×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

»Wonderwall« in Dauerschleife

So ist »Everything Sucks!«

Wenn »Everything Sucks!« die Zaunpfähle mal stecken lässt, kann die neue Netflix-Serie weitaus mehr als Neunzigerjahre-Nostalgie in Dauerschleife.

Geschrieben am
Der Drang, nach der ersten Folge »Everything Sucks!« abzuschalten, ist durchaus da. Die neue Netflix-Serie haut ihren Zuschauerinnen und Zuschauern ununterbrochen um die Ohren, dass wir uns in den Neunzigerjahren befinden. Im Hintergrund laufen Songs von den Mighty Mighty Bosstones, der Bloodhound Gang und Oasis, die coolen Mädchen stylen sich wie Gwen Stefani und die schüchternen hören Tori Amos. Zwar steckt sichtbar viel Liebe in den Details, nur hätte es »Everything Sucks!« gar nicht nötig, so arg auf der Nostalgie herumzureiten, denn die Serie ist hinter all diesem Theater charmant und vermeidet zahlreiche Fettnäpfchen anderer Serien über Teenager.

Die Geschichte mutet zunächst wie der klassische »Junge trifft Mädchen«-Plot an: Luke (Jahi Winston) und seine Freunde Tyler (Quinn Liebling) und McQuaid (Rio Mangini) sind gerade frisch an der High School. Sie werden Mitglieder im Videoclub und lernen dort Kate Messner (Peyton Kennedy) kennen. Luke verliebt sich auf den ersten Blick – trotz der Warnungen seiner Freunde, dass Kate erstens ein Jahr älter und zweitens auch noch die Tochter des Schuldirektors sei. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sind da schon viel klüger: Kate ist lesbisch und verliebt in Emaline, den weiblichen Star der Theater-AG.

»Everything Sucks!« erzählt die Schwierigkeiten der ersten großen Liebe mit viel Fingerspitzengefühl. Die Schauspielerinnen und Schauspieler wurden bis auf wenige Ausnahmen gut gecastet. Vor allem Jahi Winston als Luke und Peyton Kennedy als Kate zeigen ihren Herzschmerz glaubhaft – und sie sind zur Abwechslung mal nicht Mittzwanziger, die Teenies spielen (schöne Grüße an »Dawson’s Creek« oder »O.C., California«), sondern tatsächlich erst 14 Jahre alt. Mit klassischen Familienbildern bricht die Serie ebenfalls. Lukes Mutter ist alleinerziehende Stewardess und viel unterwegs, Kates Vater ist Witwer. Die beiden verlieben sich ineinander und ihre Geschichte wirkt glücklicherweise wenig peinlich oder konstruiert. Die Szene, in der sie ausgelassen zu »Time Bomb« von Rancid Klopapierrollen in einem Baum vor dem Haus einer alten Liebschaft werfen, gehört zu den Höhepunkten der Staffel.

Wer entschieden hat, all das hinter der Nostalgie-Keule und – viel schlimmer – dem plattem Humor der ersten Folgen zu verstecken, verdient mindestens eine Woche Nachsitzen. Lukes Freunde wirken zu Beginn wie billige Abziehbilder der Nerd-Clique aus »Freaks & Geeks«. Da hilft auch der Nachdreh des »Wonderwall«-Musikvideos nur wenig. Auch, dass »Everything Sucks!« in Boring, Oregon, spielt, ist für den Plot völlig egal, kommt aber wahrscheinlich dem Merch-Verkauf der Serie zugute. Die flachen Ideen werden aber im Verlauf der Folgen weniger, die Witze subtiler und auch Tyler und McQuaid bekommen mehr Profil.

Ist dieser Ballast erst mal beiseite geräumt, kann man sich von den zehn Folgen kurzweilig unterhalten lassen. Die kleinen Cliffhanger am Ende tun ihr Übriges, die Hoffnungen auf eine baldige zweite Staffel zu schüren.

Folgt uns auf

  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr