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Superheldenmarkt

Der große Japaner / Superhero Movie

Superhelden sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Diese Erkenntnis ruft sich Lars Brinkmann in Erinnerung
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Superhelden sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Diese Erkenntnis ruft sich Lars Brinkmann in Erinnerung...


 

... als er dem redaktionellen Auftrag folgt, drei Superhero-Movies zu vergleichen. Er sieht zwei auffällig billige Beispiele von kinematografischer Demontage. Will Smith darf er nicht anschauen.

Helden existieren natürlich schon länger als das kleine Jesulein, uns interessiert hier aber der Superheld des 20. Jahrhunderts - der wird nicht als edler Mythos, sondern im Pulp-Format geboren und fristet ein entsprechend tristes Dasein im Altpapier. 1938 dann bekommen zwei Vollnerds die Chance, mit ihrer Kreation die Welt endgültig zu verändern: Supermann beginnt seinen Siegeszug. Während des 2. Weltkrieges kämpft er in Übersee gegen die Nazis und im eigenen Land gegen Saboteure oder Volksschädlinge. Nach Kriegsende hilft er alten Frauen über die Straße und verhindert jedes Übel, das die freie Welt bedrohen könnte. Doch Supermann wird zum Spielball der powers that be - sprich: des Verlags. Seinen Wegbegleitern wie dem ungleich dunkleren und enigmatischeren Batman geht es ähnlich. Zusätzlich knebelt sie der "freiwillig eingeführte" Comic-Code ihrer Besitzer.


 

Erst in den 60ern können sich die Helden des Gegenuniversums namens Marvel menschlicher geben, allen voran Spiderman. Zum Höhepunkt des Vietnam-Krieges kollabieren die artifiziellen Welten. Statt der Vernichtung durch Wunderwaffen droht die reale Apokalypse. Besonders befähigte Superschurken werden in der Realität ganz passabel von inkompetenten Kriegstreibern vertreten. Die Helden beginnen zu zweifeln, finden sich in Slums wieder oder kämpfen im Central Park der universellen Metropolis gegen den urbanen Terror. Die Beschützer der Menschheit plagt häufiger die Umweltzerstörung als die Zusammenrottung von grundsätzlich verdächtig erscheinender Intelligenz. In den 80ern kulminiert die Krise in Frank Millers zynischen Demontagen von Batman, welchen er in "Dark Knight Returns" als einen gealterten, von Zweifeln und Ängsten erschütterten Psychokrüppel darstellt.

In der Folge überschwemmen Anti-Helden den Markt. Als schließlich Ende der 90er die Comic-Blase platzt, Verlage dicht machen oder aufgekauft werden, normalisiert sich das Gros der Superhelden wieder, nur auf Sonderlinge wie Spawn und Hellboy ist noch Verlass. Aber das ist eine andere Geschichte. Genau, die Geschichte ...
"Mein Lieber, hier noch mal deine Termine: Pressevorführung ›Superhero Movie‹ (mit Leslie Nielsen und Pamela Anderson!) 03.06., Pressevorführung ›Der große Japaner‹ (mit Hitoshi Matsumoto alias Hitosi Matumoto) 04.06., Pressevorführung ›Hancock‹ (mit Will Smith) entfällt."


 

Während also wenige ausgesuchte Kollegen diese stinkend teure und natürlich exzellent gefilmte wie getrickste Klamotte mit Will Smith als gescheitertem Superhelden sehen (von wegen "fällt aus"!), sehe ich erst mal einen Film mit Leslie Nielsen und Pam Anderson. Beide haben extrem kurze Auftritte, der Held ist ein tollpatschiger Teenager nach dem Vorbild von Peter Parker, statt einer Spinne ist sein Totemtier eine Dragonfly bzw. Libelle. Autor und Regisseur Craig Mazin hat die Skripts zu "Scary Movie" Teil 3 & 4 geschrieben, sein "Superhero Movie" ist für ein paar Gags gut und wird bestimmt auf DVD ein Weihnachtsknüller; die Welt der Superhelden könnte ohne ihn besser weiterexistieren.


 

Weitaus interessanter, trister und irgendwie B erscheint "Der große Japaner - Dainipponjin". Von meinen anwesenden Kollegen als übler Trash gebrandmarkt, aber von einem seltsamen Humanismus beseelt, erzählt der Film aus dem Leben eines mehr oder minder schlecht bezahlten Superhelden im öffentlichen Dienst. Mithilfe von Starkstrom bläst er sich auf das Format von Godzilla auf und liefert dessen vielgestaltigen Nachgeburten schwerfällige Kämpfe. Seine Popularität hat im Laufe der Jahre so gelitten, dass die Aufnahmen seiner Kämpfe irgendwo in der Nachtschleife versendet werden. Er fährt Moped, ist geschieden, betrügt sich selbst und steht schließlich einem Feind gegenüber, der ihm sprichwörtlich in den Arsch tritt. Das Ganze löst sich in einer Art Augsburger-Puppenkisten-Surrealismus auf, wobei die Akteure wie eine Mischung aus Bob-der-Baumeister- und Power-Ranger-Marionetten in stümperhaften Stadt-Kulissen stehen. Weird. No more heroes. There ain't no such thing as a superman. Aber im Herbst kommt "Hellboy 2".