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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

USA 2002 R: Jonas Åkerlund; D: Mickey Rourke, Brittany Murphy, Mena Suvari; Tobis

Spun

Sucht. SUCHT! ›Spun‹ bedeutet »drauf sein«. Nix Hippie. Kein Koks-Glam. Bahnhof Zoo? Andere Linie. Meth. Crystal. Ice. Speed. Zucken statt schweben. Eigentlich hätte ›Spun‹ eine Doku werden sollen. Über einen Amphetamin-Koch. Drehbuch-Autor Will De Los Santos ist 1995 drei Tage lang mit einem solc
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Sucht. SUCHT! ›Spun‹ bedeutet »drauf sein«. Nix Hippie. Kein Koks-Glam. Bahnhof Zoo? Andere Linie. Meth. Crystal. Ice. Speed. Zucken statt schweben. Eigentlich hätte ›Spun‹ eine Doku werden sollen. Über einen Amphetamin-Koch. Drehbuch-Autor Will De Los Santos ist 1995 drei Tage lang mit einem solchen durch die Gegend gefahren. Erinnert an die Handlung: Ross (Jason Schwartzman) lebt im Norden von L.A. Trostlos. Er steht auf diese synthetisch hergestellte Droge. Meth halt. Irgendwann kommt er in Kontakt mit der Zentralquelle seiner Drogenfreak-Bezugsgruppe. The Cook (Mickey Rourke). Es geht immer nur um Nachschub. Nirgends sicherer als hier. Deshalb wird Ross zu dessen Fahrer und Handlanger. Und er bleibt wach. Immerzu. Der Film von Jonas Åkerlund wird häufig als »amerikanisches ›Trainspotting‹« beschrieben, auch wenn ›Spun‹ weit davon entfernt ist, ein derart kuschelig-lustiges Sozialdrama darzustellen. Bei Åkerlunds Film hat man weder Mitleid mit noch Sympathie für die Protagonisten, denen es eigentlich immer nur um die stets würdelose Suche nach jenem weißen Pulver geht, an das sie sich klammern wie Ertrinkende an den sprichwörtlichen Strohhalm. Und weil ihr Leben dadurch nervös und inhaltsleer geworden ist, bemüht sich auch der Regisseur um eine adäquate Darstellung. Gefeilt wurde nicht am Set, sondern später im Raum der Cutter. 4500 Schnitte sorgen für jene Clip-Ästhetik, durch die Åkerlund berühmt wurde. Wir kennen ihn durch die Videos zu Madonnas ›Ray Of Light‹, ›Music‹ und dem später zurückgezogenen ›American Life‹. Oder aber: ›Smack My Bitch Up‹ von The Prodigy. Mit Szenen wie z. B. einem Sonnenaufgang im Zeitraffer zitiert er sich selbst. Und fast wäre auch Madonna Teil dieses Films geworden. Man hatte sie schon für die Rolle der ruppigen Nachbar-Lesbe gewinnen können, da kam ihre Nordamerika-Tour dazwischen. Na ja, Pech gehabt. Der Großteil der Musik im Film kam übrigens von Billy Corgan, der solo dem Mitt-90er-Grunge-Look der gezeigten Wohnsituationen den passenden Anstrich gibt. Zentralfigur Schwartzman macht in dieser Umgebung auch gleich Promo für die eigene Band: Aufmerksamen Betrachtern wird vielleicht ein Phantom-Planet-Graffiti auffallen oder eventuell der Phantom-Planet-Song aus dem Autoradio. Åkerlund selbst hat einen Cameo als Hippie-Schnorrer an der Busstation, Billy Corgan tritt als Arzt auf, und »That’s gotta hurt« bleibt sein einziger gesprochener Satz. Aber wie erwähnt legt dieser Film sowieso auf inhaltliche Details wie Dialoge keinen Schwerpunkt. Es geht um die Form, die wiederum das Gefühl erzeugt. Totale Rastlosigkeit. Mickey Rourke erweist sich hier nach Jahren mal endlich als Glückscast. Niemand hätte den schmierigen Egomanen, der sein Leben dem Giftmischen verschrieben hat, besser verkörpern können. Speziell diese Figur hätte in ihrer Groteske fast in einem Gilliam-Film Platz finden können. Die übrige Darstellerschaft, auch Schwartzman und Brittany Murphy, tummelt sich mit graduellen Abstufungen im Bereich der mittleren Bedeutungslosigkeit.