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Der pastellfarbene Rand

Wir zeigen euch »The Florida Project« kostenlos vor Kinostart

Die alltäglichen Abenteuer eines kleinen Mädchens aus der Parallelgesellschaft im bonbonbunten Schatten von Disney World. Regisseur Sean Baker erzählt federleicht von prekären Verhältnissen. Wir lassen euch den Film vor Kinostart kostenlos in einigen Städten sehen.
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The Florida Project – so lautete der Arbeitstitel des Disney-Themenparks in Orlando, bevor er 1971 als Walt Disney World Resort eröffnet wurde. Aber dass aus der angrenzenden Motel-Anlage Magic Castle, in der Sean Bakers sechster Spielfilm angesiedelt ist, jemals mehr erwachsen könnte als Luftschlösser, ist unwahrscheinlich: Wie für viele weitere Bewohnerinnen und Bewohner ist der einst für Touristen errichtete und deshalb in satte Pastelltöne getauchte Wohnkomplex heute für die kleine Moonee (Broklynn Prince) und ihre Mutter Halley (Bria Vinaite) eine letzte Zuflucht. Durch Spenden einer kirchlichen Einrichtung und kleine Betrügereien hangelt sich Halley von Woche zu Woche. Die Kluft ist ungeheuerlich: hier der 15.000 Hektar große Freizeitpark, dort die Motelzimmer, in der Menschen auf wenigen Quadratmetern zusammengepfercht sind.

Bei anderen Filmemachern hätte diese Gegenüberstellung wahrscheinlich eine zynische Schlagseite. Bakers Kino aber kennt nichts als Empathie: Der Indie-Regisseur interessiert sich aufrichtig für die Abgehängten und Übersehenen, für den sogenannten Rand der Gesellschaft. Und er macht Filme, die sich federleicht anfühlen und – das ist das Erstaunliche – den komplexen Verwerfungen dennoch gerecht werden. Nie behandelt Baker seine Figuren als bloße Stellvertreter ihrer Lebensrealitäten. Mit dem gleichen humanistischen Selbstverständnis, mit dem er in »Tangerine« einer transsexuellen Prostituierten durch Los Angeles folgte, begegnet er den Protagonistinnen von »The Florida Project«: Der Film ist durchweg aus der kindlichen Perspektive von Moonee erzählt, für die Disney World eben keine gigantische Geldmaschine ist, sondern ein utopischer Sehnsuchtsort.

Die Tragweite ihrer prekären Situation kann die Sechsjährige ohnehin noch nicht einschätzen, und gerade deshalb hängt sie wie ein Damoklesschwert über der Unbekümmertheit, mit der Moonee und die anderen Kinder durch ihre Sommerferien driften – und mit ihnen der Film: Streiche spielen, mit geschnorrtem Eis den Boden des Hausmeister-Büros vollkleckern, mit schier unerschöpflicher destruktiver Energie auf Zerstörungstour gehen, einfach nur, um zu sehen, was passiert. Währenddessen versucht der von Willem Dafoe gespielte, zwischen Sympathie und Strenge zerriebene Motel-Manager zu retten, was noch zu retten sein könnte.

Nachdem Baker den ähnlich bewegten und bewegenden »Tangerine« auf einem iPhone gedreht hatte – eine Entscheidung aus der Not heraus, die sich aufmerksamkeitsökonomisch aber als geschickter Schachzug erwies –, erstrahlt die bonbonfarbene Tristesse von »Florida Project« nun von analogem 35mm-Filmmaterial. Bis auf die letzte Szene, die auch ansonsten einen gewagten ästhetischen Bruch darstellt, die lose Erzählung aber ihrem vielleicht einzig folgerichtigen Schlusspunkt zuführt.

Wir laden euch ins Kino ein! Am 12. März 2018 zeigen wir »The Florida Project« vor Kinostart kostenlos in folgenden Kinos:

Berlin: Hackesche Höfe-Kino, Rosenthaler Str. 40-41, 20 Uhr
Hamburg: Abaton, Allendeplatz 3, oberes Kino, 20 Uhr
München: Monopol, Schleißheimer Straße 127, 20 Uhr
Köln: Off-Broadway, Zülpicher Straße 24, 20 Uhr
Frankfurt am Main: Harmonie, Dreieichstraße 54, Kino 2, 20:30 Uhr

Um dabei zu sein müsst ihr das unten stehende Formular ausfüllen. Beeilt euch, die Plätze sind begrenzt!

— »The Florida Project« (USA 2017; R: Sean Baker; D: Bria Vinaite, Broklynn Prince, Willem Dafoe; Kinostart: 15.03.18; Prokino)

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