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Was hat den Menschen bloß so ruiniert?

So ist »Auslöschung«

Die Zukunft der Menschheit und die Zukunft der Filmverwertung in einem? Ab dem 12. März 2018 zeigt Netflix Alex Garlands Spielfilm »Auslöschung« exklusiv. (Foto: Netflix)

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Alex Garlands Film »Auslöschung« sorgte schon vor seiner Veröffentlichung für Diskussionen. Manchen Cineasten stößt es übel auf, wenn größere Produktionen exklusiv auf einer Streamingplattfrom statt im Kino starten. Angesichts der vielen Filme, die auch ohne Netflix und Co nicht auf der Leinwand gezeigt werden, könnte man die Sache andererseits natürlich auch als Chance begreifen. Aber letztlich stehen die Zwänge im einen wie im anderen Fall dagegen: die Notwendigkeit, das Programm zu refinanzieren, beziehungsweise, damit Gewinn zu machen. Der Netflix-Release von »Auslöschung« liegt insofern in einer Grauzone, da Garlands Verfilmung eines Romans des Autors Jeff VanderMeer nicht wirklich ein Mainstream-Publikum anspricht und eher in die Kategorie des ambitionierte Genrefilms zählt. Es geht um die Exklusivität an sich, mit der Netflix in dem Fall für sich Werbung macht.

Jeff VanderMeers fantastische Literatur zeichnet sich durch eine große Nähe zur Realität aus, so märchenhaft, mysteriös und weird sie einem mitunter erscheint. Seine Roman-Reihe um die »Auslöschung« macht da keine Ausnahme. Das Szenario klingt nach Science-Fiction, die auf ein Zusammentreffen mit Aliens hinausläuft. In einem Gebiet namens Area X, das von einem übernatürlichen Phänomen unklaren Ursprungs heimgesucht wird, verschwinden Menschen oder kehren schwer verändert von der gefährlichen Mission heim, diese rätselhafte Erscheinung zu ergründen. 

Regisseur Garland, auf dessen Romanvorlage Danny Boyles »The Beach« basierte, ist mit Geschichten vertraut, die sich inmitten katastrophaler Zustände abspielen – die beiden arbeiteten auch bei »28 Days Later« zusammen. In »Auslöschung« zeigt Garland nun, dass er sich inszenatorisch zutraut, dem Publikum etwas abzuverlangen, um eine Story zu erzählen, die uns tief in die menschliche Natur hineinführt.

Die Biologin Lena (Natalie Portman) ist persönlich von dem schimmernden Mysterium der Area X betroffen. Ihr Ehemann (Oscar Isaac) überlebte zwar seine Expedition, doch er ist seit der Heimkehr psychisch und körperlich in einem desolaten Zustand. In einer Gruppe von Frauen begibt sich die Wissenschaftlerin in die Gefahrenzone, um die Wahrheit über Area X herauszufinden. Das Gebiet hat seine eigenen Gesetze und scheinbar nur wenige Bezugspunkte zur realen Welt, etwa einen Leuchtturm. Doch nach und nach kommen die Forscherinnen der Sache auf die Spur. In der Area X wütet offenbar die Natur, die sich der Kontrolle der Menschen entzogen hat. Sie führt den Wahrheitssuchenden vor Augen, dass der Mensch mit jeder Erkenntnis seinem eigenen Ende ein Stückchen näher kommt. Die Frage ist, ob dieser Prozess der Selbstzerstörung aufzuhalten ist.

Man kann sich »Auslöschung« als eine Mischung aus »Lost« und »Arrival« vorstellen, nur dass die Auflösung pointierter ist als in J.J. Abrams’ Mystery-Saga und die Komplexität der Handlung aus VanderMeers Feder von Garland besser erfasst wurde, als der Inhalt von Ted Chiangs genialer »Arrival«-Vorlage durch den nach wie vor vollkommen überschätzten Denis Villeneuve. Ein großer Unterscheid zu der weinerlichen Amy Adams in der »Arrival«-Hauptrolle ist hier auch noch eine verdammt coole Natalie Portman. »Auslöschung« ist zudem mit Oscar Isaac und Jennifer Jason Leigh in den Nebenrollen klasse besetzt, spannend erzählt und visuell zauberhaft. Ob der Film zu schade für Netflix ist und besser im Kino hätte gezeigt werden sollen? In Zukunft wird es wohl öfter so sein, dass Filme lediglich im Streamingdienst erhältlich sind. Es wäre immerhin einen Versuch wert, den Kinostart auf einen erfolgreichen Netflix-Release folgen zu lassen. Nur wie jede Idee, hat auch diese ihre Tücken.

Jeff VanderMeer

Auslöschung #1 Southern-Reach-Trilogie: Roman

Release: 01.03.2017

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