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Die Wallfahrt der Budisten

So ist »Sie nannten ihn Spencer«

Karl-Martin Polds dokumentarisches Roadmovie begleitet zwei Bud-Spencer-Fans auf dem steinigen Weg zu ihrem Idol Carlo Pedersoli. Schon bei dem Gedanken daran bekommt man Appetit auf eine Riesenportion Spaghetti.
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Der Filmemacher Karl-Martin Pold führte bislang ein ähnlich bewegtes Leben wie der Held seines ersten Dokumentarfilms, Carlo Pedersoli. Immerhin jobbte Pold schon als Chauffeur des brasilianischen Schriftstellers Paulo Coelho, und eine Weile verkaufte er in Colorado steirisches Brot. Pedersoli, den die Welt als Bud Spencer kennenlernen sollte, war mindestens Jurist, Leistungssportler und Erfinder in einer Person, bevor er den Dampfhammer und die Doppelbackpfeife auspackte. Der deutschen Synchronisation, vor allem dem Dialogschreiber Rainer Brandt, haben wir bekanntlich besonders lustige Versionen jener Western, Komödien und Krimis zu verdanken, mit denen Spencer weltberühmt wurde.

Am beliebtesten sind bis heute alle Filme mit Terence Hill an seiner Seite, zum Beispiel »Die rechte und die linke Hand des Teufels« oder »Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle«. Beste Sonntagnachmittagsunterhaltung mit unnachahmlichen Fressorgien, in der lästige Autoritäten genauso auf die Mütze bekommen wie dumpfe Kleingeister. Achtung, diese Geschichten können Spuren von Anarchismus enthalten! Was die Kritik geflissentlich übersah. 
Anarchistische Züge – die kann man nun auch Polds Hommage nachsagen, in der Terence-Hill-Sprecher Thomas Danneberg höchstpersönlich Sprüche aus dem Off klopft. Statt eine nüchterne Doku zu drehen, werkelte Pold mehrere Jahre an einer Art Roadmovie, in dem sich die beiden Die-Hard-Fans Marcus Zölch und Jorgo Papasoglou auf den Weg zu ihrem Idol machen – und unterwegs alte Weggefährten Bud Spencers treffen. Die Überlebensgröße, die Spencer noch vor seinem Tod für Marcus und Jorgo erlangt hatte, machte deren Abenteuer erst möglich.

Die Facebookseite von »Sie nannten ihn Spencer« verzeichnete bereits eine sechsstellige Follower-Zahl, als die Premiere des Films noch kaum abzusehen war. Es gibt viele Dinge, auf die keiner wartet – die erste Bud-Spencer-Doku gehört eher nicht dazu. Der Filmemacher fühlte die Berufung, und trotz einiger herber Rückschläge hat sich Pold nicht entmutigen lassen; weder von der strengen Sekretärin des sehr zurückgezogen lebenden Pedersoli, noch von ausbleibenden österreichischen Fördermitteln. Sein Film handelt auch von den vielen kritischen Momenten und hat einige tolle Einfälle zu bieten. Mitunter wirkt es zwar etwas bemüht, wenn Hill-Verschnitt Marcus Zölch und sein blinder Buddy Jorgo Papasoglou sich necken wie die Vorbilder – mit Sprüchen à la Rainer Brandt auf den Lippen. Aber gerade in den unbeholfenen Momenten ist ihre Leidenschaft am wahrhaftigsten, und diese bedingungslose Liebe zu Bud Spencer hat den Regisseur offensichtlich äußerst fasziniert. Klar wird Spencer dadurch verklärt. Gleichzeitig ist der Film aber auch den Gründen solcher Idealisierung auf der Spur. Und überhaupt: Aus einem Elefanten kann man nun mal keine Mücke machen. 
— »Sie nannten ihn Spencer« (A/D 2017; R: Karl-Martin Pold; Kinostart: 27.07.17; Neue Visionen)