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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

und weitere Filmstarts und Trailer vom 05.02.2009

The Spirit

Intro-Filmkritiker Alexander Dahas hat alle wichtigen Kinostarts der Woche natürlich schon gesehen und gibt einen Überblick darüber was muss und was gar nicht geht.
Geschrieben am
Jeden Donnerstag das Gleiche: Intro-Filmkritiker Alexander Dahas hat alle wichtigen Kinostarts der Woche natürlich schon gesehen und gibt einen Überblick darüber was darf, was muss und was gar nicht geht.

The Spirit
R: Frank Miller; D: Gabriel Macht; Samuel L. Jackson, Scarlett Johansson, Eva Mendes etc.
Als Comicfigur kann es einem dieser Tage häufiger passieren, durch Frank Millers schmutzige Phantasie gezerrt zu werden, aber ausgerechnet dem Spirit hätte man dieses Schicksal gerne erspart. Warum? Zum Beispiel, weil Will Eisners Comicklassiker ein Triumph in Storytelling gewesen ist, besetzt mit denkwürdigen Charakteren und gesegnet mit einem atmosphärischen Flair, der zwischen liebenswürdigem Humor, linkischer Romantik und überlegen inszenierter Noir-Action pendelte. Diese Verfilmung dagegen ist ein dummes, lautes, grelles und moralisch fragwürdiges Stück Pfuscherei, das überhaupt kein Gespür für Tempo, Witz und Emotion hat, und nicht einmal mit Scarlett Johansson in SS-Uniform etwas anzufangen weiß. Für Unbeleckte ist die löchrige Story um den nonchalanten Vigilanten und seinen Kampf gegen Chefschurken Octopus lediglich ein ärgerlicher Kino-Reinfall, für Comicfans dagegen einer dieser Anlässe, bei denen man Sympathien zu Selbstmordattentätern entwickelt. Schon jetzt einer der schlechtesten Filme 2009.

Glaubensfrage
R: John Patrick Shanley; D: Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams etc.
Es ist 1964, und Schwester Aloysius hat einen schlimmen Verdacht: interessiert sich der progressive Priester an ihrer New Yorker Klosterschule etwa sexuell für einen ihrer Schüler? Die Indizien scheinen dafür zu sprechen, schließlich gilt der betreffende Junge als Außenseiter, der mit Messweinfahne zum Unterricht kommt, und außerdem sieht Father Flynn aus wie Philip Seymour Hoffman, was ja immer schon sehr verdächtig ist. "Doubt" (OT) basiert auf einem gleichnamigen Theaterstück und wendet sich dementsprechend an ein Kinopublikum, das von textintensiven Passagen nicht abgeschreckt wird und Worte eh als die wuchtigsten Waffen ansieht. Als Resultat steht uns eine schauspielerische Elefantenrunde ins Haus, die bereits bei den Oscarnominierungen abräumte und ordentlich auf der Klaviatur der Gefühle rumorgelt. Irreführend ist vor allem der deutsche Verleihtitel, der eine religiöse Thematik vermuten lässt, wo rein weltliche Kräfte am Werk sind. Ansonsten alles sehr frisch.

Video: Die Trailer der Woche





Auf der nächsten Seite: "Frost/Nixon" und "Bride Wars".






Frost/Nixon
R: Ron Howard; D: Frank Langella, Michael Sheen, Kevin Bacon etc.
Richard Nixon ist in der amerikanischen Popkultur auch deshalb so etwas wie der Lieblingspräsident, weil seine mannigfaltigen Verfehlungen heute trotz allem noch so herrlich transparent und menschlich wirken. Dafür argumentiert auch "Frost/Nixon", der Tricky Dick als zu kurz gekommenen Stubenhocker in einer Runde aus lauter charmanten Überfliegern castet. Langella sieht zwar nicht aus wie Richard Milhouse, hat aber die entsprechende Lingo drauf: ein alter Kämpfer, der die "moralische Mehrheit" mit Geschichten von den Zentralen der Macht an ihr Sofa fesselt. Dem gegenüber steht das britische Leichtgewicht David Frost, das in Nixons Sturz das dramatische Format erkennt, das es medial zu verwerten gilt, koste es auch die eigene Karriere. Wie die Geschichte ausging ist bekannt, mit dem Imageschaden am Präsidentenamt muss seither praktisch jeder leben. Als Re-Enactment einer ungewöhnlichen Beziehung überzeugt "Frost/Nixon" allerdings, auch weil der Film ein Verhältnis zwischen Öffentlichkeit und Politik anmahnt, das heutzutage schon nicht mehr als realistisch gilt.

Bride Wars
R: Gary Winick; D: Anne Hathaway, Kate Hudson, Candice Bergen etc.
Emma und Liv haben sehr ähnliche Vorstellungen vom perfekten Leben, und die schließen jeweils eine Traumhochzeit mit Mr. Right ein. Als sich herausstellt, dass zum Wunschtermin nur eine Trauung über die Bühne gehen kann, werden die besten Freundinnen zu royalen Zimtzicken. Richtig, was ein modernes Frauenbild angeht, verweigert sich "Bride Wars" mit einer herzhaften Renitenz, die irgendwelche Bevölkerungsgruppen, die ich nicht kenne, wohl zum Lachen animieren soll. Sekundiert wird das traurige Schauspiel von den schlechtesten Witzen, die man für Geld kaufen kann, und einer mittelalterlichen Message, die wahrscheinlich vergeblich auf Ironie plädieren wird. Als Date-Movie ein Verhütungsmittel erster Klasse und im Geschlechterkampf der Overkill schlechthin.