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Poesie am Wegesrand

So ist »Where The Water Tastes Like Wine«

Mit »Where The Water Tastes Like Wine« überschreitet der Entwickler Johnnemann Nordhagen mit seinem Studio Dim Bulb Games die Grenzen zwischen Spiel und Literatur.

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Das Geschichten-Erzählen in Videospielen befindet sich gerade in einem goldenen Zeitalter. Titel wie »Gone Home«, »What Remains Of Edith Finch« und »Firewatch« haben in den letzten Jahren mit erwachsenen und nuancierten Erzählungen endgültig die Frage beantwortet, ob das interaktive Medium überhaupt Storys braucht. Auch »Where The Water Tastes Like Wine« fällt in diese Nische von Indiegames, in denen es nicht um die Rettung der Welt, sondern höchstens einer kaputten Ehe geht. Das Debüt von Dim Bulb Games geht noch einen Schritt weiter und erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern ist auch ein Spiel über das Geschichten-Erzählen selbst. Als über den Pokertisch gezogener Tramper reist man durch eine miniaturisierte Version der Vereinigten Staaten während der Großen Depression, stets auf der Suche nach neuen Geschichten, um damit die eigenen Wettschulden abzuzahlen. Aber die Lebensgeschichten der Fremden, denen man auf seiner Reise begegnet, haben ihren Preis. Das weggelaufene Waisenkind Quinn etwa offenbart seine Vergangenheit nur, wenn man zuvor eine schrecklich-schöne Tragödie aufgeschnappt hat, die man im Gegenzug als Bezahlung anbieten kann.

Da Programmierer Johnnemann Nordhagen besser Codes als Geschichten schreiben kann, holte er sich für die mehr als 200 im Spiel versteckten Geschichten Unterstützung. Insgesamt 24 Autorinnen und Autoren haben einen Sammelband aus düsteren amerikanischen Volksmärchen zusammengetragen. Dabei entstand so viel Text, dass das ZDF sogar Buchkritikerin Elke Heidenreich nach ihrer Meinung fragte: Kann so ein Videospiel Literatur sein? Sie verneinte die Antwort, wenn auch zaghaft. »Where The Water Tastes Like Wine« reißt Genregrenzen ein. Die poetischen Zeilen, die man hier am Straßenrand findet, würden sich gut in einer gebundenen Kurzgeschichtensammlung machen. Die Vertonung hingegen erinnert eher an ein Hörbuch, inklusive eines brummigen Erzählers, der für jede Figur seine Stimme verstellt. Und dazwischen liegt immer noch die Open World eines Videospiels. Wer sich nicht entscheiden kann, ob er lieber vor dem PC hocken oder mal wieder ein gutes Buch lesen soll, findet mit »Where The Water Tastes Like Wine« genau den richtigen Kompromiss.

»Where The Water Tastes Like Wine« für Windows, Mac und Linux (Dim Bulb Games)

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