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Ein Film, der schmerzt

So ist »Unter aller Augen«

Claudia Schmid ist mit »Unter aller Augen« eine Dokumentation gelungen, die nur schwer zu ertragen ist. Trotzdem sollte jeder sie sehen.

Geschrieben am
Minara aus Bangladesh ist mehrmals durch die Hölle gegangen. Viel zu früh verheiratet, hat ihr erster Mann sie misshandelt und für seine eigene Unfruchtbarkeit verantwortlich gemacht. Er schlug sie, vergewaltigte sie und behandelte sie wie Dreck. Als sie der Ehe endlich entfliehen konnte, wurde gleich der nächste Mann für sie ausgesucht. Der vergewaltigte sie regelmäßig und misshandelte sie ebenfalls auf ganz unterschiedliche Weisen.
 
Ihre Geschichte ist kein Einzelfall. Genau darum geht es Regisseurin Claudia Schmid in ihrer Dokumentation »Unter aller Augen«. Sie hat verschiedene Frauen aus aller Welt vor die Kamera geholt, die jeweils ihre persönlichen Geschichten erzählen. Eine grausamer als die andere, beim Zuschauen nur schwer zu ertragen. Frauen aus dem Kongo erzählen, was ihnen während des Bürgerkriegs zugestoßen ist; Yolande aus Benin berichtet davon, wie ihr Mann ihr einst Säure über Gesicht und Körper schüttete und ihr nach der dramatischen Flucht vor ein paar Jahren immer noch auflauert. Maya aus Deutschland hatte unter einem sexsüchtigen Mann zu leiden, der sie nicht nur sexuell, sondern auch psychisch missbrauchte und ihr drohte, sie umzubringen – vor den Augen ihrer Kinder. 
 
Regisseurin Schmid verdeutlicht, dass es zwar kulturelle und generationsabhängige Unterschiede geben mag, die Parallelen aber dennoch unverkennbar sind. Egal, wo auf der Welt man sich befindet. Sie lässt auch Männer zu Wort kommen und man kann kaum fassen, was sie da von sich geben, wie sie ihre Frauen als Besitz betrachten und was für eine abstruse Logik sie sich zurecht legen, um die Gewalt zu begründen. Dazu lässt Schmid eine Sprecherin Zahlen verlesen und zeigt immer wieder Bilder aus dem Alltag der betroffenen Frauen. Sie alle konnten den schrecklichen Umständen mittlerweile mehr oder weniger entkommen, sind aber von schweren Traumata gezeichnet. 
 
 »Unter aller Augen« ist ein Film, den man nicht einfach mal so schauen kann. Man muss sich Zeit nehmen und darauf gefasst machen, erschüttert zu werden. Ein leiser und sehr langsamer Film, der dennoch kaum an Eindrücklichkeit einbüßt. Es wäre zu hoffen, dass der Film auch von Menschen gesehen wird, die sich nicht ausführlich mit dem Thema Gewalt auseinander gesetzt haben. Denn gerade da könnte »Unter aller Augen« viel bewegen.

Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März gibt es in verschiedenen Städten in Deutschland Sondervorführungen, teils in Anwesenheit der Regisseurinnen und/oder mit anschließenden Vorträgen und Diskussionsrunden. Alle Termine finden sich hier.

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