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Spagat zwischen Hommage und Parodie

»Wetten, dass...?« mit Böhmermann

Mit einem »Neo Magazin Royale«-Spezial brachte Jan Böhmermann »Wetten, dass...?« zurück ins deutsche Fernsehen. Es wurde eine unterhaltsame Dreiviertelstunde, die sich aber nicht so recht zwischen Hommage und Parodie entscheiden konnte.
Geschrieben am
Jan Böhmermann dominiert in diesem Jahr wie wohl kein deutscher Entertainer zuvor die Schlagzeilen. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass Eilmeldungen über den dünnen, blassen Jungen die Smartphones der Nation vibrieren lassen. In der vergangenen Woche sorgte dafür die Ankündigung, die einst größte Samstagabendshow Europas zurück auf die Bildschirme zu bringen: »Wetten, dass...?«. 

Dass es sich bei der Sendung nicht um eine ernsthafte Neuauflage der Show, die Marcus Lanz 2014 zu Grabe getragen hatte, handeln würde, konnte man im Vorfeld schon annehmen. Und diese Annahme bestätigte sich. Böhmermann und das Team hinter ihm nahmen das »Wetten, dass...?«-Grundgerüst inklusive sämtlicher Klischees und durchzogen es mit einer Portion Satire.

So konnte man die Spezialausgabe des »Neo Magazins« auch gut und gerne als Wimmelbild benutzen und versuchen, jedes Detail zu finden, dass entweder als liebevolle Hommage oder ironische Spitze in die Sendung eingebaut wurde. Angefangen beim neu interpretierten Eurovision-Intro, über den obligatorischen Gast, der die Sendung aus terminlichen Gründen früher verlassen muss, bis zu Kinder-, Saal- und natürlich Baggerwette – an alles wurde gedacht. Während die Wetten anzüglich und ironisch daher kamen, wirkten die Gespräche mit Gästen Rapper Eko Fresh, Model Eva Padberg und CDU-Politiker Jens Spahn jedoch seltsam bieder und Böhmermann ließ seinen gewohnten Witz vermissen. Im Vergleich mit einer Wette, in der Baggerfahrer Bruno seine Frau mithilfe eines Baggers zum Orgasmus bringen will, wirkte die Mischung seltsam unausgewogen.  
Damit konnte die »Wetten, dass...?«-Rückkehr ins Fernsehen nicht vollends überzeugen, saß zu sehr zwischen den Stühlen. Unterhaltsam war sie aber allemal, wenn auch die Zahl der Lacher im Vergleich zu den normalen Ausgaben überschaubar blieben und auf der anderen Seite keine ernsthafte Atmosphäre heraufbeschworen werden konnte. Die vielen Fans von DJ Bobo dürften auf jeden Fall begeistert gewesen sein: als Live-Act gab er ein Medley seiner größten Hits zum Besten – und stellte damit als mehrmaliger Gast des Original-»Wetten, dass...?« in Kombination mit der ironisch-nostalgischen Sichtweise, die das »Neo Magazin« und sein Moderator an den Tag legen, die Perfektion des Spagats zwischen Hommage und Parodie dar, welcher sonst nicht immer überzeugend gelang.