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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Die Tischmanieren der Mittelschicht

So ist »The Dinner«

Oren Movermans Psychodrama zeigt ein gesellschaftliches Klassentreffen voller nobler Doppelmoral. Guten Appetit!
Geschrieben am
Die Bloßstellung der Doppelmoral der weißen Mittelschicht und ihrer verwöhnten Sprösslinge hat Roman Polanski mit dem genialen Kammerspiel »Der Gott des Gemetzels« durchexerziert. Oren Moverman geht in seinem nicht ganz so perfekten, aber dennoch sehenswerten Psychodrama »The Dinner« ein paar Schritte weiter. Dorthin, wo bitterböser Humor endet und das kalte Grauen beginnt. Zwei Elternpaare treffen sich zum 6-Gänge-Menü im Nobelrestaurant. Der Grund ihres Zusammentreffens wird erst spät offenbart: Ihre herzlosen Söhne haben eine Obdachlose getötet, und nun wird besprochen, wie es weitergehen soll. Der Linksintellektuelle Paul (Steve Coogan) wirkt zunächst sympathisch, seine fürsorgliche Frau Claire (Laura Linney) entpuppt sich spätestens beim Verdauungsschnaps als Fleisch gewordener Albtraum einer Helikoptermutter. Eingeladen zum Edeldinner hat Pauls Bruder Stan (Richard Gere), ein unerträglich selbstverliebter Politiker. Letztlich erweist er sich aber als der Humanste der Runde, weil er ihre Söhne für den kaltblütigen Mord zur Rechenschaft ziehen lassen will. Seine deutlich jüngere Ehefrau (Rebecca Hall) fährt jedoch unerwartet schwere Geschütze auf, damit ihr Mann es sich noch einmal anders überlegt.