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D 2004

Sophie Scholl – Die Letzten Tage

R: Marc Rothemund; D: Julia Jentsch, Fabian Hinrichs, André Hennicke; 24.02. Bei der aktuellen Flut an Vergangenheitsaufarbeitungsstreifen läuft man Gefahr, einen Film über Sophie Scholl schon abzuurteilen, bevor man ihn gesehen hat. Der Geruch der Berechnung ist nun mal allgegenwärtig: Das Dritt
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R: Marc Rothemund; D: Julia Jentsch, Fabian Hinrichs, André Hennicke; 24.02.

Bei der aktuellen Flut an Vergangenheitsaufarbeitungsstreifen läuft man Gefahr, einen Film über Sophie Scholl schon abzuurteilen, bevor man ihn gesehen hat. Der Geruch der Berechnung ist nun mal allgegenwärtig: Das Dritte Reich wird momentan cineastisch gemolken bis zum letzten Cent. Dabei geht ›Sophie Scholl‹ für sich betrachtet durchaus in Ordnung. Regisseur Marc Rothemund, bislang eher zu Hause im gehobenen Klamauk (›Das Merkwürdige Verhalten Geschlechtsreifer Großstädter ...‹), macht auch im ernsten Fach eine passable, wenn auch manchmal etwas hüftsteife Figur. Zugute kommt ihm natürlich seine Hauptdarstellerin: Julia Jentsch (›Die Fetten Jahre Sind Vorbei‹) weiß den Typ »normale deutsche junge Frau von nebenan« mit deutlich mehr Elan, Seele und schauspielerischer Substanz zu verkörpern als die meisten ihrer Kolleginnen. Gerade von der scheinbaren Gewöhnlichkeit lebt ja nun mal auch der Mythos Sophie Scholl: Wie kann eine unauffällige Studentin aus bürgerlichem Hause so viel Mut, Tapferkeit und Willensstärke aufbringen, um es quasi im Alleingang mit der Nazi-Justiz aufzunehmen, die Bereitschaft, für die Prinzipientreue mit dem eigenen Leben zu bezahlen? Rothemund konzentriert sich in seinem Film ganz auf Sophie, erzählt lediglich die Zeitspanne von ihrer Verhaftung wegen der Verteilung widerständischer Flugblätter bis zu ihrer Hinrichtung. Er inszeniert seine Heldin als Lichtgestalt, Märtyrerin und – was von entscheidender Bedeutung ist – als gläubige Christin. Denn Sophie geht vor allem deshalb so aufrecht in den Tod, weil sie zu wissen meint, was sie erwartet.