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USA 2004

The Aviator

R: Martin Scorsese; D: Leonardo DiCaprio, Cate Blanchett, Kate Beckinsale Sollte Martin Scorsese tatsächlich mit diesem fast schon verzweifelten Versuch, endlich mal einen Oscar zu gewinnen, erfolgreich sein, dann könnte sein ganzes großartiges Werk Gefahr laufen, im Schatten dieser standardisie
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R: Martin Scorsese; D: Leonardo DiCaprio, Cate Blanchett, Kate Beckinsale

Sollte Martin Scorsese tatsächlich mit diesem fast schon verzweifelten Versuch, endlich mal einen Oscar zu gewinnen, erfolgreich sein, dann könnte sein ganzes großartiges Werk Gefahr laufen, im Schatten dieser standardisierten Hollywood-Seifenoper zu verblassen. Das soll nicht heißen, dass ›The Aviator‹, eines jener typischen Biopics, das sich in diesem Fall mit dem Leben des exzentrischen Milliardärs Howard Hughes beschäftigt, ein schlechter Film ist: Solide inszeniert, niemals langweilig, immer rasant und gut erzählt, tolle Kameraführung und vor allem hervorragend gespielt, gehört ›The Aviator‹ schon allein aufgrund seines erschlagenden Pathos’ zu den interessantesten Großproduktionen des Jahres. Jedoch wirkt er in den Händen Scorseses wie ein verzweifelter Versuch des nach allgemeinem Konsens wohl besten lebenden amerikanischen Regisseurs, endlich die Lorbeeren einzufahren, die ihm bisher stets verwehrt geblieben sind. Seine größte Leistung bei diesem Film ist dabei sicherlich die Schauspielerführung: Cate Blanchett nervt ziemlich originalgetreu als Katherine Hepburn, Jude Law hat einen originellen Kurzauftritt als Errol Flynn, und Alec Baldwin arbeitet weiter erfolgreich an seinem Make-over zum Charakterdarsteller. Wer aber hätte gedacht, dass man aus Leonardo DiCaprio noch einmal solch eine großartige schauspielerische Leistung kitzeln könnte, nachdem er sich vor zehn Jahren in die Teeniestar-Hölle verabschiedet hatte und auch das epische Gewicht von Scorseses letztem Film ›Gangs Of New York‹ zu keinem Zeitpunkt zu tragen imstande war? In ›The Aviator‹ beweist DiCaprio, der in nahezu jeder Einstellung des Films zu sehen ist, endlich einmal, warum er einst als bester Jungschauspieler Hollywoods gehandelt wurde. Aber hätte nicht auch ein biederer Hollywood-Auftragshandwerker wie Ron Howard diesen Film inszenieren können? Oder, anders gefragt, hat sich Scorsese nicht sogar bei Howards ›A Beautiful Mind‹ kräftig bedient? Wie sehr muss ihm die Niederlage wehgetan haben, mit ›Gangs Of New York‹ in den Augen der Kritiker (und der Academy) so grandios gescheitert zu sein? Ist ›The Aviator‹ schon das Produkt des Coppola-Effekts, eines Burn-outs nach dem Lebenstraum, dem Film, der einem alles bedeutet? Doch in einigen Momenten von ›The Aviator‹ ist immer noch die Größe und jener Willen zu spüren, der darauf hinweist, dass dies für Scorsese nur ein Regenerationsprojekt war und er bald wieder zum Angriff bläst. Bis dahin sollte man sich die Auszeichnungen aufbewahren, die ja weniger diesem Film als vielmehr dem schlechten Gewissen dienen würden und frei nach der Faustregel handeln: Ein Film von Martin Scorsese, in dem weder Robert De Niro noch Joe Pesci mitspielen, hat einfach keinen Oscar verdient. Im März sind wir schlauer.