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Die Paranoia der anderen

So ist die neue »Black Mirror«-Staffel

Am 29. Dezember geht »Black Mirror« in die vierte Staffel – wir verraten euch spoilerfrei, ob die neuen Folgen gelungen sind.
Geschrieben am
Das wichtigste Vorab: Charlie Brooker ist es mit der vierten Staffel von »Black Mirror« tatsächlich gelungen, das hohe Niveau der letztjährigen Episoden zu halten – zumindest in erzählerischer Hinsicht. Als gesellschaftskritische Parabeln zerbrechen aber auch diese Episoden einmal mehr unter der moralischen Last, die ihnen hier bisweilen ohne jegliches Augenmaß aufgelastet wird. Technik ist böse – so lautet bekanntlich das immer wieder erschreckend triviale und einseitige Mantra der Serie. Besser dran sind die, die den vermeintlich kritischen Subtext einfach ausblenden und die zynische Anthologie als das betrachten, was sie ist: sehr gute Unterhaltung.

Charlie Brooker klammert sich auch mit der vierten Staffel verbissen an seinen moralischen Kompass, was allerdings nicht heißt, dass er nicht eine Menge interessante Dinge über unsere Zeit zu sagen hätte. Dating, Bürokratie, Erziehung und Überwachung sind nur einige der Koordinaten, an denen Mensch und Technik aneinander geraten. Am präsentesten ist in der vierten Staffel allerdings einmal mehr die Frage nach den ethischen Aspekten an der Schnittstelle von Posthumanismus und künstlicher Intelligenz – ein Thema, mit dem wir uns bereits an dieser Stelle ausführlich beschäftigt haben. Hier wirft vor allem die Episode »Black Museum« quälende Fragen nach den ethischen Wechselwirkungen zwischen beiden Polen auf. In der Folge wird eine junge Frau durch ein eigenartiges Kriminalmuseum geführt, dessen Exponate schaurige Geschichten über die Digitalisierung des menschlichen Bewusstseins bergen. Die Folge »USS Callister« bewegt sich auf einem ähnlichen Terrain, setzt die Gedankenfigur allerdings in den Kontext der boomenden Online-Gaming-Kultur. Aber auch abseits dieses Themas weiß die vierte Staffel von »Black Mirror« unterhaltsame Akzente zu setzen, etwa wenn Dating-Apps wie Tinder in »Hang The DJ« zum totalitären Imperativ werden oder Jodie Foster das Prinzip Helikopter-Eltern in »Arkangel« implodieren lässt.

»Black Mirror« entwickelt sich mit seiner vierten Staffel weiter zum »Twilight Zone« der Generation Snapchat und das ist wirklich in jeder Hinsicht positiv gemeint. Als Vehikel für die angepeilte Kritik sind die Moralvorstellungen von Brooker aber schlichtweg zu binär. Zu wenige Folgen hinterlassen ein wirklich ambivalentes Gefühl oder sogar ernsthafte Zweifel, wer nun eigentlich Schuld an dem ganzen Elend ist – der Mensch oder die Maschine. Hoffen wir, dass es noch einige Staffeln geben wird, um diesen Kurs zu korrigieren, denn Spaß macht diese Serie auf jeden Fall.

Die vierte Staffel von Black Mirror ist ab dem 29. Dezember via Netflix zu sehen.