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Schimpansen als Gesellschaft

So ist »Jane«

Mit viel Geduld näherte sich Jane Goodall in den Sechzigern Schimpansen in Tansania und fand viel über deren Leben heraus. Brett Morgens Dokumentarfilm lässt die Geschichte ihrer Entdeckungen anhand von Archivaufnahmen Revue passieren. 
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Die Überzeugung, dass es sich bei Tieren um intelligente Wesen handelt, die sogar Gefühle haben, kann in ihrem Wachstum wohl nicht mithalten mit dem Ausmaß des permanenten Raubbaus an ihrem Lebensraum. Doch vor gut 50 Jahren machten sich noch weitaus weniger Leute Gedanken über die Persönlichkeit von Tieren, während heute immerhin kontrovers darüber diskutiert wird. Wer wissen möchte, wie lange etwa die menschliche Ignoranz gegenüber dem Verhalten und den Fähigkeiten von Walen anhielt, sollte Carl Safinas Buch »Die Intelligenz der Tiere« lesen.  

1960 reiste die 26-jährige Britin Jane Goodall nach Tansania. Sie war von einem ehrgeizigen Forscher ausgewählt worden, das Treiben der dort lebenden Schimpansen, über das bis dahin so gut wie nichts bekannt war, mit ihrer ungeschulten Perspektive zu erkunden. Der Dokumentarfilm »Jane« des Regisseurs Brett Morgen greift nun auf umfangreiches Filmmaterial zurück, das über die Jahre ihres Aufenthalts entstand und dann jahrzehntelang in der Mottenkiste lag. Er zeigt die junge Frau bei ihrer Arbeit in der Wildnis, wo sie sich den Primaten behutsam als stille Beobachterin nähert. Da sie noch lebt, kann sie die Bilder kommentieren, dazu untermalt Musik von Philip Glass die faszinierenden Aufnahmen. Goodalls Forschung erwies sich als bahnbrechend, aber umstritten. Sie fand zum Beispiel heraus, dass Schimpansen Werkzeuge benutzen und wie ihre soziale Hackordnung funktioniert. Um die Individuen auseinanderzuhalten, gab sie ihnen Namen. Das galt als unwissenschaftlich, doch Goodall bemerkte schnell, dass die einzelnen Schimpansen jeweils typische Verhaltensweisen entwickelten. Warum sollte sie die Charakterköpfe mit Nummern bezeichnen? Neben den liebenswerten Seiten der Affen bekam sie auch tragische Aspekte ihres Lebens und die dunklen Seiten ihres Handelns mit.

Man kann die Entwicklungen im Film durchaus als dramatisch bezeichnen, weshalb Morgen nicht auf eine spektakuläre Dramaturgie angewiesen ist, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Die entfaltet sich quasi von selbst. Zwar steckt im Titel nahezu unvermeidlich eine Anspielung auf die Figur aus Edgar Rice Burroughs Tarzan-Geschichten, allerdings gibt er auch die Nähe des Films zu seiner Hauptfigur wieder. »Jane« handelt nicht einfach von einer heute berühmten Forscherin, die sich weiter für das Leben von Tieren auf einem von dem weißen Kolonialismus geprägten und der Logik des Kapitalismus beherrschten Globus einsetzt; oder von einer Feministin unter Alphamännchen, die Wissenschaft mit Empathie verbindet und ohne Romantik auskommt. Er handelt von ihrem Glauben an eine beseelte Welt der Tiere, dem sie sich als ausgewiesene Realistin hingibt.
— »Jane« (USA 2017; R: Brett Morgen; Kinostart: 08.03.18; Mindjazz)

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