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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Surf Nazis Must Die!«

Iron Sky

Aus dem Kino sind Nazis genauso wenig wegzudenken wie aus der deutschen Wirklichkeit. Nur haben sie auf der Leinwand oft diesen Glam-Faktor. Muss das eigentlich sein, und wer braucht so was?
Geschrieben am
»Iron Sky« (FIN 2012; R: Timo Vuorensola; D: Udo Kier, Julia Dietze, Götz Otto; Kinostart: 05.04.)

Was haben wir uns damals gefreut, als die legendäre Spielfilm-Produktionsfirma/Müllaufbereitung TROMA nach »Toxic Avenger« ihren nächsten Kassenschlager ankündigte. Einen Film mit dem Titel »Surf Nazis Must Die!« Wir gehen noch etwas weiter in die Vergangenheit, denn »Iron Sky« – von Regisseur Timo Vuorensola und mit Udo Kier – ist nur der aktuelle Höhepunkt einer langen Geschichte: Bereits in der Selbstdarstellung erschien der Nazi als der klassische Übermensch in einer von Hugo Boss geschneiderten Uniform. Die gegnerische Propaganda gab ihm den letzten Schliff. Ein gefundenes Fressen für alle, die auf der Suche nach dem ultimativen Bösewicht waren und sind. Darum ist das Kino voll von Nazis. Ob in der Kunst (Pasolinis »120 Tage von Sodom«) oder im Trash (»Ilsa – She-Wolf Of The SS«): Niemand verkörpert das Böse perfekter. Hitler ist immer noch größer als Satan. Und genau damit beginnt auch die elendige Faszination und Fetischisierung der Nazis, wie sie »Iron Sky« auf einer Welle selbstgenügsamer Ironie forttreibt.

TROMA hat es 1987 glücklich verkackt: Ihre Nazis waren eine Gang von dümmlichen Trotteln, die bestenfalls Neopren-Anzüge trugen und nur durch ein paar lustlos aufgemalte Hakenkreuze als die titelgebenden Ungeheuer zu identifizieren waren. Das hat keinen Glam, daran war nichts faszinierend. Gut so. Im Gegensatz dazu verfolgt »Iron Sky« den gefährlichen Ansatz des italienischen Exploitation-Cinema der Sechziger- und Siebzigerjahre. Mit der voyeuristischen Faszination am Grauen orientierte sich das Genre »Sadiconazista« stärker an den historischen Vorbildern, während bereits die Genre-Begrifflichkeit die sexuelle, von Sadismus und Fetischismus geprägte Komponente deutlich herausstellt. Lange bevor die Gothic-Lolitas zur Ilse Koch wurden und Suicide Girls den BDM-Look für sich entdeckten, trugen also Filme wie »SS Experiment Love Camp« dazu bei, dass die Nazis zu ikonischen Untoten der Popkultur mutierten und irgendwie *brrr* sexy *brrr* wirkten. Auf wen auch immer. Und weil »Iron Sky« alles seinen Fans verdankt – sei es via Crowdfunding oder virales Marketing –, zeigt der Film mit erschreckender Deutlichkeit, dass die Vergangenheitsbewältigung gerade erst begonnen hat. Und jetzt alle zusammen: Brothers! Sisters! We don’t need this fascist groove thang!