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Verwurzelt und verstrahlt

So ist »Furusato – Wunde Heimat«

Für »Atomkraft, nein danke!« ist es dort zu spät: Filmemacher Thorsten Trimpop dokumentiert das Leben rund um Fukushima.
Geschrieben am
Für seinen Dokumentarfilm »Furusato« reiste Thorsten Trimpop in die heute zweigeteilte Stadt Minamisoma: Teilweise liegt sie in einer 20 Kilometer reichenden Sperrzone um das 2011 havarierte Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, teilweise wurde sie aber auch für bewohnbar erklärt. Dort begegnet er Menschen, die ihr altes Leben nicht aufgeben wollen. Es sind feinfühlige Porträts, in denen die Realität politischen Versagens auf fatalistischen Trotz trifft. Und man staunt wahrlich nicht schlecht: Ein ehemaliger Verantwortlicher des Betreiber-Unternehmens TEPCO isst rohen, in der Nähe des stillgelegten Kraftwerks gefangenen Fisch – eine Portion Sushi, die den Geigerzähler in Wallung bringen dürfte –, schwärmt von der Zeit, in der die Blöcke in freundliche Farben getüncht wurden, und fragt sich ernsthaft, wann sie wohl wieder Strom erzeugen werden.

Die junge Pferdezüchterin Miwa dagegen mag sich die Zukunft lieber nicht so genau ausmalen und versucht auf dem Familienhof unter Einsatz ihrer Gesundheit zu retten, was nicht zu retten ist. Pferdeliebhaber, aufgepasst! Schockierend sind aber nicht nur die Kadaver der schönen Tiere, unglaublich ist auch der Kampf des Aktivisten Bansho gegen die behördlichen Windmühlen sowie die tauben Ohren seiner Mitmenschen. Der Umgang mit der Katastrophe erscheint in »Furusato« (das japanische Wort für Heimat) allmählich als die eigentliche Katastrophe. Weil der staatliche Verdrängungsapparat so gut funktioniert, wirkt die Krebs erregende Heimatverbundenheit der verbliebenen Bewohner von Minamisoma umso tragischer, auch wenn man jene für ihre sture Haltung mitunter bewundert. Ein Film, der Fragen nach dem Menschen als vernünftiges Wesen aufwirft. Und eine Geschichte über Heimat, die nicht nur in Japan möglich ist.
— »Furusato – Wunde Heimat« (D/J/USA 2016; R: Thorsten Trimpop; Kinostart: 08.03.18; Imfilm)

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