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Hackentrick

Spektakel: »Watch Dogs«

Längst wachsen offene Spielwelten alle aus derselben Ursuppe. Aus der Ferne sieht auch »Watch Dogs« so aus wie »Grand Theft Auto«. Aber es ist, was keiner für möglich hielt: eigenständig und interessant.
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Ubisoft hat sich in den letzten Jahren darauf verlegt, riesige Spielwelten zu schaffen, die vor lauter Nebenmissionen und Minispielen immer beliebiger wirken. Auch »Watch Dogs« schüttet den Spieler gnadenlos zu. Aber wie durch ein Wunder haben die Macher diesmal mehr abgeliefert als ziellosen Eskapismus für ein Massenpublikum. Die Grundidee heißt natürlich wieder »Grand Theft Auto«. In einem realistischen Chicago der Jetztzeit dürfen Spieler das tun, wovon sie im richtigen Leben nur träumen. Aber auch beim Kauern auf dem Dach der fahrenden Straßenbahn stellt dieses Action-Adventure eine relevante aktuelle Frage: Wer kontrolliert die Daten, die wir massenhaft produzieren? Was passiert, wenn jemand die Smartphones, die Kamerafeeds, die zunehmend vernetzten Systeme auf einen Schlag kontrollieren kann? Und, etwas verstohlen: Wäre es nicht super, wenn man selbst dieser Jemand wäre?

Die Antwort von »Watch Dogs« ist wunderbar doppelbödig. In der Haut eines heiseren Antihelden können die Spieler sich austoben und die ganze wahnsinnige Machtfantasie ausleben – geheime Gespräche belauschen, Webcams ausspähen, Geld von fremden Konten abheben. Man könnte als geheimnisvoller Rächer Verbrechen in der ganzen Stadt dank Polizeinetz erkennen und bekämpfen. Das wird öde. Mehr Spaß hat man als voyeuristisches, manipulatives Aas; eine spannende Erfahrung auch für Guy-Fawkes-Maskenträger.

 

Alles per Handy zu hacken ist natürlich deutlich näher an Hollywood als an der Realität. Jedes Manöver im Spiel soll zumindest theoretisch möglich sein – auch wenn es vier Monate bräuchte statt zwei Sekunden. Aber im Zweifelsfall hat das Spiel Vorfahrt. Turbohacker Aiden kann in der laufenden Verfolgungsjagd Schiffsbrücken hochklappen oder Ampeln auf Rot schalten. Er kann jede Kamera in Sichtweite entern. Er kann Paneele auf Dächern per Smartphone aufrichten, damit sie ihm Deckung beim Schusswechsel geben. Das alles ist reiner Unsinn, aber es ist auch genau das, was im Spiel am meisten Spaß macht. Den Open-World-Sandkasten mit neuem Spielzeug erkunden – darauf beschränkt sich »Watch Dogs« dann doch über weite Strecken. Einmal darin hockend, mag man sich trotzdem nicht beschweren.

 

»Watch Dogs« für PC, PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One, Wii U (Ubisoft)