unbreakable« ging es rapide bergab. Eine gern geteilte Grafik rechnete aus, dass Shyamalan eines Tages den ersten Film mit negativer IMDB-Wertung machen würde. Bei »After Earth« (2013) versuchte das Studio schließlich sogar aktiv, seinen Namen aus dem Marketing rauszuhalten. Der Low Budget-Horrorfilm »The Visit« ist nun Shyamalans Versuch, das Ruder herum zu reißen.

Die Teenager Becca und Tyler verbringen eine Ferienwoche bei ihren Großeltern. Die Geschwister haben sie noch nie zuvor getroffen, da sich ihre Mutter vor über 15 Jahren mit ihnen zerstritten hat. Becca möchte den Bruch zwischen ihnen ergründen und eine Dokumentation darüber drehen. Bei ihren Nachforschungen beißt sie allerdings schnell auf Granit, und die Großeltern verhalten sich immer merkwürdiger. Die Oma streift nachts wie im Wahn durch das Haus und Opa scheint irgendetwas zu verstecken. 
M. Night Shyamalan will uns mit »The Visit« offenbar verzweifelt sagen: »Ich hab es noch drauf!« Deswegen lässt er seine Protagonistin ständig über spannendes Erzählen und interessante Kamerawinkel referieren. Becca ist selbst in den stressigsten Situationen auf die richtige Bildkomposition bedacht. Sogar die neben sich stehende Großmutter, die sich in einer Szene der Kamera bemächtigt, platziert diese möglichst publikumsfreundlich. 

Es wirkt geradezu so, als schäme sich »The Visit« ein kleines bisschen dafür, ein Found Footage-Film zu sein. Mit diesem Aspekt steht er sich ähnlich im Weg wie mit den großzügig eingestreuten Comedy-Einlagen. Besonders die Freestyle-Raps von Tyler sorgen eher für Fremdscham als für Unterhaltung. Im letzten Drittel verabschiedet sich der Film aber zum Glück weitestgehend von seinen missglückten Comedy-Versatzstücken und liefert tatsächlich solide inszenierten Horror, Shyamalan-Twist inklusive. »The Visit« ist weit entfernt von einer Rückkehr zu alter Form, bleibt aber zumindest so etwas wie ein Lichtblick in der Shyamalan-Filmografie.

»The Visit« (USA 2015; R: M. Night Shyamalan; D: Olivia DeJonge, Ed Oxenbould; Kinostart: 24.09.)