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»TV Total« am Tiefpunkt

Stefan Raab beendet TV-Karriere

Nach 16 Jahren ist Schluss: Pro7 hat das Ende von Stefan Raabs TV-Karriere bekannt gegeben. Der Entertainer hat sich demnach selbst dazu entschieden, zum Ende des Jahres seine »Fernsehschuhe an den Nagel zu hängen«, wie er selbst sagt. Vor allem mit Blick auf »TV Total« die richtige Entscheidung.
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Zugegeben: Im Falle des dahin scheidenden Stefan Raabs noch nach zu treten ist einfach. Wahrscheinlich sogar zu einfach. Doch bevor in kürzester Zeit wieder die nostalgische Verklärungsmaschine angeschmissen wird und vom letzten großen Late-Night-Talker der Republik fantasiert wird, wollen wir lieber noch einmal unterstreichen, wie schlimm es um dieses unbeholfene und in die Jahre gekommen Format »TV Total« eigentlich stand. 

Eigentlich schämen wir uns ja gerne fremd. Nicht umsonst genießen Serien wie »Stromberg« oder »Mein neuer Freund« große Popularität. Doch der gequälte Blick von Stefan Raab, wenn er zu Beginn einer Sendung mal wieder nach einer viel zu langen Kunstpause etwas nachschiebt, das die Bezeichnung Pointe nicht mal ansatzweise verdient hätte, schmerzte zuletzt nur noch. Das ausbleibende beziehungsweise von der Regieassistenz erzwungene »Lachen« des Publikums? Wie der Moment, wenn du jemandem die Hand reichst und dein Gegenüber keine Reaktion zeigt. Zumal es die stellenweise als Aufhänger genutzten Einspieler diverser TV-Kuriositäten nie besser machten. Obwohl es das Internet längst vorgemacht hatte, wurden keinerlei Rückschlüsse aus diesem Zeitgeist gezogen und stur die aufgewärmte Kost aus unspektakulären Interview-Versprechern und 9Live-Obskuritäten serviert. 
Für die obligatorischen Interviews gab es stets eine einfache Faustregel: Je prominenter und international angesehener ein Gast war, desto unangenehmer wurde es. Für uns wie für den Gast. Mag ein Bill Kaulitz oder Matthias Schweighöfer noch das Verständnis dafür mit bringen, wen er da eigentlich vor sich sitzen hat und warum das alles so holprig läuft, wurde es spätestens bei Künstlern wie Eminem oder David Guetta nur noch schwer erträglich. Das fehlende Interesse, die völlig berechenbaren Fragen und die verlässlich in der Sprachbarriere hängen bleibenden Pointen ließen jedes dieser Gespräche zu einem quälenden wie mahnenden Exempel werden, wie man es genau nicht machen sollte. In seinen schlimmsten Momenten hatte all das schlichtweg etwas von dem Realschulabgänger, der 10 Jahre nach seinem Abschluss immer noch am Rande des Schulhofes in Jeans-Jacke an seinem Ford Fiesta lehnt und um die Aufmerksamkeit der aktuellen Stufe buhlt.

Natürlich ist es Quatsch, all diese Versäumnisse einzig und allein Stefan Raab zuzuschieben. Jeder TV-Entertainer ist eben nur so gut wie sein Team im Rücken. In Anbetracht so manches Kalauers fragt man sich dementsprechend eher, wie die es überhaupt aus den Redaktionssitzungen in die Sendung geschafft haben. Erfahren werden wir das vermutlich nie – gerade stehen muss dafür nun Raab.