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Rettet Sarah Connor!

»Terminator: Genisys«

Wer ein Fan der »Terminator«-Reihe ist, spart sein Geld lieber und schaut sich das Comeback von Arnold Schwarzenegger als T-800 nicht an. Alan Taylors »Terminator: Genisys« ist komplett misslungen.
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Die Geschichte des Terminators ist eine Zeitreise-Geschichte. Da macht auch der fünfte Teil der Kino-Reihe keine Ausnahme. Nach seiner weitgehenden Abwesenheit in »Die Erlösung«, kehrt Arnold Schwarzenegger in »Terminator: Genisys« als T-800 zurück. Regisseur Alan Taylor (»Thor«) setzt auf ein Drehbuch, das James Camerons Ur-»Terminator« aus dem Jahr 1984 fleißig zitiert. Die Referenzen reichen soweit, dass der auf die Auslöschung von Sarah Connor programmierte T-800 sich bei der Ankunftsszene in Los Angeles bereits dem aus der Zukunft herbeigeeilten Beschützer-T-800 gegenübersieht. Den Kampf gegen sich selbst kann der gute Arnie nur mit Hilfe gewinnen, Sarah Connor persönlich steht ihm zur Seite. Gespielt wird sie leider nicht mehr von Linda Hamilton, sondern von »Game Of Thrones«-Star Emilia Clarke. Auch Widerstandskämpfer Kyle Reese (Jai Courtney) darf seine Landung im Jahr 1984 noch einmal erleben, inklusive Kaufhaus-Verfolgungsjagd. Dort wiederholt sich eine weitere Szene aus dem kollektiven Gedächtnis der 80er-Jahre-Popcorn-Fraktion: Der Auftritt der Vandals, die aus diesem Anlass von Nike noch mal neu aufgelegt wurden. 
Offensichtlich wollen die Produzenten die Fan-Community mit Retrominator-Chic beglücken, nachdem die vorherigen Sequels ohne Cameron nicht so gut ankamen. Der Schuss aus Sarah Connors Waffe, der dem alten T-800 zu Beginn sowohl huldigt als auch den Garaus macht, geht allerdings nach hinten los. Gerade die eins zu eins übernommenen Szenen aus der 1984er-Mottenkiste, wie Kyles Flucht durch die Gasse mitsamt dem Obdachlosen, dem er die Hose stiehlt, erinnern schmerzhaft daran, dass diese schlichten Drehbuchideen mal Teil einer meisterlichen Horrorerzählung waren. Cameron bot der damaligen Technik-Paranoia mit eigener technischer Brillanz die Stirn – und ließ sie als Amok laufenden Roboter auf den Kinomob los. Die Terminator-Figur hat ihren Ursprung in zwei Storys des Autors Harlan Ellison. Sie stammen aus den 1960er Jahren, als der Kalte Krieg und das Wettrüsten allmählich eskalierten. Auf dessen Höhepunkt und zum Ende hin drehte Cameron seine beiden »Terminator«-Filme sozusagen als Update von Ellisons Sixties-Fiktion mit direktem Verweis auf einen Atomkrieg. Geblieben sind den heutigen »Terminator«-Franchise-Verwaltern die Ungereimtheiten beim Time Travelling, der Anspruch an zeitgemäße, munitionsreiche Action – und eben die schlichten Drehbuchideen. Im Verhältnis zur Gegenwart hakt es. Die moderne Skynet-/Genisys-Geschichte ist ein Witz. Der Showdown, in dem ein Klischee das nächste in die Luft jagt, ohne Spannung zu erzeugen, setzt dann auch keine neuen Genre-Standards mehr.

Das ärgste Ärgernis ist allerdings die Verunstaltung der Figur Sarah Connor. Die stumpfen Punchlines, mit denen Arnie – »old but not obsolete« – die lahme Handlung pimpt, kann man müde lächelnd quittieren. Aber Sarahs Lebensgeschichte wird in dieser Möglichkeitswelt zur quälenden Zeitreise in eine Ära, in der weibliche Filmfiguren nur in den Armen ihrer männlichen Beschützer zu Heldinnen werden konnten. Ist die Soldatin Sarah Connor in »Judgment Day« aus der Gefangenschaft einer Anstalt geflohen, in der Männer sie für verrückt erklärten, folterten und missbrauchten, weil sie die Wahrheit sagte, um diese Regression zu erleben? Da darf nicht wahr sein. Den alten Witz, dass man lieber einen T-1000 in die Zeitmaschine gesteckt hätte, um die Produktion des Films zu verhindern, hat sich Regisseur Taylor mit dem bisher schlechtesten »Terminator« redlich verdient. Vielleicht kann er ja bei »Mad Max – Fury Road« nachträglich Anschauungsunterricht nehmen. Nur die Markentreue beim Product Placement ist ihm hoch anzurechnen.

 »Terminator: Genisys« (USA 2015; R: Alan Taylor; D: Arnold Schwarzenegger, Jason Clarke, Emilia Clarke; Kinostart: 09.07.)