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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Kommunikationsprobleme

Spike Jonze im Interview

Neben Dave Eggers’ Roman »Der Circle« ist Jonzes Nahe-Zukunft-Vision mit Joaquin Phoenix und Scarlett Johanssons Stimme in den Hauptrollen sicher die unheimlichste Gegenwartsanalyse der schönen neuen Medienwelt. Aber ein Kulturpessimist ist der Regisseur deswegen nicht. Skype und FaceTime sind für ihn kein Teufelswerk.
Geschrieben am
Mr. Jonze, kam Ihnen die Idee zu »Her«, weil Sie Menschen beobachtet haben, die für ihr Telefon tiefere Gefühle empfinden als für ihre Mitmenschen?
So buchstäblich funktioniert das nicht. Generell wollte ich mich mit dem Thema Beziehungen auseinandersetzen, mit den Komplikationen, die Intimität und Liebe mit sich bringen. Mir gefiel der Gedanke, dass sich jemand in eine Künstliche Intelligenz verliebt, die sich nur als Stimme äußert. Die Vorstellung bekam ich einfach nicht mehr aus dem Kopf. Ein Zeichen dafür, dass da gerade eine Filmidee entsteht.

So, wie sich unser Verhältnis zur Technik aktuell entwickelt, scheint Ihre Vision der Zukunft jedenfalls nicht weit hergeholt. Macht Ihnen das Angst?
Das ist mir zu schlicht gedacht. Die Situation ist viel zu komplex, als dass man sagen könnte, Technologie isoliere uns. Es lässt sich nicht leugnen, dass Technik die Menschen auch immer wieder vereint und miteinander verbindet. Auf ganz pragmatische, einfache Art und Weise. Dass man dank Skype oder FaceTime heute auch auf Reisen jeden Tag mit seiner Familie sprechen und sie sogar sehen kann, ist doch wunderbar.

Kulturpessimisten klingen anders ...
Ich finde es einfach falsch, technologischen Fortschritt per se als gefährlich oder schlecht zu verteufeln. Klar, damit gehen gesellschaftliche Veränderungen einher, und die haben bei den Menschen schon immer für Verunsicherung gesorgt. Aber das ist eigentlich eine rein subjektive Sache. Zumal es ja immer an uns liegt, wie wir solche Dinge nutzen. Das ist doch seit Beginn der Menschheit das ewige Thema: Wir haben immer die Wahl, mit unserem Gegenüber den Kontakt zu suchen oder diesen zu vermeiden. Die Technik ist zwar ein weiteres Hilfsmittel, hat mit der eigentlichen Frage aber gar nichts zu tun. Nur wir selbst sind verantwortlich für den Zustand der zwischenmenschlichen Kommunikation. Wer die Schuld woanders sucht, macht sich etwas vor.

Intro empfiehlt »Her« (USA 2014; R: Spike Jonze; D: Joaquin Phoenix, Scarlett Johansson; Warner)