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Wer rettet hier am Ende wen?

So ist »The End Of The F***ing World«

Die düstere Coming-Of-Age-Serie »The End Of The F***ing World« ist ein sehenswerter Spaß, schafft es aber nicht, alle Klischees gekonnt zu umschiffen.
Geschrieben am
Man tendiert dazu, die alte Debatte um »Manic Pixie Dream Girls« wieder herauszukramen, wenn man beginnt, »The End Of The F***ing World« zu schauen. Alyssa (Jessica Barden) entspricht zunächst ganz schön dem Klischee der jungen Frau, die mit all ihren sympathischen Fehlern eigentlich nur dafür da ist, den Helden der Geschichte zu retten. Glücklicherweise schafft es die in Zusammenarbeit mit dem britischen Channel 4 entstandene Netflix-Serie aber, das Bild nicht allzu sehr auszuleiern – und durch seine abgefahrenen und tiefschwarzen Ideen dem alten Boy-meets-Girl-Plot ein paar Twists hinzuzufügen.

Alyssa und James (Alex Lawther) sind Außenseiter. Sie ist neu an der Schule, er ist ein Freak. Kein sympathischer Nerd mit einer etwas zu großen Liebe für das »Star Wars«-Universum, sondern ein Psychopath. James tötet Tiere und träumt davon, einen Menschen umzubringen. Zu seinem 13. Geburtstag wünschte er sich eine Machete, er bekam stattdessen ein Messer von seinem Vater geschenkt. James sucht sich Alyssa als mögliches Opfer aus und tut so, als sei er in sie verliebt. Er ist nicht fähig, irgendetwas zu fühlen, entsprechend steif verläuft die Annäherung. Alyssa hält das jedoch nicht ab. Sie ist der klassische rebellische Teenager. Enttäuscht von ihrer Familie – die Mutter hat mit ihrem neuen Mann Zwillinge bekommen, der leibliche Vater ist vor Jahren abgehauen – und genervt von ihrem gleichaltrigen Umfeld, wendet sie sich James zu: »Ich behaupte nicht, dass er die Antwort ist«, hört man sie aus dem Off sagen, »aber erst ist wenigstens etwas.« Gemeinsam klauen sie das Auto von James’ Vater und begeben sich auf einen Road Trip. Das Ziel: Alyssas Dad. 

Die Serie hat viele tolle Momente, ist ein hübscher Mix aus »Natural Born Killers«, »The Chase« und ja, auch ein bisschen »Garden State«. Letzteres vor allem dank des wirklich tollen Soundtracks – und der Prämisse des kaputten Jungen und seiner ebenfalls kaputten, aber sympathischen Retterin. Die Schauspielerinnen und Schauspieler sind großartig, der kleine Nebenplot mit den ermittelnden Polizistinnen schön schräg und die Ausstattung wundervoll. James und Alyssa dürfen aussehen, wie Teenager eben aussehen, sie sind ungelenk  und überfordert mit der Situation und das macht sie trotz ihrer Taten und abründigen Gedanken – über die wir mit Hilfe von Off-Stimmen informiert werden – sympathisch. 

Was als zwar bitterböser, aber trotzdem seltsam leichtfüßiger Spaß beginnt, kippt irgendwann und wird von Folge zu Folge schmerzhaft ernster. Wer bei »The End Of The F***ing World« ein Märchen erwartet, in dem sich am Ende alles hübsch in Wohlgefallen auflöst, sei hiermit ausdrücklich gewarnt. Wer die Comic-Vorlage von Charles Forsman kennt, weiß das aber wahrscheinlich bereits.

Bleibt am Ende nur noch die Frage, wieso Netflix eine Serie aus dem Stoff gemacht hat. Bei acht Folgen mit jeweils rund 20 Minuten hätte es ein Film auch getan, zumal einigen Passagen Straffung ganz gut getan hätte. Trotzdem ist »The End Of The F***ing World« sehenswert – und ganz gut mal eben so weg geguckt.

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